Valduc-Thor – Joker Poivres

Die Brasserie Valduc aus dem belgischen Thorembais-Saint-Trond gehört zu den kleineren Brauereien des Landes, steht aber ganz in der großen Tradition belgischer Spezialbiere. Mit dem Joker hat die Brauerei ein Bier im Sortiment, das auf den ersten Blick recht unscheinbar wirkt, sich im Glas aber als typisch belgischer Charakterkopf entpuppt.

Im Glas zeigt sich der Valduc Joker in einem klaren, goldgelben Farbton mit leichter Bernstein-Note. Die Schaumkrone baut sich zunächst üppig auf, wirkt feinporig und stabil und bleibt eine ganze Weile erhalten. Optisch erinnert das Bier stark an ein klassisches belgisches Blond – hell, lebendig und durchaus einladend.

In der Nase zeigt sich sofort die belgische Hefe. Fruchtige Aromen steigen aus dem Glas, die an reife Birne, Aprikose und einen Hauch Zitrus erinnern. Dazu gesellen sich leichte Honig- und Malznoten sowie eine dezente Würzigkeit, die ein wenig an weißen Pfeffer und Nelken denken lässt. Insgesamt wirkt das Bouquet angenehm komplex, ohne überladen zu sein.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine sehr kräftige Kohlensäure sowie eine leichte Süße aus. Eine dezente Malznote eröffnet den Geschmack, schnell begleitet von fruchtigen Hefearomen, die dem Bier eine schöne Lebendigkeit verleihen. Auf der Zunge zeigt sich eine angenehme Balance zwischen leichter Süße, frischer Karbonisierung und einer sanften Hopfenbittere. Langsam entwickelt sich eine feine Würze, die typisch für viele belgische Biere ist. Die fruchtigen Noten bleiben präsent und erinnern weiterhin an Zitrus. Gleichzeitig wirkt das Bier erstaunlich schlank und gut trinkbar. In der Kehle ist das Bier trocken, leicht würzig und recht mild. Die fruchtigen Hefearomen klingen recht flott aus.

Insgesamt präsentiert sich der Valduc Joker als klassisches belgisches Blondbier mit einer angenehmen Süffigkeit. Aromatisch, ausgewogen und lebendig – ein Bier, das nicht laut auftritt, aber mit jedem Schluck zeigt, warum belgische Braukunst weltweit einen so guten Ruf genießt.

Alkoholgehalt:

6,3 % Vol.

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Brasserie coopérative Valduc – Thor
Rue de Ponceau38
1360 Thorembais-Saint-Trond
Belgien
https://www.brasserievalduc.be

Kneipenwirt gegen Brauereikonzern: Vom Biervertrag zum jahrelangen Rechtsstreit

Manchmal beginnt eine große Geschichte mit etwas sehr Kleinem. In diesem Fall mit einem Tresen, einer beleuchteten Außenwerbung und einem Darlehen über rund 3.000 Euro. Was zunächst wie eine übliche Vereinbarung zwischen einem Gastronomen und der Brauerei wirkte, entwickelte sich für den Thüringer Gastwirt Florian Mirhenn zu einem Rechtsstreit mit einem der größten Bierhersteller Deutschlands.

Mirhenn betreibt den Landgasthof „Zur Krone“ im kleinen Ort Molschleben im Landkreis Gotha. Als er die Gaststätte im Jahr 2013 übernimmt, wagt er damit den Schritt in die Selbstständigkeit. In der Gaststube wird bereits Bier der Brauerei Krombacher ausgeschenkt, und kurz vor der Wiedereröffnung kommt es zu einem Treffen zwischen Mirhenn, seinem Vorgänger und einem Vertreter der Brauerei. Dabei geht es um den Tresen der Gaststätte, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig bezahlt ist. Der Restwert liegt bei etwa 1.300 Euro.

Die Lösung scheint unkompliziert: Die Brauerei bietet dem neuen Wirt ein Darlehen für den Tresen und zusätzlich eines für eine beleuchtete Außenwerbung an. Insgesamt geht es um rund 3.000 Euro. Die Rückzahlung soll über den Bierverkauf erfolgen.

„Ich war dumm und naiv. Heute würde ich so etwas nicht mehr unterschreiben.“

Viele Jahre später erkennt Mirhenn, dass diese Vereinbarung für ihn deutlich ungünstiger ist, als er zunächst angenommen hatte. Während andere Brauereien laut seiner Aussage bessere Konditionen anbieten würden, stellt sich für ihn vor allem ein praktisches Problem: Die im Vertrag vorausgesetzten Biermengen sind in seiner kleinen Dorfgaststätte kaum zu erreichen.

Er fragt sich: „Ist das fair? Das ist die Frage, die ich mir bis heute stelle.“

Schließlich kündigt der Wirt die Zusammenarbeit und lässt den Vertrag von seinem Anwalt Stefan Rienecker prüfen. Der Jurist aus Arnstadt kommt zu einem überraschenden Ergebnis. Nach seiner Berechnung hätte Mirhenn Bier im Gesamtwert von etwa 225.000 Euro verkaufen müssen, um das Darlehen für Tresen und Außenwerbung vollständig auszugleichen. Das hätte eine Bindung an die Brauerei von ungefähr 14 bis 17 Jahren bedeutet.

Der Anwalt hält diese Konstruktion für sittenwidrig. Juristisch bedeutet dieser Begriff, dass eine Vereinbarung so einseitig oder unfair ist, dass sie gegen grundlegende Vorstellungen von Gerechtigkeit und Anstand verstößt. In solchen Fällen können Gerichte Verträge für unwirksam erklären. Der Weg vor Gericht beginnt allerdings nicht durch den Wirt selbst. Stattdessen reicht die Brauerei Klage ein und verlangt rund 26.000 Euro Schadensersatz. Das Verfahren landet vor dem Landgericht Siegen.

