Kraftpaule – Weizen

Manche Biere betreten die Bühne leise – andere stürmen sie wie ein artistisches Spektakel. Das kaltgehopfte Weizenbier „Zirkuspferd“ der Brauerei Kraftpaule gehört definitiv zur zweiten Kategorie. Hier trifft klassische Weizenbierbasis auf moderne Hopfenaromatik – und das Ergebnis ist alles andere als gewöhnlich. Schon der Name ist Programm: Wie ein kunstvoll dressiertes Zirkuspferd präsentiert sich dieses Bier verspielt, kraftvoll und überraschend. Statt klassischer Zurückhaltung liefert es ein Aromenspektakel, das besonders Fans hopfenbetonter Biere begeistern dürfte.

Im Glas zeigt sich das Bier in einem satten Goldton mit kräftiger Hefetrübung. Der gemischtporige, weiße Schaum baut sich stabil auf und bleibt angenehm lange erhalten – ein typischer, aber dennoch sehr ansprechender Eindruck für ein modernes Weizen.

In der Nase entfaltet sich ein intensives, fast schon opulentes Fruchtaroma. Banane trifft auf Zitrusfrüchte, Zitronenschale, Ananas und Mango, begleitet von einer feinen Vanillenote. Die klassische Weizenhefe bildet dabei das Fundament, während die Kalthopfung zusätzliche Frische und Komplexität einbringt.

Der Antrunk ist fruchtig-süß, dabei jedoch angenehm frisch und lebendig. Die feinperlige Kohlensäure unterstützt den leichten, spritzigen Eindruck. Am Gaumen spiegeln sich die Aromen konsequent wider: Tropische Früchte dominieren, ergänzt durch eine dezente, fruchtige Säure. Das Mundgefühl ist weich, fast samtig, und bleibt trotz der intensiven Aromatik erstaunlich zugänglich. Die Bittere ist – stiltypisch für ein Weizen – eher zurückhaltend. In der Kehle legt die Bittere leicht zu und verbindet sich mit den fruchtigen Noten zu einem langen, nachhaltigen Nachklang. Genau hier zeigt sich die Stärke der Kalthopfung: Sie bringt zusätzliche Tiefe, ohne den Weizencharakter zu überdecken.

Das „Zirkuspferd“ ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie sich traditionelle Bierstile neu interpretieren lassen. Klassische Weizenaromen treffen auf moderne Hopfenpower – verspielt, intensiv und dennoch ausgewogen. Ein Bier für alle, die bekannte Wege gerne verlassen und sich auf ein aromatisches Spektakel einlassen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

12,5° Plato

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Camba Bavaria GmbH
Gewerbering 3
83370 Seeon
www.camba-bavaria.de

für

Kraftpaule GmbH
Neckarstraße 132
70190 Stuttgart
www.kraftpaule.de

Berlin per Rad entdecken: Industriekultur trifft auf Braugeschichte

Berlin lässt sich auf viele Arten entdecken – doch diese neue Fahrradroute verbindet gleich mehrere spannende Themen: Industriegeschichte, Stadtentwicklung und Braukultur. Pünktlich zum Start der Fahrradsaison ist die Themenroute „Warmes Licht und kühles Bier“ nun vollständig ausgeschildert und lädt dazu ein, die Hauptstadt aus einer neuen Perspektive zu erleben.

25 Kilometer Zeitreise durch Berlin

Die rund 25 Kilometer lange Strecke führt durch Kreuzberg, Mitte, Wedding, Gesundbrunnen und Prenzlauer Berg. Entlang komfortabler Wege – von Radwegen über Nebenstraßen bis hin zu Uferwegen – erleben Radfahrerinnen und Radfahrer insgesamt 18 Stationen der Berliner Industriekultur, von denen der Großteil unter Denkmalschutz steht.

Start- und Zielpunkt ist das Deutsches Technikmuseum, das selbst bereits ein zentraler Ort der Industriegeschichte ist. Der Weg ist klar markiert: Ein weißer Blitz auf rotem Hintergrund weist an über 80 Wegweisern und zahlreichen Plaketten zuverlässig die Richtung.

