Maisel & Friends – Artbier #8

Nun ist es da – das inzwischen achte Artbier von Maisel & Friends. Für diese Serie von Sondersuden gestaltet immer ein anderer Street Art-Künstler das Etikett. Für dieses Bier stammt das Etikett vom belgischen Künstler Lobster Robin. Er verbindet in seiner Arbeit auf einzigartige Weise klassische Illustration mit der Dynamik von Streetart. Mit einem Hintergrund in Illustration und Animation verfügt er über ein ausgeprägtes Gespür für Licht, Farben und feine Details – Fähigkeiten, die seinen Werken eine besondere Tiefe verleihen.

Gleichzeitig fließt die rohe, ungezähmte Energie von Graffiti und urbaner Kunst in seine Arbeiten ein. So entstehen visuell intensive, oft psychedelisch anmutende Bildwelten, die gleichermaßen faszinieren und herausfordern. Lobster Robin schafft es, vertraute Motive aus ungewohnten Perspektiven zu zeigen und den Betrachter in eine farbenreiche, fast traumartige Realität zu ziehen, die lange nachwirkt.

Jetzt ist es aber an der Zeit, dass ich mit der Verkostung beginne die Flasche öffne und das Bier einschenke. Das Artbier #8 von Maisel & Friends präsentiert sich im Glas in einem hellen Goldton mit ausgeprägter Hefetrübung. Der feinporige, weiße Schaum baut sich stabil auf und bleibt erfreulich lange erhalten.

In der Nase zeigt sich ein wahres Fruchtfeuerwerk: Zitrus, Ananas, Maracuja und Pfirsich verbinden sich zu einem intensiven, einladenden Aromenspiel, das sofort Lust auf den ersten Schluck macht.

Der Antrunk ist spritzig und lebendig, begleitet von einer angenehm zurückhaltenden Süße. Am Gaumen steht die Frucht klar im Vordergrund, ohne dabei den Malzkörper zu überdecken. Dieser sorgt für die nötige Balance und verleiht dem Bier Struktur. Hinzu kommt eine deutliche, fruchtige Bittere, die präsent ist, aber nie dominierend wirkt. Das Mundgefühl bleibt dabei weich und frisch. In der Kehle zeigt sich das Bier trockener, während Frucht und Bittere noch einmal gemeinsam auftreten. Besonders die Bittere bleibt lange erhalten und sorgt für einen nachhaltigen Eindruck.

Insgesamt ist das Artbier #8 ein sehr zugängliches IPA auf hohem Niveau – aromatisch intensiv, ausgewogen und mit hohem Trinkfluss. Und wie bei allen Sondersuden gilt: schnell sein lohnt sich, denn weg ist weg.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen (Krush, Mosaic, Simcoe, Citra), Hefe

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Stammwürze:

13,7° Plato

Farbe:

6 EBC

Brauerei:

Maisel & Friends
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Rückruf bei Brauerei Holzhauser: Explosionsgefahr bei alkoholfreiem Bier

Die Brauerei Holzhauser hat aktuell einen Rückruf für zwei alkoholfreie Biersorten gestartet. Betroffen sind das alkoholfreie Weißbier sowie das alkoholfreie Helle in der 0,5-Liter-Glasflasche. Grund für die Maßnahme ist eine mögliche Nachgärung in einzelnen Flaschen, die im schlimmsten Fall zu gefährlichem Überdruck und sogar Glasbruch führen kann.

Welche Produkte sind betroffen?

Der Rückruf betrifft konkret folgende Chargen:
– Alkoholfreies Weißbier mit Mindesthaltbarkeitsdatum bis Juli 2026
– Alkoholfreies Helles mit Mindesthaltbarkeitsdatum bis November 2026

Warum besteht Gefahr?

Nach Angaben der Brauerei kann es bei der Abfüllung in Einzelfällen zu einer unerwünschten Nachgärung durch Hefe gekommen sein. Dadurch können zwei Probleme auftreten: Zum einen kann der Alkoholgehalt über die gesetzlich zulässige Grenze für alkoholfreies Bier ansteigen. Zum anderen kann sich in der Flasche ein erhöhter Druck aufbauen. Im Extremfall besteht dadurch die Gefahr, dass Flaschen bersten – mit entsprechendem Verletzungsrisiko.