Im Februar 2025 fällt dort eine Entscheidung zugunsten des Wirts. Die Richter sehen ein deutliches Missverhältnis zwischen dem relativ geringen Darlehensbetrag und den geforderten Absatzmengen beim Bier. Diese Vertragsgestaltung sei sittenwidrig.

In der Urteilsbegründung heißt es unter anderem, der Abschluss eines derart unausgewogenen Vertrags lasse sich auf Seiten des Gastwirts nur mit „völliger geschäftlicher Naivität“ erklären und sei aus wirtschaftlicher Sicht eines ordentlichen Kaufmanns unsinnig. Gleichzeitig hielten es die Richter für ausgeschlossen, dass die Brauerei als international tätiges Unternehmen dieses Missverhältnis nicht erkannt habe.

Für Mirhenn hat das Urteil eine vergleichsweise milde Konsequenz: Er muss lediglich den verbliebenen Restwert des Tresens begleichen, der zu diesem Zeitpunkt noch etwa 600 Euro beträgt.

Die Brauerei äußert sich zu dem Verfahren nicht öffentlich und verweist lediglich darauf, dass man sich grundsätzlich nicht zu laufenden Gerichtsverfahren oder vertraulichen Vertragsdetails äußere.

Ganz ungewöhnlich sind solche Finanzierungsmodelle in der Gastronomie allerdings nicht. Der Thüringer Hotel- und Gaststättenverband erklärt, dass entsprechende Vereinbarungen bereits seit den 1990er-Jahren verbreitet sind. Sie sollen sowohl Brauereien als auch Wirten Planungssicherheit geben. Verbandsvertreter Dirk Ellinger betont, dass viele dieser Verträge problemlos funktionieren. Entscheidend sei jedoch, dass Darlehenshöhe und vereinbarte Absatzmengen in einem wirtschaftlich sinnvollen Verhältnis stehen. Genau daran habe es in diesem Fall offenbar gefehlt.

Der Rechtsstreit ist jedoch noch nicht beendet. Die Brauerei hat gegen das Urteil Berufung beim Oberlandesgericht Hamm eingelegt. Laut Mirhenns Anwalt wird dabei sogar eine deutlich höhere Schadensersatzforderung in Aussicht gestellt. Ein zuvor angestrebter Vergleich zwischen den Parteien kam nicht zustande.

Für den Wirt steht damit viel auf dem Spiel. „Sollte ich am Ende verlieren und die Schadenshöhe wird sechsstellig, muss ich wohl den Gasthof aufgeben.“

Selbst wenn Mirhenn auch in der nächsten Instanz Recht bekommt, könnte das Verfahren noch weitergehen. In letzter Konsequenz wäre auch eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs möglich.

Schon jetzt übersteigen die angefallenen Gerichtskosten den ursprünglichen Streitwert deutlich. Für den kleinen Landgasthof im thüringischen Molschleben bleibt der Konflikt damit eine existenzielle Belastung – und ein Beispiel dafür, wie ein scheinbar kleiner Vertrag große Folgen haben kann.

Manchmal beginnt eine große Geschichte mit etwas sehr Kleinem. In diesem Fall mit einem Tresen, einer beleuchteten Außenwerbung und einem Darlehen über rund 3.000 Euro. Was zunächst wie eine übliche Vereinbarung zwischen einem Gastronomen und der Brauerei wirkte, entwickelte sich für den Thüringer Gastwirt Florian Mirhenn zu einem Rechtsstreit mit einem der größten Bierhersteller Deutschlands.

Mirhenn betreibt den Landgasthof „Zur Krone“ im kleinen Ort Molschleben im Landkreis Gotha. Als er die Gaststätte im Jahr 2013 übernimmt, wagt er damit den Schritt in die Selbstständigkeit. In der Gaststube wird bereits Bier der Brauerei Krombacher ausgeschenkt, und kurz vor der Wiedereröffnung kommt es zu einem Treffen zwischen Mirhenn, seinem Vorgänger und einem Vertreter der Brauerei. Dabei geht es um den Tresen der Gaststätte, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig bezahlt ist. Der Restwert liegt bei etwa 1.300 Euro.

Die Lösung scheint unkompliziert: Die Brauerei bietet dem neuen Wirt ein Darlehen für den Tresen und zusätzlich eines für eine beleuchtete Außenwerbung an. Insgesamt geht es um rund 3.000 Euro. Die Rückzahlung soll über den Bierverkauf erfolgen.

„Ich war dumm und naiv. Heute würde ich so etwas nicht mehr unterschreiben.“

Viele Jahre später erkennt Mirhenn, dass diese Vereinbarung für ihn deutlich ungünstiger ist, als er zunächst angenommen hatte. Während andere Brauereien laut seiner Aussage bessere Konditionen anbieten würden, stellt sich für ihn vor allem ein praktisches Problem: Die im Vertrag vorausgesetzten Biermengen sind in seiner kleinen Dorfgaststätte kaum zu erreichen.

Er fragt sich: „Ist das fair? Das ist die Frage, die ich mir bis heute stelle.“

Schließlich kündigt der Wirt die Zusammenarbeit und lässt den Vertrag von seinem Anwalt Stefan Rienecker prüfen. Der Jurist aus Arnstadt kommt zu einem überraschenden Ergebnis. Nach seiner Berechnung hätte Mirhenn Bier im Gesamtwert von etwa 225.000 Euro verkaufen müssen, um das Darlehen für Tresen und Außenwerbung vollständig auszugleichen. Das hätte eine Bindung an die Brauerei von ungefähr 14 bis 17 Jahren bedeutet.