Zwischen Elektrizität und Braukunst

Thematisch schlägt die Route eine Brücke zwischen zwei prägenden Industriezweigen der Stadt: der Elektroindustrie und der Berliner Brauereigeschichte. Besonders im Prenzlauer Berg wird sichtbar, wie eng Bierproduktion und Stadtentwicklung miteinander verbunden waren.

Neben historischen Fabrikgebäuden und technischen Anlagen stehen auch ehemalige Brauereien auf dem Programm – Orte, an denen einst das „kühle Bier“ für die wachsende Metropole produziert wurde.

Entspannt entdecken – mit Pausen

Die Route richtet sich bewusst an ein breites Publikum und gilt als leicht zu bewältigen. Unterwegs laden mehrere Gaststätten an historischen Standorten zu Pausen ein – ideal, um die Eindrücke sacken zu lassen oder einfach ein Bier zu genießen.

Alle wichtigen Informationen zur Strecke sind flexibel verfügbar: als Flyer, PDF, GPX-Track oder über Navigations-Apps wie komoot.

Industriekultur neu erleben

Hinter dem Projekt steht das Berliner Zentrum Industriekultur in Zusammenarbeit mit Partnern wie infraVelo, dem Berliner Senat und visitBerlin. Ziel ist es, die oft übersehenen Spuren der Industrialisierung sichtbar und erlebbar zu machen.

Joseph Hoppe vom bzi bringt es auf den Punkt: Die beeindruckenden Gebäude seien zwar im Stadtbild präsent, ihre Geschichten jedoch oft verborgen. Erst durch die Verbindung der Orte zu einer Route werde das Gesamtbild verständlich.

Neben dem kulturellen Mehrwert steht auch der Gedanke des nachhaltigen Tourismus im Fokus. Die Route verläuft bewusst abseits klassischer Touristenpfade und bietet so neue Einblicke in die Stadt.

„Warmes Licht und kühles Bier“ ist mehr als nur eine Fahrradroute. Sie ist eine Einladung, Berlin neu zu entdecken – zwischen Backstein, Braukesseln und bewegter Geschichte. Wer sich für Bier, Stadtentwicklung oder Industriekultur interessiert, findet hier eine außergewöhnliche Tour, die Wissen, Bewegung und Genuss miteinander verbindet.

De Dochter van de Korenaar – L’Esprit de Noël

Die Brauerei De Dochter van de Korenaar ist bekannt für kreative und charakterstarke Biere – und mit dem jährlichen Weihnachtsbier „L’Esprit de Noël“ liefert die Brauerei ein spannendes Beispiel für ein gewürztes Porter. Mit Zutaten wie Zimt, Ingwer, Süßholz und geräuchertem Chili verspricht das Bier bereits auf dem Etikett ein außergewöhnliches Geschmackserlebnis.

Im Glas zeigt sich das Bier tiefschwarz und blickdicht. Die feinporige, haselnussbraune Schaumkrone ist stabil und unterstreicht den hochwertigen Eindruck.

In der Nase dominieren klassische Porter-Aromen: Schokolade und Lakritz stehen im Vordergrund, begleitet von holzigen Nuancen, Karamell und einem dezenten Hauch Zimt, der bereits auf die Gewürzkomponente hinweist.

Der Antrunk ist von einer zurückhaltenden Malzsüße geprägt. Die Kohlensäure ist eher fein und gering dosiert, dennoch wirkt das Bier überraschend frisch und zugänglich. Am Gaumen bleibt die Süße präsent und wird von Zimt begleitet, während sich die anderen Gewürze eher im Hintergrund halten. Eine minimale Säure sorgt für etwas Spannung, Bittere ist hingegen kaum wahrnehmbar. Das Mundgefühl ist weich und rund. In der Kehle zeigt sich das Bier mild, wobei der Zimt nun etwas deutlicher hervortritt. Die Bittere bleibt dezent, der Nachklang ist mittellang und angenehm würzig.

Insgesamt ist das L’Esprit de Noël ein harmonisch abgestimmtes, eher sanftes Weihnachtsbier, bei dem die Gewürze – allen voran der Zimt – die Hauptrolle spielen, ohne das Bier zu überladen. Ideal für alle, die es zur Winterzeit aromatisch, aber nicht zu schwer mögen.