Was sollten Verbraucher jetzt tun?

Die Brauerei rät dringend davon ab, die betroffenen Biere zu konsumieren. Stattdessen sollten die Flaschen ungeöffnet im Handel zurückgegeben werden. Besonders wichtig ist dies für Personen, die bewusst auf Alkohol verzichten möchten oder müssen.

Bis zur Rückgabe empfiehlt es sich, die Flaschen kühl (unter 10 °C) und lichtgeschützt zu lagern, um eine weitere Aktivität der Hefe möglichst zu verlangsamen.

Vorbeugender Verbraucherschutz

Der Rückruf erfolgt ausdrücklich aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes. Ziel ist es, mögliche gesundheitliche Risiken sowie Gefahren durch Glasbruch frühzeitig zu vermeiden.

Für Verbraucher zeigt der Fall einmal mehr, dass auch bei scheinbar unproblematischen Produkten wie alkoholfreiem Bier Sorgfalt bei Herstellung und Lagerung entscheidend ist.

„Know Your Beer“: Mehr Transparenz für Biertrinker in Europa

Wissen Sie eigentlich genau, was in Ihrem Bier steckt? Zutaten, Herkunft, Alkoholgehalt oder Frische – all das sind Informationen, die oft auf dem Etikett stehen, aber nicht immer leicht zu verstehen sind. Genau hier setzt das neue europäische Portal „Know Your Beer“ an, das kürzlich im italienischen Parlament in Rom vorgestellt wurde.

Hinter der Initiative steht die European Beer Consumers‘ Union, die sich für mehr Transparenz und Verbraucherrechte im europäischen Biermarkt einsetzt. Ziel der Plattform ist es, Biertrinkerinnen und Biertrinkern verständliche, zugängliche und überprüfbare Informationen an die Hand zu geben und so das Bewusstsein für Qualität und Herkunft zu stärken.

Ein digitales Werkzeug für mehr Durchblick

Vorgestellt wurde das Portal im Rahmen der Pressekonferenz „Know Your Beer: EBCU and Unionbirrai, the new frontier of transparency“, die gleichzeitig den Auftakt zum 73. Delegiertentreffen der EBCU bildete. Gastgeber war die Unionbirrai, der Verband unabhängiger italienischer Craft-Brauereien.

Das Portal versteht sich als praktisches Werkzeug für Verbraucher. Es hilft dabei, Bieretiketten besser zu lesen und vermittelt Wissen zu sechs zentralen Themen: Alkoholgehalt und Bierstile, Zutaten und Allergene, Hersteller und Herkunft, Zertifizierungen, Frische und Rückverfolgbarkeit sowie die richtige Lagerung.

Unterstützung aus Politik und Branche

Auch politisch stößt das Thema auf breite Zustimmung. Vittorio Ferraris betonte die Rolle von Unionbirrai als Brücke zwischen Produzenten und Konsumenten und erklärte: „Heute verzeichnen wir ein Klima großer Harmonie zwischen Institutionen und Interessengruppen im Sektor: Ein geschlossenes Team wurde geschaffen, das das Wachstum des Sektors endlich mit angemessenen und modernen Vorschriften begleiten kann.“

Luca De Carlo hob insbesondere die regionale Verankerung hervor: „Die Bierlieferkette, insbesondere Craftbier, ist nicht nur wegen der Transparenz wichtig, sondern auch, weil sie tief in den Herkunftsgebieten verwurzelt ist. Nach mehr als sechzig Jahren brauchen wir moderne Gesetzgebung, die das Wachstum des Sektors begleitet und neue Möglichkeiten wie Gastfreundschaft und Biertourismus stärkt, damit vor allem kleinere Produzenten ihre Geschichte besser erzählen können.“