Der Anwalt hält diese Konstruktion für sittenwidrig. Juristisch bedeutet dieser Begriff, dass eine Vereinbarung so einseitig oder unfair ist, dass sie gegen grundlegende Vorstellungen von Gerechtigkeit und Anstand verstößt. In solchen Fällen können Gerichte Verträge für unwirksam erklären. Der Weg vor Gericht beginnt allerdings nicht durch den Wirt selbst. Stattdessen reicht die Brauerei Klage ein und verlangt rund 26.000 Euro Schadensersatz. Das Verfahren landet vor dem Landgericht Siegen.

Im Februar 2025 fällt dort eine Entscheidung zugunsten des Wirts. Die Richter sehen ein deutliches Missverhältnis zwischen dem relativ geringen Darlehensbetrag und den geforderten Absatzmengen beim Bier. Diese Vertragsgestaltung sei sittenwidrig.

In der Urteilsbegründung heißt es unter anderem, der Abschluss eines derart unausgewogenen Vertrags lasse sich auf Seiten des Gastwirts nur mit „völliger geschäftlicher Naivität“ erklären und sei aus wirtschaftlicher Sicht eines ordentlichen Kaufmanns unsinnig. Gleichzeitig hielten es die Richter für ausgeschlossen, dass die Brauerei als international tätiges Unternehmen dieses Missverhältnis nicht erkannt habe.

Für Mirhenn hat das Urteil eine vergleichsweise milde Konsequenz: Er muss lediglich den verbliebenen Restwert des Tresens begleichen, der zu diesem Zeitpunkt noch etwa 600 Euro beträgt.

Die Brauerei äußert sich zu dem Verfahren nicht öffentlich und verweist lediglich darauf, dass man sich grundsätzlich nicht zu laufenden Gerichtsverfahren oder vertraulichen Vertragsdetails äußere.

Ganz ungewöhnlich sind solche Finanzierungsmodelle in der Gastronomie allerdings nicht. Der Thüringer Hotel- und Gaststättenverband erklärt, dass entsprechende Vereinbarungen bereits seit den 1990er-Jahren verbreitet sind. Sie sollen sowohl Brauereien als auch Wirten Planungssicherheit geben. Verbandsvertreter Dirk Ellinger betont, dass viele dieser Verträge problemlos funktionieren. Entscheidend sei jedoch, dass Darlehenshöhe und vereinbarte Absatzmengen in einem wirtschaftlich sinnvollen Verhältnis stehen. Genau daran habe es in diesem Fall offenbar gefehlt.

Der Rechtsstreit ist jedoch noch nicht beendet. Die Brauerei hat gegen das Urteil Berufung beim Oberlandesgericht Hamm eingelegt. Laut Mirhenns Anwalt wird dabei sogar eine deutlich höhere Schadensersatzforderung in Aussicht gestellt. Ein zuvor angestrebter Vergleich zwischen den Parteien kam nicht zustande.

Für den Wirt steht damit viel auf dem Spiel. „Sollte ich am Ende verlieren und die Schadenshöhe wird sechsstellig, muss ich wohl den Gasthof aufgeben.“

Selbst wenn Mirhenn auch in der nächsten Instanz Recht bekommt, könnte das Verfahren noch weitergehen. In letzter Konsequenz wäre auch eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs möglich.

Schon jetzt übersteigen die angefallenen Gerichtskosten den ursprünglichen Streitwert deutlich. Für den kleinen Landgasthof im thüringischen Molschleben bleibt der Konflikt damit eine existenzielle Belastung – und ein Beispiel dafür, wie ein scheinbar kleiner Vertrag große Folgen haben kann.

Quelle: Tagesschau

Bruch – Festbock

Die Brauerei Bruch aus Saarbrücken gehört zu den traditionsreichsten Privatbrauereien im Saarland. Neben ihren klassischen Sorten tauchen im Jahresverlauf immer wieder saisonale Spezialitäten auf – darunter auch der Festbock, ein kräftiger Vertreter der deutschen Bockbierfamilie, der vor allem in der kälteren Jahreszeit seine Stärken ausspielt.

Im Glas zeigt sich der Festbock in einem leicht hefetrüben, dunklen Bernstein bis hin zu einem warmen Kupferton. Die Schaumkrone wirkt feinporig, stabil und elfenbeinfarben. Insgesamt macht das Bier optisch genau das, was ein Bockbier tun sollte: Es wirkt kräftig, einladend und ein wenig festlich.

In der Nase dominieren zunächst malzige Aromen. Karamell, etwas Honig und eine leichte Brotkruste steigen in die Nase. Dahinter zeigen sich dezente Röstnoten, die an dunkle Schokolade erinnern und eine feine nussige Komponente. Ganz leicht schwingt auch eine fruchtige Note mit, die dem Duft zusätzliche Tiefe verleiht.

Der Antrunk beginnt weich und vollmundig. Eine angenehm verhaltene Malzsüße und eine sehr feinperlige Kohlensäure sorgen dafür, dass das Bier nicht schwer wirkt. Schnell entwickeln sich Aromen von Karamell, Toffee und Toast. Im Mittelteil gewinnt das Bier an Struktur: Eine dezente Hopfenbittere sorgt für Balance und verhindert, dass der Festbock zu süß wirkt. Die 6,8 Volumenprozent Alkohol sind gut eingearbeitet und unterstützen die anderen Aromen, ohne dass der Alkohol in den Vordergrund tritt. Das Mundgefühl ist rund und cremig. In der Kehle wird das Bier trockener und die Bittere legt etwas zu. Der Geschmack klingt noch lange nach.