Zutaten:

Wasser, Hopfen, Hefe, Weizenmalz, Gerstenmalz, Zimt, Ingwer, Süßholz, geräucherte Chilis

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

6° – 8° Celsius

Brauerei:

De Dochter van de Korenaar
Oordeelstraat 38
2387 Baarle-Hertog
Belgien
www.dedochtervandekorenaar.be

Das Ende einer Brautradition: Die Geschichte der Braunschweiger Mumme und das Aus der Brauerei Nettelbeck

Mit der Schließung der Brauerei Nettelbeck endet ein bedeutendes Kapitel deutscher Biergeschichte. Die Brauerei war die letzte, die noch die traditionsreiche Braunschweiger Mumme herstellte – ein Getränk mit Wurzeln, die bis ins Mittelalter zurückreichen. Damit verschwindet nicht nur ein Produkt vom Markt, sondern ein Stück gelebter Braukultur.

Vom Export-Schlager zur Legende

Die Braunschweiger Mumme wurde erstmals im späten 14. Jahrhundert erwähnt und entwickelte sich schnell zu einem der wichtigsten Exportgüter der Stadt. Als Mitglied der Hanse nutzte Braunschweig seine hervorragenden Handelswege, um das kräftige Bier über Hamburg und Bremen in weite Teile Europas und sogar bis nach Übersee zu verschiffen.

Besonders gefragt war die sogenannte „Schiffsmumme“, ein Bier mit extrem hoher Stammwürze und außergewöhnlicher Haltbarkeit. Diese Eigenschaften machten es ideal für lange Seereisen – selbst in tropischen Regionen blieb es genießbar.

Aufstieg und Fall einer Handelsikone

Im Laufe der Jahrhunderte erlebte die Mumme jedoch auch Rückschläge. Handelskonflikte, politische Umbrüche und insbesondere der Dreißigjährige Krieg führten zu einem massiven Einbruch des Bierexports. Mit dem Niedergang der Hanse verlor auch die Mumme zunehmend an Bedeutung.

Ab dem 18. und spätestens im 19. Jahrhundert wandelte sich das Produkt grundlegend: Aus dem einstigen Starkbier wurde ein alkoholfreier Malzextrakt. Der Fokus verlagerte sich von Genuss hin zu gesundheitlichen Aspekten. Mumme galt fortan als stärkendes Nahrungsmittel und wurde sogar medizinisch empfohlen.

Die Brauerei Nettelbeck: Eine wechselvolle Geschichte

Die Geschichte der Brauerei Nettelbeck ist eng mit der Mumme verbunden. Bereits im 19. Jahrhundert gehörte sie zu den wenigen Betrieben, die dieses besondere Getränk herstellten. Doch wirtschaftliche Schwierigkeiten, interne Konflikte und Eigentumsstreitigkeiten prägten die Entwicklung des Unternehmens über Jahrzehnte.

Nach der Jahrhundertwende kam es zu Auseinandersetzungen um Markenrechte und Besitzverhältnisse. Trotz Rückschlägen gelang es der Familie, den Namen und das Rezept zu sichern und die Produktion fortzuführen.

Krieg, Zerstörung und Neubeginn

Der Zweite Weltkrieg markierte einen dramatischen Einschnitt. Rohstoffknappheit schränkte die Produktion stark ein, und 1944 wurde das Geschäftshaus bei einem Luftangriff vollständig zerstört.

Nach Kriegsende kämpften die Erbinnen Elsa und Margarethe Nettelbeck vergeblich um einen Wiederaufbau am ursprünglichen Standort. Schließlich verkauften sie das Unternehmen 1947 an Leo Basilius, der eine neue Produktionsstätte in Braunschweig errichtete. Bereits 1949 wurde dort wieder Mumme gebraut.

Bis zum Schluss wurde die Braunschweiger Mumme von der Familie Basilius produziert und weitergeführt.

Das endgültige Aus

Mit der Einstellung des Betriebs der Brauerei Nettelbeck endet nun endgültig die Geschichte der letzten Mumme-Brauerei. Bereits zuvor waren andere Produzenten verschwunden – nun schließt auch der letzte Betrieb, der diese historische Spezialität noch hergestellt hat.