Auch Giorgio Salvitti unterstrich die wirtschaftliche Bedeutung: „Der Biersektor ist ein strategischer Bereich für die nationale Wirtschaft. Klarheit bei Rückverfolgbarkeit, Sicherheit und Qualitätsmerkmalen zu gewährleisten, ist eine Verpflichtung gegenüber Verbrauchern und Markt. Wir arbeiten an neuen gesetzlichen Regelungen, die einen klaren Rahmen schaffen und die Entwicklung des Sektors fördern – auch durch die Chancen des Biertourismus.“

Zwischen Innovation und Regulierung

Ein zentraler Punkt der Diskussion war die Lücke zwischen digitaler Innovation und teilweise veralteten gesetzlichen Rahmenbedingungen. Während Plattformen wie „Know Your Beer“ bereits moderne Lösungen für mehr Transparenz bieten, hinkt die Regulierung in vielen Bereichen noch hinterher.

Genau hier setzt das Projekt an: Es verbindet Verbraucherinteresse, digitale Möglichkeiten und politische Entwicklungen. Ziel ist es, Bier nicht nur besser zugänglich zu machen, sondern auch bewusster erlebbar.

Die 1990 in Brügge gegründete European Beer Consumers’ Union versteht sich dabei als unabhängige Stimme der Konsumenten und setzt sich für Vielfalt, Transparenz und faire Marktbedingungen im europäischen Biersektor ein.

Wenn Stammwürze zur Grillwürze wird: Bier erobert den Grill

Sobald die Tage länger werden und der Duft von Holzkohle in der Luft liegt, beginnt sie wieder: die Grillsaison. Und während Bier traditionell als Begleiter zum Grillabend fest dazugehört, entdeckt man es zunehmend auch als Zutat direkt auf dem Rost – oder besser gesagt: davor, in der Marinade.

Der Baden-Württembergischer Brauerbund zeigt, wie vielseitig Bier in der Küche eingesetzt werden kann. Denn was viele unterschätzen: Die Aromenvielfalt von Bier – von malzig über würzig bis feinherb – macht es zu einem echten Geheimtipp für raffinierte Grillgerichte.

„Bier kann viel mehr, als nur den Durst löschen“, erklärt Geschäftsführer Hans-Walter Janitz. „Unsere Brauerinnen und Brauer bringen seit Generationen höchste Qualität ins Glas – und genau diese Aromenvielfalt macht Bier auch am Grill zu einer spannenden Zutat.“

Marinade mit Charakter

Die Grundidee ist dabei denkbar einfach: Bier trifft auf klassische Zutaten wie Zwiebeln, Knoblauch, Rosmarin, Salz, Pfeffer und eine Prise Zucker. Daraus entsteht eine Marinade, die dem Grillgut eine zusätzliche Geschmacksebene verleiht – von würzig-malzig bis angenehm herb.

Schon wenige Minuten Kontakt reichen aus, um dem Fleisch mehr Tiefe zu geben. Wer sich jedoch Zeit nimmt, wird belohnt: Nach etwa 24 Stunden in einer kräftigen Biermarinade wird das Fleisch deutlich zarter und entwickelt eine fast schmorartige Konsistenz – direkt vom Grill.

Nicht nur für Fleisch

Biermarinaden funktionieren längst nicht nur bei klassischen Steaks. Auch Geflügel und Bratwürste profitieren von der aromatischen Würze. Besonders spannend wird es jedoch im vegetarischen Bereich: Tofu und pflanzliche Alternativen gewinnen durch die Marinade deutlich an Charakter und Tiefe.

Ein besonderer Tipp aus der Praxis sind Bier-Schmorzwiebeln vom Grill – kombiniert mit frischem Brot ein einfaches, aber überraschend intensives Geschmackserlebnis.

Genuss mit oder ohne Alkohol

Auch beim Thema Alkohol gibt es eine einfache Lösung: Die Marinade funktioniert problemlos mit alkoholfreiem Bier. In Sachen Aroma stehen diese Varianten ihren klassischen Pendants längst in nichts mehr nach.

