Brau dir deine Zukunft

Die deutsche Brauwirtschaft startet eine bundesweite Ausbildungsoffensive. Unter dem Motto „Brau Dir Deine Zukunft“ wollen die großen Branchenverbände gezielt junge Menschen für eine Karriere rund ums Bier begeistern.

Gemeinsame Initiative der Branche

Hinter der Kampagne stehen der Deutscher Brauer-Bund, der Private Brauereien Deutschland sowie der Deutscher Braumeister- und Malzmeister-Bund. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, den Ausbildungsberuf Brauer/in und Mälzer/in stärker in den Fokus zu rücken und Nachwuchs für die rund 1.500 Brauereien und Mälzereien in Deutschland zu gewinnen.

Die Kampagne richtet sich dabei nicht nur an klassische Schulabgänger, sondern auch an Studienanfänger und Studierende, die sich neu orientieren möchten. Neben digitalen Angeboten setzt die Initiative bewusst auch auf persönliche Kontakte vor Ort, um möglichst viele Interessierte zu erreichen.

Wichtiger Wirtschaftsfaktor

Die Brauwirtschaft ist in Deutschland ein bedeutender Arbeitgeber. Über 27.000 Menschen arbeiten direkt in Brauereien und Mälzereien, hinzu kommen geschätzt mehr als 400.000 indirekte Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Landwirtschaft über Logistik und Verpackung bis hin zu Handel und Gastronomie.

Gerade im ländlichen Raum spielt die Branche eine wichtige Rolle für wirtschaftliche Stabilität und regionale Entwicklung. Gleichzeitig steht sie vor der Herausforderung, ausreichend qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen, um Know-how und Qualität langfristig zu sichern.

Ausbildung mit vielen Perspektiven

Im Zentrum der Kampagne steht die duale Ausbildung zum Brauer und Mälzer. Der Beruf vereint Handwerk, Naturwissenschaft, Technik und Kreativität – eine Kombination, die ihn vielseitiger macht, als viele vermuten. Neben klassischen Karrierewegen wie Meistertitel oder Studium im Bereich Brauwesen eröffnen die erworbenen Kenntnisse auch Möglichkeiten in anderen Branchen.

Die Kampagne will genau diese Vielfalt sichtbar machen. Sie informiert über Ausbildungsinhalte, Arbeitsalltag, Anforderungen und Verdienstmöglichkeiten und zeigt, dass der Beruf moderne Perspektiven in einer nachhaltigen Branche bietet.

Digitale Plattform als Herzstück

Kernstück der Initiative ist die Website

www.zukunft-brauen.de

Dort finden Interessierte umfassende Informationen rund um Ausbildung und Karriere in der Brauwirtschaft. Eine interaktive Brauereikarte erleichtert die Suche nach Ausbildungsbetrieben, während kompakte Antworten häufige Fragen zum Berufsbild klären.

Begleitet wird das Angebot durch Aktivitäten in sozialen Netzwerken. Dort vermittelt die Kampagne regelmäßig Einblicke in den Braualltag, erklärt Produktionsprozesse und stellt den Beruf in kurzen Videos vor.

Tradition trifft Zukunft

Mit „Brau Dir Deine Zukunft“ setzt die Branche auf eine langfristige Nachwuchsstrategie. Die Botschaft ist klar: Brauen ist ein traditionsreiches Handwerk, das sich ständig weiterentwickelt. Moderne Technik, nachhaltige Prozesse und fundierte Ausbildung machen den Beruf heute so zukunftsfähig wie selten zuvor.

Für die Brauwirtschaft geht es dabei um mehr als nur Fachkräftegewinnung. Es geht darum, eine jahrhundertealte Kultur in die nächste Generation zu tragen – und gleichzeitig neue Perspektiven zu schaffen.

Hugel – Invidia

Das Invidia, das jetzt vor mir steht, hat die Brauerei Hugel bei der belgischen Brauerei The Brew Society gebraut. Es handelt sich um ein Stout mit 10,5 Alkohol, gebraut mit Rohstoffen aus biologischen Anbau. Stilistisch bewegt sich das Bier an der Grenze zwischen Stout und Quadrupel. Die Bitterkeit stammt weniger vom Hopfen als von den intensiv gerösteten Malzen, bleibt dabei jedoch stets im Hintergrund und unterstützt das Gesamtbild eher, als dass sie dominiert. Zahlreiche Auszeichnungen – darunter Gold bei der Brussels Beer Challenge 2015 und beim Concours International de Lyon 2017 sowie weitere Medaillen bei internationalen Wettbewerben – bestätigen den hohen Anspruch und die Qualität dieses Bieres. Damit ist aber auch genug der Vorrede. Öffne ich also die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Das Stout präsentiert sich im Glas tiefschwarz und blickdicht, gekrönt von einem feinporigen, hellbraunen Schaum mit beeindruckender Standfestigkeit. Schon optisch wird klar: Hier wartet kein Leichtgewicht.

