Der europäische Biermarkt steht weiter unter Druck – und ein Ende der Entwicklung ist aktuell nicht in Sicht. Der neue European Beer Trends Report 2025 von The Brewers of Europe zeichnet ein klares Bild: Produktion, Konsum und Exporte gehen bereits seit 2019 kontinuierlich zurück. Was zunächst wie eine kurzfristige Delle wirkte, entpuppt sich zunehmend als struktureller Wandel.
Ein besonders deutlicher Einschnitt zeigt sich in der Gastronomie. Während früher rund ein Drittel des Bierkonsums in Bars, Restaurants und Kneipen stattfand, liegt dieser Anteil heute nur noch bei etwa einem Viertel. Das klingt zunächst nach einer Verschiebung – hat aber weitreichende Folgen. Denn gerade der Ausschank vor Ort sorgt für einen großen Teil der Wertschöpfung und sichert Arbeitsplätze entlang der gesamten Kette: von Landwirten über Brauereien bis hin zu Festivals und Tourismus. Schwächelt die Gastronomie, spürt das die gesamte Branche.
Auch die Dynamik innerhalb der Brauszene hat nachgelassen. Nach Jahren des Wachstums stagniert die Zahl der Brauereien in der EU bei rund 9.700. Das ist zwar weiterhin eine beeindruckende Zahl, signalisiert aber gleichzeitig, dass der Boom früherer Jahre ins Stocken geraten ist.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Sinkendes Verbrauchervertrauen, steigende Preise und eine allgemein zurückhaltende Kauflaune treffen auf hohe Produktionskosten, gestörte Lieferketten und zunehmende klimatische Herausforderungen bei Rohstoffen wie Hopfen und Gerste. Bier als soziales Getränk leidet dabei besonders – denn wenn weniger ausgegangen wird, wird auch weniger gemeinsam getrunken.
Christian Weber, Präsident von The Brewers of Europe, bringt es auf den Punkt: Die Branche ist zwar widerstandsfähig und grundsätzlich optimistisch, benötigt aber dringend mehr Stabilität und Unterstützung, um weiterhin investieren und wachsen zu können.
Ein Blick auf die Zahlen unterstreicht die Entwicklung: Die Bierproduktion in der EU ist von 367 Millionen Hektolitern im Jahr 2019 auf 345 Millionen Hektoliter im Jahr 2024 gesunken – mit weiter fallender Tendenz im Jahr 2025. Auch die Exporte, lange ein wichtiger Ausgleich für schwächere Inlandsmärkte, sind zuletzt rückläufig.
Doch es gibt auch Lichtblicke. Besonders alkoholfreie Biere entwickeln sich weiterhin stark und sind aktuell das einzige Segment mit deutlichem Wachstum. Innerhalb von fünf Jahren legten sie um 25 Prozent zu und machen inzwischen rund 7,5 Prozent des gesamten Bierkonsums in der EU aus. Ein Trend, der zeigt, dass Innovation weiterhin möglich ist – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.
Julia Leferman, Generalsekretärin von The Brewers of Europe, fordert daher ein ausgewogenes regulatorisches Umfeld. Die Branche sei bereit, ihren Beitrag zu Nachhaltigkeit, verantwortungsvollem Konsum und kultureller Vielfalt zu leisten – brauche dafür aber Planungssicherheit statt zusätzlicher Hürden.
Vorgestellt wurde der Bericht im Rahmen des „Beer Serves Europe“-Events in Brüssel, bei dem Vertreter aus Brauwirtschaft, Politik und Lieferketten zusammenkamen. Die Botschaft ist klar: Europas Bierkultur steht vor Herausforderungen – aber mit den richtigen Impulsen kann sie weiterhin ein wichtiger wirtschaftlicher und kultureller Faktor bleiben.