Rezept: Bierige Grillmarinade

Zutaten (für mehrere Portionen):
100 ml Bier (Pils oder Helles, auch alkoholfrei möglich)
½ Zwiebel, fein gewürfelt
2 Teelöffel Salz
½ Teelöffel frisch gemahlener Pfeffer
Nadeln eines Rosmarinzweigs
1–2 Knoblauchzehen, in feine Scheiben geschnitten
1 Teelöffel Zucker

Zubereitung:
Alle Zutaten gut vermischen und nach Geschmack abschmecken. Optional sorgen ein paar Spritzer Apfelessig für zusätzliche Frische. Die Marinade anschließend für zwei bis drei Stunden im Kühlschrank ziehen lassen.

Das Grillgut je nach gewünschter Intensität kurz oder mehrere Stunden marinieren oder kräftig einreiben. Vor dem Grillen überschüssige Marinade abstreifen, um ein Anbrennen zu vermeiden.

Browar Stu Mostów – sour time

Die Browar Stu Mostów gehört zu den spannendsten Craft-Brauereien Polens und hat sich mit kreativen, stilübergreifenden Bieren einen festen Platz in der europäischen Szene erarbeitet. Besonders bekannt ist die Brauerei für ihre Experimentierfreude – von klassischen Interpretationen bis hin zu modernen Hybridstilen wie fruchtbetonten Sour IPAs. Mit dem „Sour Time“ liefert Browar Stu Mostów genau so einen Vertreter: ein Sour IPA, vergoren mit Philly Sour Hefe, die gleichzeitig für die Säurebildung sorgt, und verfeinert mit Mosaic Spectrum Hopfenextrakt.

Im Glas zeigt sich das Bier hell und stark hefetrüb. Der feinporige Schaum baut sich zunächst kräftig auf, fällt jedoch schnell zusammen, während ein stabiler Rest erhalten bleibt.

In der Nase ist sofort klar, wohin die Reise geht: ein intensives Fruchtfeuerwerk mit Mango, Zitrus, Ananas und sogar Sternfrucht. Eine leichte Biskuitnote sorgt für eine angenehme, fast dessertartige Süße im Hintergrund.

Bereits auf der Zungenspitze setzt sich diese Fruchtigkeit fort, begleitet von einer lebendigen, sehr fruchtigen Säure. Am Gaumen dominieren dann weiterhin tropische Fruchtaromen und eine spürbare Süße, während die Bittere kaum in Erscheinung tritt. Das Mundgefühl ist weich und fast samtig – mit etwas mehr Kohlensäure wäre das Bier noch prägnanter und frischer. Im Abgang bleibt die Fruchtigkeit klar im Vordergrund, die Bittere bleibt zurückhaltend. Der Nachklang ist lang, saftig und tropisch geprägt.

Insgesamt ein modernes, aromatisch intensives Sour IPA, das klar auf Frucht und Trinkfluss setzt und dabei die Balance zugunsten von Süße und Säure verschiebt.

Alkoholgehalt:

4,2 % Vol.

Farbe:

5 EBC

Brauerei:

Browar Stu Mostów
Jana Długosza 2
51-162 Wrocław
Polen
www.100mostow.pl

Der „Guinndex“: Wie KI die Bierpreise in Irland transparenter macht

Wer schon einmal in einem Pub ein Bier bestellt hat, kennt das Gefühl: War das jetzt ein fairer Preis – oder eher nicht? Genau diese Frage brachte einen Unternehmer in Irland auf eine ungewöhnliche Idee, die inzwischen für Bewegung in der gesamten Bierlandschaft sorgt.

Auslöser war ein Pint Guinness für 7,80 Euro in Dublin. Für Matt Cortland Grund genug, genauer hinzuschauen. Schnell stellte er fest: Offizielle Statistiken zum Preis des bekanntesten irischen Bieres gibt es seit 2011 nicht mehr. Also beschloss er kurzerhand, die Daten selbst zu erheben – mit Hilfe von künstlicher Intelligenz.

3.000 Anrufe, ein Ziel: Bierpreise vergleichen

Cortland entwickelte eine KI-gestützte Telefonstimme namens „Rachel“, die mit nordirischem Akzent ausgestattet wurde. Diese führte über 3.000 Telefonate mit Pubs in ganz Irland und fragte gezielt nach dem Preis für ein Pint Guinness.