Der Festbock der Brauerei Bruch passt gut in die kalte Jahreszeit mit ihren Genüssen von Nürnberger Lebkuchen oder Wildgerichten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

6,8 % Vol.

Stammwürze:

16,0° Plato

Farbe:

16 EBC

Brauerei:

Privatbrauerei Saar GmbH
Saarbrücker Str. 14
66538 Neunkirchen/Saar
www.bruchbier.de

Italien modernisiert sein Biergesetz: Ende einer Verordnung aus dem Jahr 1970

Italien gönnt seinem Bierrecht eine Frischzellenkur. Nach über fünf Jahrzehnten soll eine Vorschrift aus dem Jahr 1970 endlich in den wohlverdienten Ruhestand geschickt werden. Der italienische Senat hat im Rahmen des sogenannten KMU-Gesetzes eine Änderung verabschiedet, die den Weg für moderne Regeln zur Bierherstellung frei macht.

Konkret bedeutet das: Innerhalb von 180 Tagen nach Veröffentlichung im Amtsblatt muss ein interministerielles Dekret neue analytische Merkmale und aktualisierte Qualitätsanforderungen für verschiedene Biersorten festlegen. Zuständig sind gleich mehrere Ministerien – darunter das Landwirtschaftsministerium, das Wirtschaftsministerium sowie das Gesundheitsministerium. Sobald das Dekret in Kraft tritt, wird das bisherige Präsidialdekret 1498 aus dem Jahr 1970 offiziell ersetzt.

Für viele in der Branche kommt diese Reform längst überfällig. Vor allem kleinere unabhängige Brauereien litten bislang unter einer Regelung, die aus einer Zeit stammt, als Craftbier eher nach Science-Fiction klang als nach Getränkekarte.

Der Verband Unionbirrai, der die Interessen kleiner italienischer Brauereien vertritt, spricht deshalb von einem historischen Schritt. Generaldirektor Vittorio Ferraris betont, dass nun endlich der Weg für eine Gesetzgebung frei sei, die mit der Entwicklung der Produktion, europäischen Standards und der steigenden Qualität italienischer Biere Schritt halten könne.

Auch politisch hatte die Reform einige Stationen zu durchlaufen. Maßgeblich vorangetrieben wurde die Änderung von Senator Luca De Carlo, dem Vorsitzenden der Landwirtschaftskommission im Senat. Nach der Zustimmung in beiden Parlamentskammern ist die Grundlage nun geschaffen.

Ganz erledigt ist die Arbeit damit allerdings noch nicht. In den kommenden sechs Monaten müssen die konkreten technischen Details ausgearbeitet werden. Unionbirrai hat bereits angekündigt, sich aktiv an den Gesprächen zu beteiligen und ihr Fachwissen einzubringen.

Die Branche hofft nun auf Tempo. Denn wenn alles nach Plan läuft, könnte Italien schon bald ein Biergesetz bekommen, das besser zur modernen Braulandschaft passt – und damit zu einem Land, das längst nicht mehr nur für Wein und Espresso bekannt ist, sondern zunehmend auch für spannende Biere.

Broeder Jacob – Winterklokje

Die Brouwerij Broeder Jacob ist eine kleine belgische Familienbrauerei aus der Provinz Limburg. Gegründet wurde sie von den Brüdern Raf und Kristof Geuens, die sich bewusst der traditionellen belgischen Braukunst verschrieben haben. In ihrer Brauerei entstehen charaktervolle Spezialbiere, die in vielen Fällen in der Flasche ein zweites mal gären und dadurch eine besonders lebendige Aromatik entwickeln. Trotz moderner Technik bleibt das Brauen hier ein Handwerk, bei dem Zeit, Erfahrung und hochwertige Zutaten eine entscheidende Rolle spielen. Jetzt steht vor mir das Winterklokje (deutsch: Winterglocke), das wie der Name schon sagt, nur in der kalten Jahreszeit gebraut und verkauft wird.

Blickdicht schwarz präsentiert sich das Winterklokje im Glas. Die Schaumkrone baut sich cremig und stabil auf und ist haselnussbraun. Insgesamt wirkt das Bier optisch sehr einladend – genau so, wie ich es von einem belgischen Winterbier erwarte.

In der Nase präsentiert sich das Winterklokje angenehm komplex. Süßliche Malznoten erinnern an Karamell. Dazu gesellen sich Aromen, die an dunkle Schokolad, Expresso und Lakritz erinnern. Abgerundet wird der Duft durch fruchtige Hefearomen, die an Orangen und reife Birnen erinnern. Im Hintergrund tauchen feine Gewürznoten auf – ein Hauch von Nelke, etwas Zimt und eine leichte Pfeffrigkeit, die typisch für viele belgische Biere ist.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine zurückhaltende Süße aus, wobei die reichliche Karbonisierung für die angenehme Frische sorgt. Auf der Zunge wird das Bier trockener und es entfaltet sich ein malzbetontes Geschmacksbild mit Karamell, Honig und einer recht kräftigen Toastnote, die mich durchaus an Verbranntes denken lässt. Schnell folgen die fruchtigen Hefearomen, die dem Bier eine lebendige Tiefe verleihen. Eine dezente Gewürznote sorgt im Mittelteil für zusätzliche Wärme, während eine sanfte Hopfenbittere das Bier angenehm ausbalanciert. Dabei ist das Mundgefühl überraschend schlank und der Alkohol ist gut eingearbeitet. In der Kehle wirkt das Bier weich, leicht würzig und es bleibt mit einer feinen, eleganten Bittere noch lange am Gaumen präsent.