Damit verliert die deutsche Bierlandschaft ein einzigartiges Kulturgut. Die Mumme war mehr als nur ein Getränk: Sie war Handelsware, Nahrungsmittel, Medizin und Identitätsträger einer ganzen Region. Aktuell werden noch vorhandene Restbestände über den Webshop des Unternehmens verkauft.

Ein Stück Biergeschichte verschwindet

Die Geschichte der Braunschweiger Mumme zeigt eindrucksvoll, wie eng Bier mit wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen verknüpft ist. Vom Exporterfolg der Hansezeit über medizinische Nutzung bis hin zum Nischenprodukt der Moderne – kaum ein anderes Bier hat eine vergleichbare Wandlung durchlaufen.

Mit dem Ende der Brauerei Nettelbeck bleibt die Mumme vor allem eines: ein faszinierendes Kapitel der Biergeschichte, das nicht in Vergessenheit geraten sollte.

Rothaus – Tannenzäpfle alkoholfrei

Das alkoholfreie Pils der Badische Staatsbrauerei Rothaus AG soll mir jetzt Schwarzwälder Brautradition ins Glas bringen – ohne Alkohol, aber mit dem Anspruch, geschmacklich nah am klassischen Pils zu bleiben.

Optisch zeigt sich das Bier in einem klaren, strahlenden Goldton, brillant filtriert und mit lebendiger Kohlensäure. Der schneeweiße, feinporige Schaum baut sich stabil auf und bleibt lange erhalten – ein sehr ansprechender erster Eindruck.

In der Nase entfaltet sich ein harmonisches Aromenspiel: Leichte Honignoten treffen auf frisches Brot und eine dezente Kräuterigkeit. Der verwendete Tettnanger Hopfen bringt florale und würzige Nuancen ein, die dem Bier eine angenehme Frische verleihen.

Der Antrunk ist spritzig und leicht, mit einer feinen malzigen Süße im Hintergrund. Am Gaumen zeigt sich das Bier ausgewogen: Getreidige Noten verbinden sich mit einer moderaten, angenehm herben Bittere. Trotz des fehlenden Alkohols wirkt das Pils keineswegs dünn, sondern erfreulich rund und trinkfreudig. Im Abgang bleibt die Bittere präsent, ohne aufdringlich zu wirken, und sorgt für einen sauberen, erfrischenden Nachklang.

Insgesamt ist das Rothaus Tannenzäpfle Pils Alkoholfrei ein gelungenes Beispiel dafür, wie nah alkoholfreies Bier an den klassischen Stil herankommen kann – frisch, ausgewogen und mit hoher Alltagstauglichkeit.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfenextrakt, Hopfen

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Bittereinheiten:

25 IBU

Stammwürze:

13,5° Plato

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Badische Staatsbrauerei Rothaus AG
Rothaus 1
79865 Grafenhausen-Rothaus
www.rothaus.de

Auf Hefejagd: Wie wilde Mikroorganismen neue Bierwelten eröffnen

Seit Mitte der 2010er Jahre haben Forschende des Forschungszentrums Weihenstephan für Brau- und Lebensmittelqualität nach bislang unbekannten Hefestämmen gesucht – und sind dabei an ungewöhnlichen Orten fündig geworden. Ob in alten Kellern, auf Baumrinden oder in historischen Flaschen: Die Natur erwies sich als wahre Schatzkammer für neue Aromen im Bier.

Ziel des Projekts war es nicht, klassische Brauprozesse zu optimieren, sondern neue geschmackliche Möglichkeiten zu erschließen und die genetische Vielfalt der Hefen besser zu nutzen. Die spannendsten Funde wurden schließlich in Bier umgesetzt – und verkostet.

Alte Hefe, neu entdeckt: Franconia

Ein besonderer Fund ist die historische Hefe „Franconia“, die bereits in der Nachkriegszeit eine wichtige Rolle spielte. Jahrzehntelang nahezu vergessen, konnte sie aus einer alten Probe wieder aktiviert werden.

Das daraus gebraute Bier überzeugte mit einem ausgewogenen Profil: frisch, leicht fruchtig und angenehm rund. Besonders auffällig ist die Fähigkeit dieser Hefe, Hopfenaromen klar hervorzuheben. Damit eignet sie sich hervorragend für klassische Bierstile wie Pils oder Helles.