Das Ergebnis dieser Datensammlung ist der sogenannte „Guinndex“ – eine Art lebender Bierpreisindex, der Durchschnittspreise sichtbar macht und gleichzeitig von Nutzern aktualisiert werden kann. Aktuell liegt der durchschnittliche Preis für ein Pint bei rund 6,01 Euro, während 5,50 Euro am häufigsten genannt werden.

Die Preisspanne ist dabei bemerkenswert: Teilweise liegen zwischen zwei Pubs, die nur wenige Meter voneinander entfernt sind, Unterschiede von bis zu zwei Euro. Das teuerste erfasste Pint kostet sogar rund 11 Euro.

Transparenz als Wettbewerbsvorteil

Auch wenn der „Guinndex“ noch keine flächendeckenden Preissenkungen ausgelöst hat, zeigen sich erste Effekte. So senkte ein Pub-Betreiber seinen Preis um 40 Cent – und aktualisierte den Wert anschließend selbst im System.

Für Cortland ist genau das der entscheidende Punkt: Transparenz. Wer Preise kennt, kann vergleichen – und Anbieter geraten automatisch unter Wettbewerbsdruck.

KI im Alltag angekommen

Das Projekt zeigt zudem, wie weit sich Sprach-KI bereits entwickelt hat. Viele Gesprächspartner bemerkten offenbar nicht, dass sie mit einer künstlichen Stimme sprachen. Studien zeigen sogar, dass Menschen in solchen Gesprächen oft länger reden und mehr Details preisgeben als im Kontakt mit echten Personen.

Ein Barkeeper formulierte es besonders typisch:
„Der Preis für ein Pint Guinness? Fünfundzwanzig Pfund. Aber wenn du auf ein kleines Bier vorbeikommst, gebe ich es dir für einen Fünfer.“

Ein anderer zeigte sich großzügig:
„Hör zu, normalerweise kosten sie 6,20 Euro. Aber wenn du dir keines leisten kannst, geben wir dir eins aus. Wir kümmern uns um dich.“

Was bedeutet das für Biertrinker?

Der „Guinndex“ ist mehr als ein Spielerei-Projekt. Er zeigt, wie digitale Werkzeuge die Bierkultur verändern können – nicht im Glas, aber rundherum. Transparenz, Vergleichbarkeit und informierte Entscheidungen könnten künftig eine größere Rolle spielen, auch in anderen Bereichen.

Cortland denkt bereits weiter: Warum nicht ähnliche Modelle für andere Produkte entwickeln – etwa für Pizza in New York oder sogar für Medikamente?

Für Biertrinker bleibt vor allem eine Erkenntnis: Der Preis für ein Pint ist längst nicht so eindeutig, wie man vielleicht denkt. Und manchmal lohnt sich ein zweiter Blick – oder eben ein Blick in den „Guinndex“.

Weltenburger – Helles Alkoholfrei

Das Weltenburger Helle Alkoholfrei präsentiert sich im Glas in einem goldenen Farbton mit leicht orangem Einschlag und glanzfeiner Klarheit. Der feinporige Schaum ist eher zurückhaltend, zeigt jedoch eine sehr gute Standfestigkeit.

In der Nase dominieren getreidige und süßliche Noten, begleitet von einer dezenten Blumigkeit des Hopfens. Der Antrunk wirkt deutlich süß, getragen von einer sehr feinperligen, eher zurückhaltend dosierten Kohlensäure.

Im weiteren Verlauf steht das Getreide klar im Mittelpunkt, harmonisch ergänzt durch die blumigen Hopfenaromen. Die Bittere bleibt dezent, das Mundgefühl weich und rund. Insgesamt erinnert der Eindruck stellenweise an eine milde, leicht malzige Limonade.

Im Abgang zeigt sich der Hopfen nochmals mit einer angenehmen, freundlichen Bittere und einer anhaltenden Blumigkeit, die vergleichsweise lange nachklingt.