Insgesamt zeigt sich das Winterklokje als klassisches belgisches Winterbier: aromatisch, wärmend und wunderbar ausgewogen. Ein Bier, das besonders an kalten Abenden seine ganze Stärke entfaltet – und dabei beweist, dass belgische Braukunst auch im Winter ausgesprochen gemütlich sein kann.

Alkoholgehalt:

9,0 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

6° – 10° Celsius

Brauerei:

Brouwerij Broeder Jacob
Beninksstraat 28
3111 Wezemaal
Belgien
www.broederjacob.com/

Italien entdeckt den Biertourismus – neue Gesetze sollen Craft-Brauereien stärken

In Italien wird Bier zunehmend als kulturelles und wirtschaftliches Gut entdeckt. Während der Weintourismus dort schon lange ein wichtiger Bestandteil der regionalen Wirtschaft ist, soll nun auch das Craft-Bier stärker in den Fokus rücken. Mehrere Änderungsanträge zum Gesetzesentwurf „Coltiva Italia“ sollen den italienischen Craft-Bier-Sektor gezielt fördern – und stoßen beim Branchenverband der unabhängigen Brauereien, Unionbirrai, auf große Zustimmung.

Die Vorschläge reichen von steuerlichen Erleichterungen bis hin zu einer ganz neuen Idee: dem Biertourismus. Dahinter steckt ein Konzept, das sich stark am erfolgreichen Weintourismus orientiert.

Biertourismus nach dem Vorbild des Weins

Ein zentraler Punkt der Gesetzesänderungen ist die Einführung eines eigenen Artikels zum Biertourismus. Die Idee dahinter ist relativ einfach: Bier soll ähnlich wie Wein stärker als touristisches Erlebnis vermarktet werden.

Geplant sind beispielsweise:

  • Besichtigungen von Brauereien und Produktionsstätten
  • Besuche von Gersten- und Hopfenfeldern
  • Bierverkostungen direkt beim Hersteller
  • Kombination von Bier und regionaler Gastronomie
  • Bildungsangebote und Freizeitveranstaltungen rund ums Brauen

Damit würde Bier offiziell Teil touristischer Erlebnisangebote werden. Besonders interessant ist außerdem ein weiterer Vorschlag: Die bestehenden Regelungen für sogenannte „Weinstraßen“ sollen auf Bier ausgeweitet werden. Das würde bedeuten, dass es künftig auch offiziell organisierte Bierstraßen geben könnte – also touristische Routen, die mehrere Brauereien, regionale Produkte und gastronomische Angebote miteinander verbinden. Bier würde damit im Hinblick auf regionale Vermarktung praktisch auf eine Stufe mit Wein gestellt.

Mehr Freiheiten für Mikrobrauereien

Neben dem Tourismus sollen auch kleine Brauereien stärker unterstützt werden. Ein weiterer Änderungsantrag sieht vor, Mikrobrauereien mehr Flexibilität zu geben. Konkret geht es darum, dass Brauereien Verkauf, Gastronomie und Besucherangebote leichter direkt mit ihrer Produktion verbinden dürfen, ohne komplizierte Änderungen bei der Nutzung ihrer Gebäude beantragen zu müssen. Das würde vielen kleinen Betrieben ermöglichen, ihre Brauerei gleichzeitig als Verkaufsort, Treffpunkt und touristisches Ziel zu nutzen.

Weniger Bürokratie für kleine Brauer

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Bürokratie. Die vorgeschlagenen Änderungen sehen Vereinfachungen bei der Verwaltung und bei der Verbrauchssteuer für Mikrobrauereien vor.

Der italienische Branchenverband Unionbirrai begrüßt diese Vorschläge ausdrücklich. Laut Generaldirektor Vittorio Ferraris sei es entscheidend, die bürokratische Belastung für kleine Produzenten zu reduzieren. Nur so könnten sich Brauereien stärker auf Qualität, Innovation und regionale Entwicklung konzentrieren.

Unterstützung für die gesamte Bier-Wertschöpfungskette

Ein weiterer Punkt betrifft die Finanzierung strategischer Lieferketten. Ein entsprechender Förderfonds soll erneut mit Mitteln ausgestattet werden – und ausdrücklich auch die Brauwirtschaft einschließen. Davon könnten nicht nur Brauereien profitieren, sondern auch Landwirte, die Gerste oder Hopfen anbauen, sowie andere Teile der Produktionskette.

Der moderne italienische Craft-Bier-Sektor ist vergleichsweise jung. Erst seit rund 30 Jahren entwickelt sich dort eine eigenständige Brauszene. Trotzdem hat sie bereits eine erstaunliche Dynamik entfaltet. Viele kleine Brauereien haben enge Verbindungen zu ihrer Region aufgebaut und tragen zunehmend zur lokalen Wirtschaft und zum Tourismus bei. Genau diese Entwicklung soll durch die geplanten Gesetzesänderungen weiter gestärkt werden.

Der Branchenverband Unionbirrai will den parlamentarischen Prozess daher aufmerksam begleiten und hofft, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen verabschiedet werden.

Und Deutschland?

Während Italien darüber nachdenkt, Bier stärker in touristische Konzepte einzubinden und Mikrobrauereien gezielt zu fördern, stellt sich eine spannende Frage: Sollte es so etwas auch in Deutschland geben?