Cella: Ein Hybrid mit Potenzial

Noch ungewöhnlicher ist der Stamm „Cella“, der aus einer jahrzehntealten Bierflasche isoliert wurde. Es handelt sich um eine Kombination zweier Hefetypen, die sowohl kälteverträglich als auch aromatisch spannend sind.

Das Ergebnis im Bier: eine überraschende Verbindung aus untergäriger Frische und würzigen Noten, die man sonst eher aus obergärigen Bieren kennt. Diese Kombination eröffnet völlig neue Möglichkeiten – etwa für kreative Interpretationen klassischer Stile.

Quercus: Von der Eiche ins Glas

Die Hefe „Quercus“ stammt – wie der Name vermuten lässt – von einer Eiche. Solche natürlichen Quellen wurden schon früher für Fermentationsprozesse genutzt.

Im Bier sorgt dieser Stamm für fruchtige Eindrücke, insbesondere Zitrus- und Orangennoten, ergänzt durch eine dezente Würze. Mit der Zeit entwickelt sich das Profil weiter und wirkt zunehmend weich und harmonisch. Besonders spannend ist der Einsatz in Weizenbieren oder modernen Interpretationen klassischer Stile.

Ceret: Fruchtige Vielfalt aus dem Fass

Ein weiterer Fund stammt aus alten Sherryfässern. Die daraus gewonnene Hefe „Ceret“ bringt intensive Fruchtaromen ins Bier – von Maracuja bis Zitrus – sowie eine leichte, erfrischende Säure.

Das Ergebnis erinnert fast an ein spritziges Biermischgetränk, obwohl es sich um ein reines Bier handelt. Gerade für experimentelle Biere oder fruchtbetonte Ales bietet dieser Stamm großes Potenzial.

Hefe als Zukunftsfaktor

Die Erkenntnisse aus dem Projekt zeigen deutlich: Hefe ist weit mehr als nur ein funktionaler Bestandteil im Brauprozess. Sie prägt Aroma, Textur und Charakter eines Bieres maßgeblich – oft stärker als Hopfen oder Malz.

Die Forschenden sind überzeugt, dass das Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist. Neue Hefestämme könnten in Zukunft völlig neue Bierstile ermöglichen und die Vielfalt weiter vergrößern.

Grundlage für diesen Beitrag ist ein Artikel in der Brauwelt 20|2019, der auch auf der Website der Technischen Universität München veröffentlicht wurde.

LLC B-U – Petrolette Blanche

Die Brauerei LLC B-U steht für handwerklich gebraute, biologische Biere aus Südfrankreich. Mit viel Liebe zum Detail und einem klaren Fokus auf Qualität entstehen hier charaktervolle Biere, die traditionelle Stile mit einer eigenen Handschrift interpretieren.

Die Blanche Bio der Marke Bière Pétrolette präsentiert sich im Glas orangefarben. naturtrüb und typisch für ein Weizenbier. Eine Ausnahme macht die weiße Schaumkrone, die recht klein ist und schnell in sich zusammenfällt.

In der Nase zeigt sich das Bier angenehm fruchtig: Reife Bananennoten und Vanille dominieren, begleitet von floralen Anklängen und dem Duft von Biskuitteig.

Der Antrunk ist weich und erfrischend zugleich. Eine ordentliche Malzsüße trifft auf eine kräftige Karbonisierung, die für eine angenehme Spritzigkeit sorgt. Am Gaumen wirkt das Bier rund und geschmeidig. Getreidige Noten von Weizen und Malz stehen im Vordergrund, ergänzt durch florale und leicht erdige Nuancen. Die Textur bleibt dabei leicht und fließend, was den süffigen Charakter zusätzlich unterstreicht. Die Bittere ist stiltypisch gering und das Mundgefühl ist für die 5 Volumenprozent Alkohol überraschend schwer. In der Kehle zeigt sich das Bier frisch und ausgewogen, mit einem sanften Ausklang von Frucht, einer leichten freundlichen Bitteren und floralen Noten.