Persönlich trifft das Bier nicht meinen Geschmack, dennoch lässt sich nachvollziehen, warum es insbesondere für Liebhaber milder, süffiger alkoholfreier Biere attraktiv sein kann.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz. Hopfen (Herkules, Tradition, Blanc), Kohlensäure

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Stammwürze:

5,6° Plato

Empfohlene Genusstemperatur:

8° – 10° Celsius

Brauerei:

Brauerei Bischofshof GmbH & Co. KG
Heitzerstraße 2
93049 Regensburg
www.weltenburger.de

„Know Your Beer“: Mehr Transparenz für Biertrinker in Europa

Wer weiß eigentlich genau, was im eigenen Bier steckt? Genau hier setzt die neue europäische Plattform „Know Your Beer“ an. Das digitale Angebot wurde kürzlich im italienischen Parlament vorgestellt und soll Verbraucherinnen und Verbrauchern helfen, Bier besser zu verstehen – von den Zutaten über den Alkoholgehalt bis hin zu Herkunft, Frische und Zertifizierungen.

Hinter dem Projekt steht die European Beer Consumers’ Union (EBCU), die sich seit Jahrzehnten für die Interessen von Bierkonsumenten in Europa einsetzt. Ziel der Plattform ist es, Informationen rund um Bier klar, verständlich und überprüfbar zugänglich zu machen und damit die Transparenz in der Branche zu stärken.

Ein Werkzeug für mehr Durchblick

Vorgestellt wurde „Know Your Beer“ im Rahmen der Pressekonferenz „Know Your Beer: EBCU and Unionbirrai, the new frontier of transparency“, die gleichzeitig den Auftakt zum 73. Delegiertentreffen der EBCU in Rom bildete. Gastgeber war die Unionbirrai, der italienische Verband unabhängiger Craft-Brauereien.

Die Plattform richtet sich gezielt an Konsumenten und bietet strukturierte Hilfestellungen, um Bieretiketten besser zu verstehen. Im Fokus stehen dabei sechs zentrale Aspekte: Alkoholgehalt und Bierstil, Zutaten und Allergene, Hersteller und Herkunft, Zertifizierungen, Frische und Rückverfolgbarkeit sowie die richtige Lagerung.

Politik entdeckt Biertransparenz

Auch politisch stößt das Thema auf großes Interesse. Mehrere Vertreter aus dem italienischen Parlament nahmen an der Veranstaltung teil und betonten die Bedeutung klarer Rahmenbedingungen für die Branche.

Vittorio Ferraris erinnerte daran, dass Unionbirrai von Anfang an nicht nur als Interessenvertretung der Brauereien gedacht war, sondern auch als Förderer der Bierkultur. Gleichzeitig dankte er den politischen Entscheidungsträgern für ihre Unterstützung und betonte: „Heute sehen wir eine starke Übereinstimmung zwischen Institutionen und Branchenakteuren: Es ist ein geschlossenes Team entstanden, das das Wachstum des Sektors endlich mit passenden und modernen Regelungen unterstützen kann.“

Auch Luca De Carlo hob die Bedeutung regionaler Strukturen hervor: „Die Bier-Wertschöpfungskette, insbesondere im handwerklichen Bereich, ist nicht nur wegen der Transparenz wichtig, sondern auch, weil sie tief in den Regionen verwurzelt ist. Nach mehr als sechzig Jahren brauchen wir moderne Gesetze, die das Wachstum des Sektors unterstützen und neue Chancen wie Gastronomie und Biertourismus stärken, damit vor allem kleinere Produzenten ihre Geschichte besser erzählen können.“

Giorgio Salvitti unterstrich zudem die wirtschaftliche Relevanz: „Der Biersektor ist strategisch wichtig für die nationale Wirtschaft. Klarheit bei Rückverfolgbarkeit, Sicherheit und Qualitätsmerkmalen zu gewährleisten, ist eine Verpflichtung gegenüber Verbrauchern und Markt. Wir arbeiten an neuen gesetzlichen Regelungen, die einen klaren Rahmen schaffen und die Entwicklung des Sektors weiter fördern – auch durch die Möglichkeiten des Biertourismus.“

Zwischen Innovation und Gesetzgebung

Ein weiterer Punkt, der mehrfach angesprochen wurde, ist die Diskrepanz zwischen moderner digitaler Entwicklung und teilweise veralteten gesetzlichen Rahmenbedingungen. Genau hier soll „Know Your Beer“ ansetzen: als Brücke zwischen Verbraucherinteresse, technologischen Möglichkeiten und politischer Regulierung.