Immerhin hat kaum ein anderes Land eine so hohe Brauereidichte und eine so vielfältige Bierkultur. Bierstraßen, offiziell anerkannter Biertourismus und weniger Bürokratie für kleine Brauereien könnten auch hier neue Möglichkeiten eröffnen.

Oder funktioniert das alles ohnehin schon – nur eben ohne eigenes Gesetz?

Grain d’Orge – Bière de Fête

Die Brasserie Grain d’Orge ist eine kleine belgische Familienbrauerei nahe der deutsch-niederländischen Grenze. Seit den frühen 2000er-Jahren wird hier mit viel handwerklichem Anspruch gebraut, wobei sich die Brauerei bewusst an der reichen belgischen Biertradition orientiert. Gleichzeitig erlaubt man sich gelegentlich moderne Interpretationen klassischer Stile. Die Biere der Brauerei sind meist charaktervoll, aromatisch und deutlich von belgischer Hefearomatik geprägt. Aus dieser Brauerei stammt das Grelotte Bière de Fête, das jetzt vor mir steht und das ich verkosten will.

Das Grelotte Bière de Fête fließt in einem warmen Braun ins Glas. Es zeigt sich leicht opalisierend und wird von einer cremigen, feinporigen Schaumkrone gekrönt, die zunächst stabil steht und das Bier optisch sehr festlich wirken lässt – passend zum Namen.

In der Nase präsentiert sich das Bier angenehm komplex. Süßliche Malznoten erinnern an Karamell, Kaffee und Lakritz, abgerundet durch fruchtige Hefearomen. Diese gehen in Richtung reifer Birne, gelber Apfel und etwas Zitrus. Dahinter schwingt eine feine Würze mit, wie sie für belgische Ales typisch ist – leicht pfeffrig, mit einem Hauch von Kräutern.

Der Antrunk ist weich und er wird durch eine angenehme Malzsüße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure dominiert. Sie bildet die Grundlage, bevor sich fruchtige Hefearomen entfalten. Noten von Birne, etwas Zitrusschale und ein Hauch Gewürz sorgen für ein lebendiges Geschmacksbild. Im Mittelteil kommt eine sanfte Hopfenbittere hinzu, die das Bier angenehm ausbalanciert. Der Abgang wirkt trocken, leicht würzig und bleibt mit einer feinen, eleganten Bittere noch lange am Gaumen präsent.

Insgesamt zeigt sich das Grelotte Bière de Fête als typisch belgisches Festbier: aromatisch, ausgewogen und mit genau der richtigen Mischung aus Malzsüße, Hefearomatik und erfrischender Bittere. Ein Bier, das seinem Namen durchaus gerecht wird.

Alkoholgehalt:

9,0 % Vol.

Farbe:

30 EBC

Brauerei:

Brasserie Grain d’Orge
rue Laschet 3
4852 Hombourg
Belgien
https://grain-dorge.com/

BrewDog verkauft an Tilray: Das Ende der Punk-Illusion – und der Rückzug aus Deutschland

Als BrewDog vor gut zwei Jahrzehnten gegründet wurde, galt die schottische Brauerei als rebellischer Hoffnungsträger der internationalen Craftbier-Szene. Laut, provokant und mit einer gehörigen Portion Marketinggenie präsentierten sich die Gründer James Watt und Martin Dickie als Punkrock-Alternative zur Bierindustrie. Doch nach Jahren voller Expansion, Skandale und finanzieller Probleme ist dieses Kapitel nun endgültig beendet: BrewDog wurde an Tilray Brands verkauft – zu einem Preis, der viele Beobachter überrascht hat.

Der Deal wirkt auf den ersten Blick fast wie ein Ausverkauf. Tilray zahlt rund 44 Millionen US-Dollar für die globale Marke BrewDog, die Brauerei im schottischen Ellon sowie elf Pubs in Großbritannien und Irland. Angesichts der Größe des Unternehmens ist das erstaunlich wenig. BrewDog produzierte zuletzt etwa 670.000 Barrel Bier jährlich, was einem Preis von nur rund 66 Dollar pro Barrel entspricht. In der Craftbierbranche ist das ein extrem niedriger Wert.

Zum Vergleich:
2011 zahlte Anheuser-Busch InBev rund 305 Dollar pro Barrel für Goose Island.
2015 legte Constellation Brands sogar etwa 3.600 Dollar pro Barrel für Ballast Point auf den Tisch.
Selbst Tilray selbst zahlte 2020 noch rund 1.150 Dollar pro Barrel für SweetWater.

Dass BrewDog nun für einen Bruchteil solcher Bewertungen verkauft wurde, zeigt vor allem eines: Der Markt für Craftbier hat sich dramatisch verändert. Die großen Wachstumsfantasien der 2010er-Jahre sind längst verflogen.

Besonders hart trifft der Verkauf die rund 200.000 privaten Investoren, die über BrewDogs Crowdfunding-Programm „Equity for Punks“ insgesamt etwa 100 Millionen Dollar in das Unternehmen gesteckt hatten. Für sie bleibt vom Verkauf praktisch nichts übrig. Ihre Anteile wurden durch den Deal vollständig entwertet.

Auch für viele Beschäftigte hat die Übernahme unmittelbare Folgen. Rund 500 Mitarbeiter in Großbritannien verlieren ihren Arbeitsplatz. Besonders bitter: Wie schon bei früheren Krisen erfuhren viele Angestellte davon zunächst aus den Medien und nicht direkt von der Unternehmensführung.