Insgesamt ist die Blanche Bio ein unkompliziertes, sehr zugängliches Weißbier mit französischem Charme – leicht, frisch und ideal für warme Tage oder als vielseitiger Begleiter zu leichten Speisen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Farbe:

10 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

6° Celsius

Brauerei:

LLC B-U
Ada-Byron-Straße 9
64000 Pau
Frankreich
www.b-u.fr

Das richtige Bierglas: Warum Form, Material und Details den Geschmack verändern

Wer glaubt, Bier schmecke immer gleich – unabhängig vom Glas – sollte sich selbst testen. Zwei Biere, mehrere Gläser, und plötzlich eröffnet sich eine völlig neue Geschmackswelt. Der Einfluss des richtigen Glases auf das Genusserlebnis ist enorm – oft sogar größer als beim Wein.

Selbsttest: Ein Bier, viele Eindrücke

Für den Versuch reichen zwei unterschiedliche Biere, etwa ein aromatisches Starkbier und ein schlankes Pils. Diese werden in verschiedene Glasformen eingeschenkt – idealerweise in einen Willibecher, eine Pilsstange, ein dickwandiges Henkelglas und ein feines Degustationsglas.

Das Ergebnis überrascht: Dasselbe Bier wirkt je nach Glas mal frischer, mal aromatischer, mal schwerer oder schlanker. Grund dafür ist das Zusammenspiel aus Form, Material und Haptik.

Der Trinkrand: Fein oder grob

Ein dünner Trinkrand sorgt für ein eleganteres Mundgefühl und lässt besonders feine Biere deutlich besser zur Geltung kommen. Dicke Ränder hingegen wirken grob und beeinflussen die Wahrnehmung negativ – oft, ohne dass es bewusst auffällt.

Glasstärke und Haptik

Dünnwandige Gläser lassen Bier filigraner erscheinen. Dickwandige Gläser üben hingegen Druck auf die Lippen aus und vermitteln ein schwereres, weniger feines Gefühl – noch bevor das Bier überhaupt den Mund erreicht.

Form entscheidet über Aroma

Die Glasform beeinflusst maßgeblich, wie sich Aromen entfalten. Kugelige Gläser bündeln Duftstoffe und halten sie länger im Glas – ideal für intensive Biere. Schlanke Gläser hingegen betonen Frische und Klarheit, was besonders bei hellen Bieren wie Pils oder Hellem zur Geltung kommt.

Kohlensäure und Frische

Die Höhe des Glases spielt eine entscheidende Rolle für die Frische. In hohen Gläsern – etwa bei Weißbier – muss die Kohlensäure einen längeren Weg zurücklegen, was das Bier länger lebendig hält.

Zusätzliche Effekte entstehen durch die Glasoberfläche: Mikroskopisch kleine Unebenheiten fördern die Bildung von Kohlensäurebläschen. Ein sogenannter Moussierpunkt am Glasboden verstärkt diesen Effekt zusätzlich.

Stilgerecht genießen

Ein universelles Bierglas gibt es nicht. Jeder Bierstil stellt andere Anforderungen:

  • Aromatische, starke Biere profitieren von bauchigen Gläsern
  • Helle, klare Biere wirken in schlanken Gläsern eleganter
  • Kräftige Biere werden in kleineren Mengen und entsprechend kleineren Gläsern serviert
  • Hefetrübe Weißbiere benötigen hohe, schlanke Gläser für optimale Frische

Auch die Frage, ob ein Glas einen Stiel hat, ist relevant: Ein Stiel verhindert das Erwärmen durch die Hand und sorgt für ein saubereres Erscheinungsbild.

Schaum als Geschmacksträger

Die Schaumkrone beeinflusst den ersten Eindruck stärker als gedacht. Je nachdem, wie viel Schaum vorhanden ist und welchen Weg das Bier durch ihn nimmt, verändert sich die Wahrnehmung deutlich.

Auch Zapfstile spielen hier eine Rolle: Vom „Schnitt“ in München bis zu tschechischen Varianten wie „Kross“ oder „Milchig“ – unterschiedliche Schaumanteile erzeugen unterschiedliche Geschmackserlebnisse.

Das Bierglas ist weit mehr als nur ein Gefäß. Form, Material, Wandstärke und sogar kleinste Details beeinflussen Aroma, Mundgefühl und Gesamteindruck erheblich. Wer Bier bewusst genießen möchte, sollte dem Glas genauso viel Aufmerksamkeit schenken wie dem Inhalt.