Die Plattform ist bereits in mehreren Sprachen verfügbar und soll langfristig dazu beitragen, Bier nicht nur bewusster zu konsumieren, sondern auch besser zu verstehen – ein Ansatz, der gerade in Zeiten wachsender Bierstile-Vielfalt und steigender Qualitätsansprüche immer wichtiger wird.

Brasserie de Blaugies – Saison d’Epeautre

Ganz im Westen Belgiens, nur wenige Schritte von der französischen Grenze entfernt, liegt die kleine, familiengeführte Brasserie de Blaugies. Seit ihrer Gründung im Jahr 1988 hat sie sich ganz einem Bierstil verschrieben, der lange Zeit fast in Vergessenheit geraten wäre: dem Saison. Diese traditionellen Farmhouse Ales wurden einst in den Wintermonaten gebraut, um Landarbeiter außerhalb der Erntesaison zu beschäftigen. Mit dem Siegeszug der Lagerbiere geriet der Stil zunehmend ins Abseits, erlebt jedoch seit einigen Jahren eine verdiente Renaissance.

Das Saison d’Epeautre zeigt sich im Glas in einem satten Goldton mit deutlicher Hefetrübung. Beim Öffnen noch sehr schaumfreudig, fällt die Schaumkrone im Glas allerdings rasch zusammen.

In der Nase entfalten sich Aromen von frischem Biskuitteig, begleitet von gelben Früchten und einer dezenten, leicht säuerlichen Note.

Der Antrunk ist spritzig und angenehm trocken, fast schon erfrischend wie eine fein perlende Fruchtbrause. Im weiteren Verlauf zeigt sich ein schlanker Körper mit einer leichten, gut eingebundenen Süße, die schnell von einer milden Säure abgelöst wird. Geschmacklich erinnert das Bier an nicht ganz reife gelbe Pflaumen, wobei eine klassische Hopfenbittere nahezu nicht wahrnehmbar ist. Der Alkohol bleibt dabei vollständig im Hintergrund.

Der Abgang präsentiert sich entsprechend trocken, fruchtig und sauber, mit einer erfrischenden Leichtigkeit, die zum nächsten Schluck einlädt. Trotz eines Jahres über dem Mindesthaltbarkeitsdatum wirkt das Bier erstaunlich lebendig und ausgewogen.

Das Saison d’Epeautre ist ein charakterstarkes Beispiel für diesen Bierstil: gebraut mit Dinkel und Gerste, angenehm trocken, leicht im Körper und mit einer feinen, leicht säuerlichen Note. Ein Bier, das nicht nur die Tradition des Saison-Stils lebendig hält, sondern auch zeigt, wie spannend und vielseitig diese wiederentdeckte Bierkategorie sein kann.

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Bittereinheiten:

19 IBU

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Brasserie de Blaugies
Rue de la Frontière 435
7370 Blaugies
Belgien
www.brasseriedeblaugies.com

Vom Milliarden-Traum zum Absturz

Über die Insolvenz von BrewDog habe ich bereits berichtet. Jetzt habe ich mich gefragt, wie die Insolvenz im Heimatmarkt Großbritannien gesehen wird. Während der Recherche bin ich auf einen umfangreichen Artikel gestoßen, der die Betrachtungsweise dort sehr gut darstellt. Hier die wichtigsten Punkte:

BrewDog galt lange als Paradebeispiel für die Craft-Beer-Revolution: Vom Garagen-Start-up zum Milliardenunternehmen – eine Geschichte wie aus dem Bilderbuch. Doch genau dieser rasante Aufstieg scheint am Ende auch zum Problem geworden zu sein.