Der Niedergang eines Craftbier-Imperiums

Noch vor wenigen Jahren galt BrewDog als eines der erfolgreichsten Craftbier-Unternehmen der Welt. Die Brauerei betrieb zeitweise rund 90 Bars auf mehreren Kontinenten und verfügte über Produktionsstandorte in Europa, den USA und Australien. Der Unternehmenswert wurde zwischenzeitlich mit mehr als 2,5 Milliarden Dollar angegeben.

Doch hinter der spektakulären Wachstumsstory bröckelte das Fundament zunehmend. Immer wieder geriet das Unternehmen wegen seiner Unternehmenskultur in die Kritik. Ehemalige Mitarbeiter sprachen von einem toxischen Arbeitsumfeld, eine BBC-Dokumentation legte weitere Vorwürfe offen.

Auch BrewDogs Nachhaltigkeitsstrategie geriet ins Wanken. Das groß angekündigte „Lost Forest“-Projekt, mit dem die Brauerei angeblich klimaneutral oder sogar klimapositiv werden wollte, scheiterte weitgehend. Rund die Hälfte der gepflanzten Bäume ging nach einem besonders harten Winter ein. 2022 verlor BrewDog zudem seine B-Corp-Zertifizierung, und später gab das Unternehmen auch sein Versprechen auf, allen Mitarbeitern einen existenzsichernden Lohn zu zahlen.

Mit dem Abgang von Gründer James Watt und später auch Martin Dickie verlor die Marke schließlich auch ihre zentralen Figuren.

Rückzug aus Deutschland

Im Zuge der Neuordnung zieht sich BrewDog außerdem vollständig aus Deutschland zurück. Die Gastronomiebetriebe der Marke werden geschlossen, ebenso die Brauerei in Berlin, die erst vor wenigen Jahren als wichtiger europäischer Produktionsstandort aufgebaut worden war.

Damit endet ein ambitioniertes Kapitel der internationalen Expansion. Deutschland galt lange als strategisch wichtiger Markt für BrewDog, doch offenbar ließ sich das Konzept wirtschaftlich nicht mehr aufrechterhalten.

Für viele Craftbier-Fans ist das ein deutliches Zeichen dafür, wie schwierig das Geschäft in den letzten Jahren geworden ist. Selbst international bekannte Marken mit großen Investitionen haben zunehmend Probleme, ihre Expansion zu finanzieren.

Tilrays Strategie

Für Tilray ist der Kauf dennoch ein typischer Schritt. Das Unternehmen hat sich in den letzten Jahren darauf spezialisiert, angeschlagene Craftbrauereien günstig zu übernehmen. Zu den Marken im Portfolio gehören bereits SweetWater, Montauk oder Green Flash.

Tilray-CEO Irwin Simon sieht in BrewDog vor allem eine Plattform für den europäischen Markt. Die große Brauerei in Ellon soll künftig stärker ausgelastet werden, möglicherweise auch durch die Produktion amerikanischer Marken für Europa.

Ob diese Strategie aufgeht, bleibt allerdings offen. Auch Tilrays eigenes Biergeschäft kämpft derzeit mit sinkenden Verkaufszahlen.

Das Ende einer Ära

Der Verkauf von BrewDog ist mehr als nur eine Unternehmensübernahme. Er markiert auch das Ende einer Phase in der Craftbierbranche, in der Wachstum, Expansion und hohe Bewertungen scheinbar selbstverständlich waren.

BrewDog war lange das lauteste Symbol dieser Bewegung – und ist nun vielleicht auch ihr spektakulärstes Warnsignal. Denn eines zeigt die Geschichte sehr deutlich: Expansion kann eine Zeit lang Wachstum vorgaukeln. Sie ersetzt jedoch nicht ein stabiles Geschäftsmodell.

Für Bierfans bleibt am Ende vor allem eine Erkenntnis: Selbst die lautesten Punkrock-Versprechen können irgendwann ziemlich leise enden.

Orca Brau – Goldie

Manche Biere wollen besonders kompliziert sein. Viele Hopfensorten, exotische Namen und Aromen, die angeblich an Mango, Grapefruit und tropischen Regenwald erinnern. Das Helle, ein ursprünglich bayrischer Bierstil, der sich in den letzten Jahren über ganz Deutschland verbreitet hat, geht einen anderen Weg. Dieser Bierstil sagt im Grunde: Entspannen Sie sich, ich bin einfach ein verdammt gutes Bier. Das stimmt zwar nicht immer, aber beim Goldie von orca brau erwarte ich doch eine gehobene Qualität. Zumindest hat mich die Brauerei aus Nürnberg bislang nicht enttäuscht.

Gebraut wird mit regionalen Zutaten, darunter sogar historische fränkische Landgerste aus der Rhön, die dem Bier eine leicht kernige Tiefe verleihen soll. Dazu kommen klassische Hopfensorten wie Magnum und Hallertauer Mittelfrüh, die für eine angenehme, grasig-frische Hopfenaromatik sorgen.

Intensiv goldfarben und opalisierend fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine schneeweiße Schaumkrone, die sich aber leider recht flott auflöst.

Das Bier duftet nach hellem Malz und Karamell. Zitrusfrüchte und Gras halten lassen den Aromen des Malzes den Vortritt und vervollständigen das Aroma. Jetzt ärgert es mich etwas, dass ich das Goldie mit einem leichten Schnupfen verkoste, so dass es möglich ist, dass mir manche Nuancen des Aromas entgehen.