Bruch – Landbier

Das Landbier der Brauerei Bruch zeigt sich im Glas in einem schönen bernsteinfarbenen Ton mit deutlicher Hefetrübung. Der elfenbeinfarbene, gemischtporige Schaum ist eher zurückhaltend ausgeprägt, überzeugt jedoch mit einer sehr guten Standzeit.

In der Nase dominieren malzige Aromen: Karamell und dunkle Schokolade stehen im Vordergrund, begleitet von einem feinen Hauch Lakritz, der dem Bier zusätzliche Tiefe verleiht.

Der Antrunk ist angenehm weich und von einer ausgewogenen Malzsüße geprägt. Die Karbonisierung ist gut abgestimmt und unterstützt den harmonischen Ersteindruck. Am Gaumen entfalten sich erneut schokoladige und karamellige Noten, die von einer passenden, moderaten Bittere begleitet werden. Trotz der aromatischen Dichte bleibt das Bier erfreulich frisch, schlank und sehr süffig. In der Kehle legt die Bittere leicht zu und verbindet sich mit den schokoladigen Eindrücken zu einem langen, intensiven Nachklang.

Ein rundes, malzbetontes Landbier mit angenehmer Tiefe und hoher Trinkbarkeit – klassisch, ausgewogen und unkompliziert zugänglich.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Stammwürze:

11° Plato

Farbe:

16 EBC

Brauerei:

Privatbrauerei Saar GmbH
Saarbrücker Str. 14
66538 Neunkirchen/Saar
www.bruchbier.de

Österreich sucht den besten Biersommelier: Staatsmeisterschaft 2026 in Vorarlberg

Am 15. Mai 2026 wird Vorarlberg zum Zentrum der österreichischen Bierkultur: Die 7. Österreichische Biersommelier-Staatsmeisterschaft bringt die besten Bierexpertinnen und -experten des Landes zusammen, um ihr Können unter Beweis zu stellen.

Organisiert im Auftrag des Verbands der Brauereien Österreichs, findet der Wettbewerb im Rahmen der Staatsmeisterschaft der Hobby- und gewerblichen Brauereien statt und verspricht ein Event auf höchstem fachlichen Niveau.

Wer wird Österreichs bester Biersommelier?

Teilnahmeberechtigt sind alle ausgebildeten Biersommelièren und Biersommeliers mit österreichischer Staatsbürgerschaft oder Hauptwohnsitz in Österreich. Im Wettbewerb geht es nicht nur um den nationalen Titel, sondern auch um die Qualifikation für die Weltmeisterschaft der Sommeliers für Bier 2027.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen ihr Fachwissen, ihre sensorischen Fähigkeiten und ihre Präsentationsstärke unter Beweis stellen – eine Kombination, die den Beruf des Biersommeliers so besonders macht.

Finale vor Publikum

Ein Highlight der Veranstaltung ist das öffentliche Finale der besten sechs Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Diese „Final 6“ treten ab 17:00 Uhr im Frödischsaal in Zwischenwasser/Muntlix vor einer hochkarätig besetzten Jury an. Mit dabei ist unter anderem der amtierende Staatsmeister Oliver Klamminger.

Für Besucher bietet sich hier die seltene Gelegenheit, Spitzenleistungen in der Bierverkostung live zu erleben und einen Einblick in die professionelle Welt der Biersommeliers zu bekommen.

Bierkultur auf höchstem Niveau

Die Staatsmeisterschaft ist mehr als nur ein Wettbewerb – sie ist auch ein Fest der Biervielfalt. Vorarlberg als Austragungsort unterstreicht dabei die Bedeutung regionaler Braukultur und handwerklicher Qualität.

Österreich zählt zu den Ländern mit besonders vielen ausgebildeten Biersommeliers, was die Veranstaltung zusätzlich unterstreicht: Hier trifft Leidenschaft auf Fachwissen – und am Ende wird gekürt, wer das Bierhandwerk am besten versteht.

Ein Termin, den sich Bierinteressierte und Branchenkenner gleichermaßen vormerken sollten.