Die Gründer James Watt und Martin Dickie wollten in den 2000er-Jahren nichts weniger als die Bierwelt auf den Kopf stellen. Mit improvisierter Ausrüstung in einer Garage in Schottland gestartet, arbeiteten sie sich mit viel Energie, wenig Schlaf und einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein nach oben. Der Durchbruch gelang mit dem Punk IPA, die schnell Kultstatus erreichte.

BrewDog inszenierte sich dabei bewusst als Gegenentwurf zur „langweiligen“ Bierindustrie. Provokante Marketingaktionen, spektakuläre PR-Stunts und eine treue Fanbasis machten die Marke groß – und laut.

Wachstum um jeden Preis

Ein zentraler Erfolgsfaktor war das Finanzierungsmodell „Equity for Punks“. Fans konnten Anteile kaufen und wurden Teil der Bewegung. Über 200.000 Investoren steckten mehr als 100 Millionen Pfund in das Unternehmen. Doch spätestens mit dem Einstieg des US-Investors TSG im Jahr 2017 änderte sich die Dynamik. Die Gründer verkauften Anteile im Wert von rund 100 Millionen Pfund und machten BrewDog gleichzeitig fit für noch schnelleres Wachstum. Neue Bars, Hotels und sogar Spirituosenprojekte schossen aus dem Boden.

Das Problem: Dieses Wachstum war teuer – und offenbar nicht nachhaltig.

Analysten sehen in dem Deal mit TSG einen Wendepunkt. Die vereinbarten Renditeerwartungen setzten BrewDog massiv unter Druck. Um Investoren zufriedenzustellen, musste das Unternehmen Jahr für Jahr stark wachsen – ein Ziel, das sich langfristig als unrealistisch herausstellte.

Erste Risse im System

Ab etwa 2017 mehrten sich die Probleme. Intern wurde von einer schwierigen Unternehmenskultur berichtet, es gab Kritik an Führungsstil und Entscheidungen. Gleichzeitig begannen die wirtschaftlichen Kennzahlen zu schwächeln. Die Pandemie verschärfte die Lage zusätzlich. Trotz sinkender Gewinne expandierte BrewDog weiter – mit großen Standorten und neuen Projekten. Rückblickend ein riskanter Kurs. Der letzte Gewinn wurde 2019 erzielt. Danach ging es wirtschaftlich bergab.

Absturz mit Ansage

2024 zog sich James Watt als CEO zurück, kurz darauf auch Martin Dickie. Das einstige Gründerduo, das BrewDog groß gemacht hatte, war nicht mehr operativ an Bord.

Die Schuldenlast wuchs, Kredite mussten bedient werden, und immer mehr Bars wurden geschlossen. Schließlich kam es, wie es kommen musste: BrewDog rutschte in die Insolvenzverwaltung. Teile des Unternehmens – darunter die Brauerei in Ellon und einige Bars – wurden für rund 33 Millionen Pfund verkauft. Viele andere Standorte mussten schließen, hunderte Mitarbeiter verloren ihren Job.

Verlierer der Entwicklung

Besonders bitter ist die Situation für die sogenannten „Equity Punks“. Viele der Kleinanleger werden wohl keinen Cent ihrer Investitionen wiedersehen. Auch für die Belegschaft ist der Absturz hart: Entlassungen, Unsicherheit und das Ende eines Unternehmens, das lange als Vorzeigeprojekt galt.

James Watt selbst räumte inzwischen Fehler ein. Das Unternehmen sei „zu schnell gewachsen“ und habe sich „zu breit aufgestellt“. Gleichzeitig bleibt Kritik laut, dass die Gründer sich frühzeitig finanziell abgesichert haben.

Fazit: Lehrstück der Craft-Beer-Szene

In Großbritannien wird der Fall BrewDog vielfach als warnendes Beispiel gesehen: für übermäßigen Expansionsdrang, überhöhte Bewertungen und die Risiken von Investoren-getriebenem Wachstum. Was bleibt, ist eine Marke, die die Bierwelt nachhaltig geprägt hat – aber auch eine Geschichte, die zeigt, wie schnell ein Höhenflug enden kann. Oder anders gesagt: Viel Punk, viel Pathos – und am Ende eine Bruchlandung.