In der Nase entfaltet sich ein komplexes Aromenspiel. Dunkles Karamell, Kakao und Kaffee bilden die Grundlage, ergänzt durch Noten von reifen und getrockneten Früchten sowie eine leicht waldige, fast schon tertiäre Aromatik. Das wirkt vielschichtig und lädt zum längeren Verweilen ein.

Der Antrunk startet süß, getragen von einer feinperligen, angenehm zurückhaltenden Kohlensäure. Im weiteren Verlauf zeigt sich ein weicher, voller Körper, der die Aromen harmonisch trägt. Eine dezente fruchtige Säure sorgt für zusätzliche Tiefe, während der Alkohol bemerkenswert gut eingebunden ist. Geschmack und Nachhall wirken rund und nahezu nahtlos miteinander verschmolzen. Der Abgang ist mild und weich, ohne Ecken und Kanten, was den Gesamteindruck eines sehr zugänglichen, gleichzeitig aber komplexen Bieres unterstreicht.

Somit ist das Invidia ein vielschichtiges, hervorragend ausbalanciertes Stout mit Anklängen an ein Quadrupel. Komplex, rund und mit großer aromatischer Tiefe – ein Bier für ruhige Genussmomente.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Rohrzucker, Hopfen, Kakao, Hefe

Alkoholgehalt:

10,5 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

10° Celsius

Brauerei:

Brouwerij Hugel
Pervijzestraat 29
8500 Kortrijk
Belgien
www.hugel.be

bei

The Brew Society
Kortrijksestraat 103A
8501 Heule
www.thebrewsociety.be

Die Astra-Brauerei auf der Reeperbahn hat Insolvenz angemeldet

Die Astra St. Pauli Brauerei galt lange als Rückkehr einer Kultmarke an ihren Ursprungsort. 2018 am Nobistor eröffnet, sollte sie das Bier von Astra Bier wieder erlebbar auf den Kiez bringen – als Mischung aus Brauerei, Gastronomie und Markenwelt. Nun steckt das Projekt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

Insolvenz in Eigenverwaltung

Wie aus einer Bekanntmachung des Insolvenzgerichts hervorgeht, hat die Brauerei Insolvenz angemeldet. Gleichzeitig wurde eine sogenannte Eigenverwaltung angeordnet. Das bedeutet: Das Unternehmen bleibt handlungsfähig und versucht, sich unter Aufsicht eines Sachwalters selbst zu sanieren. Eingesetzt wurde dafür ein Vertreter der Hamburger Kanzlei Münzel & Böhm.

Für Gäste und Besucher gibt es zunächst keine unmittelbaren Veränderungen. Der Betrieb der Brauerei sowie des angeschlossenen Restaurants läuft vorerst weiter. Eine offizielle Stellungnahme zu den genauen Hintergründen der Insolvenz steht bislang noch aus.

Symbolische Rückkehr auf den Kiez

Die Bedeutung der Brauerei reicht über den reinen Geschäftsbetrieb hinaus. Jahrzehntelang wurde Astra auf St. Pauli in der früheren Bavaria-Brauerei gebraut. Mit der Eröffnung der neuen Brauerei am Nobistor kehrte die Marke symbolisch an ihren Ursprungsort zurück – wenn auch unter veränderten Bedingungen.

Heute gehört die Marke Astra gemeinsam mit Holsten zum dänischen Konzern Carlsberg Group. Dieser betonte jedoch, dass die Astra St. Pauli Brauerei rechtlich eigenständig sei und nie direkt zum Konzern gehört habe. Es habe lediglich eine enge Partnerschaft gegeben, insbesondere bei der Nutzung der Marke. Ziel sei gewesen, Astra auf dem Kiez erlebbar zu machen und neue Produktideen zu entwickeln.

Branche unter Druck

Die Insolvenz fällt in eine Zeit, in der die gesamte Brauwirtschaft in Deutschland unter Druck steht. Laut Einschätzung von Carlsberg haben sich die Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Steigende Energie- und Rohstoffpreise belasten die Produktion, gleichzeitig fehlt es vielerorts an Fachkräften.