Der Antrunk ist angenehm spritzig und mit einer zurückhaltenden Süße. Auf der Zunge gesellt sich eine gut auf die Süße abgestimmte Bittere dazu. Gemeinsam mit etwas Zitrus sorgt sie für ein volles und weiches Mundgefühl. Der Abgang zeichnet sich durch eine freundliche Bittere mit sehr langem Nachklang aus.

Stilistisch bewegt sich das Goldie irgendwo zwischen klassischem Hellen und modern interpretiertem Craftbier. Man könnte auch sagen: ein Bier für Menschen, die traditionelles Lager lieben, aber nichts dagegen haben, wenn es ein kleines bisschen mehr Persönlichkeit mitbringt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Magnum, Hallertauer Mittelfrüh), Hefe

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Orca Brau
Am Steinacher Kreuz 24
90427 Nürnberg
www.orcabrau.de

Wenn Heimbrauer Pfandautomaten hacken: Norwegens Barcode-Lösung für Bierdosen im kritischen Blick

In Norwegen füllen mehr und mehr Hobbybrauer ihre Biere in Dosen ab. Nun ist der norwegische Heimbrauerverband Norbrygg auf eine Idee gekommen. Sie klingt zunächst sympathisch: Der Verband stellt Barcodes bereit, mit denen von Hobbybrauern selbst befüllte Aluminiumdosen über die normalen Pfandautomaten zurückgegeben werden können. Ziel ist es, dass diese Dosen nicht im Restmüll landen, sondern in das bestehende Recycling-System gelangen. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine pragmatische Lösung für ein wachsendes Problem. Bei näherer Betrachtung wirft die Initiative jedoch einige Fragen auf.

Zunächst zeigt die Maßnahme ein strukturelles Problem moderner Getränkekultur: Die Einwegdose setzt sich auch im Hobbybereich zunehmend durch. Während früher Heimbrauer überwiegend Mehrwegflaschen verwendeten, greifen heute viele zu Dosen – nicht zuletzt, weil sie leichter und lichtundurchlässig sind. Dass nun ein eigener Barcode nötig wird, um diese Verpackung überhaupt halbwegs sinnvoll entsorgen zu können, verdeutlicht, wie stark sich auch das Hobbybrauen in Richtung Einweglogik bewegt.

Das norwegische Pfandsystem gilt international als Vorbild, weil es eine sehr hohe Rücklaufquote erreicht. Genau deshalb wirkt es paradox, dass für Heimbrauer erst ein spezieller Workaround geschaffen werden muss. Offensichtlich war das System nie dafür gedacht, privat befüllte Verpackungen aufzunehmen. Die neuen Barcodes sind daher weniger eine elegante Erweiterung als vielmehr ein nachträglicher Versuch, eine Lücke zu schließen, die durch veränderte Konsum- und Verpackungsgewohnheiten entstanden ist.

Ein weiterer Punkt ist die Frage nach den Anreizen. Für die betreffenden Dosen wird ausdrücklich kein Pfand ausgezahlt. Der Barcode dient nur der Registrierung und dem Recycling. Das bedeutet, dass die Motivation zur Rückgabe ausschließlich aus Umweltbewusstsein bestehen muss (wobei ich mich ehrlich gesagt frage, woher das Umweltbewusstsein auf einmal kommen soll, wenn vorher eine Einwegverpackung gewählt wurde). Während das bei engagierten Heimbrauern durchaus funktionieren kann, widerspricht es der Grundidee des Pfandsystems, das gerade über finanzielle Anreize hohe Rücklaufquoten erzielt. Ohne diesen Anreiz könnte die Rückgabequote deutlich niedriger ausfallen.

Auch organisatorisch ist das Modell nicht völlig unproblematisch. Wenn jeder Heimbrauer denselben Barcode verwenden kann, stellt sich die Frage, wie genau die Rückführung der Materialien tatsächlich erfasst wird. Das System registriert zwar eine Dose, aber nicht deren Herkunft. Für das Recycling selbst spielt das möglicherweise keine große Rolle – für eine saubere Systemintegration hingegen schon.

Hinzu kommt eine grundsätzliche ökologische Debatte: Aluminium ist zwar theoretisch nahezu unbegrenzt recycelbar, seine Herstellung ist jedoch äußerst energieintensiv. Selbst wenn Recycling die Umweltbilanz deutlich verbessert, bleibt die Dose eine Einwegverpackung mit relativ hohem Ressourcenaufwand. Kritiker könnten daher argumentieren, dass eine stärkere Förderung von Mehrwegflaschen im Heimbraubereich langfristig nachhaltiger wäre als die Integration zusätzlicher Einwegströme in bestehende Recyclingstrukturen.

Gleichzeitig sollte man die positiven Aspekte der Initiative nicht völlig übersehen. Wenn Aluminiumdosen ohnehin im Umlauf sind, ist es selbstverständlich sinnvoll, sie möglichst effizient in den Materialkreislauf zurückzuführen. Die Kooperation zwischen Norbrygg, dem Pfandsystembetreiber Infinitum und GS1 Norway zeigt außerdem, dass sich auch vergleichsweise kleine Interessengruppen konstruktiv in nationale Recyclingstrukturen einbringen können.

Die Maßnahme ist daher kein großer Durchbruch, eher ein grundsätzlicher Fehltritt. Wir können sie bestenfalls als einen pragmatischen Kompromiss betrachten: eine technische Lösung für ein Problem, das aus veränderten Verpackungsgewohnheiten entstanden ist. Ob sie langfristig erfolgreich ist, wird davon abhängen, ob Heimbrauer die Barcodes tatsächlich nutzen – und ob die Diskussion über Verpackungen im Hobbybraubereich dadurch nicht erst richtig beginnt.