Hinzu kommt ein verändertes Konsumverhalten. Weniger Besuche in der Gastronomie und ein insgesamt rückläufiger Bierkonsum treffen besonders kleinere und mittelständische Betriebe. Gerade Projekte wie die Astra St. Pauli Brauerei, die stark auf Gastronomie und Markenerlebnis setzen, sind davon in besonderem Maße betroffen.

Wie es weitergeht

Ob und wie die Brauerei langfristig fortgeführt werden kann, ist derzeit offen. Die Eigenverwaltung bietet zumindest die Chance, den Betrieb zu stabilisieren und neu auszurichten. Für den Moment bleibt die Hoffnung, dass die symbolische Rückkehr von Astra auf den Kiez nicht zu einem kurzen Kapitel wird.

Bergquell – Kirsch Porter

Die Bergquell Brauerei Löbau aus der Oberlausitz ist vor allem für ihre Porter mit Fruchtzusatz bekannt. Jetzt steht das Kirsch Porter vor mir und wartet auf seine Verkostung.

Im Glas präsentiert sich das Kirsch Porter in einem klaren Rubinrot. Der hellbraune Schaum wirkt solide, ist jedoch nur von durchschnittlicher Standfestigkeit. Optisch bewegt sich das Getränk irgendwo zwischen Bier und Fruchtgetränk – ein erster Hinweis auf das, was noch folgen wird.

In der Nase wird es dann spannend. Weder typische Röstaromen eines Porters noch eine klare Kirschfrucht treten hervor. Stattdessen erinnert das Aroma eher an eine süßliche Limonade mit schwer greifbarer, leicht künstlich wirkender Fruchtnote.

Der Antrunk bestätigt diesen Eindruck. Deutlich süß, mit sehr feinperliger, eher zurückhaltender Kohlensäure. Frische oder Tiefe sucht man zunächst vergeblich. Im weiteren Verlauf dominiert die Süße weiterhin das Geschehen. Erst allmählich schleicht sich eine Ahnung von Kirsche ein, die jedoch eher angedeutet als klar definiert ist. Dass hier ein Bier im Glas steht, muss man tatsächlich wissen – geschmacklich drängt sich diese Erkenntnis nicht unbedingt auf. In der Kehle bleibt das Bild konsequent: süß, mit etwas deutlicher werdender Kirschanmutung, jedoch ohne jede Bittere, die für Ausgleich sorgen könnte. Dadurch wirkt das Getränk insgesamt recht eindimensional.

Fazit: Es ist durchaus bemerkenswert, ein Getränk zu kreieren, das zumindest entfernt an Kirsche erinnert, ohne dabei auf echte Kirschen zu setzen. Gleichzeitig führt genau das zu einem Ergebnis, das sich geschmacklich deutlich vom klassischen Porter entfernt und eher an eine süße Limonade erinnert als an ein Bier.

Tradition unter Druck: Brauereischließungen in Ostwestfalen zeigen die Krise der Branche

Die Nachricht trifft eine ganze Region ins Mark: In Ostwestfalen-Lippe stehen gleich zwei traditionsreiche Braustandorte vor einschneidenden Veränderungen. Die Herforder Brauerei soll bereits im Sommer schließen, während für die Paderborner Brauerei ein Käufer gesucht wird. Damit geraten nicht nur bekannte Marken, sondern auch zahlreiche Arbeitsplätze ins Wanken.

Rund 100 Beschäftigte in Herford und etwa 120 in Paderborn sind betroffen. Für viele kam die Entwicklung überraschend – zumindest nach außen. Intern jedoch deutete sich die Entscheidung offenbar schon länger an.

Zwischen Investitionen und Rückzug

Besonders irritierend wirkt die Situation in Herford, weil dort noch vor Kurzem investiert wurde. Eine neue Abfüllanlage, moderne Technik und sogar Produkterweiterungen sollten den Standort stärken. Doch diese Maßnahmen konnten die strukturellen Probleme offenbar nicht ausgleichen.

Tatsächlich stand die Brauerei bereits in der Vergangenheit zur Disposition. Schon Jahre zuvor gab es Überlegungen, den Standort zu veräußern – ohne Erfolg. Dass nun die endgültige Entscheidung gefallen ist, zeigt, wie stark sich die Rahmenbedingungen verändert haben.

Konzentration statt Fläche

Die Eigentümerin, die Haus-Cramer-Gruppe, reagiert mit einer klaren Strategie: Die Produktion soll künftig stärker gebündelt werden. Im Fokus steht dabei der Stammsitz in Warstein, wo sowohl eigene Biere als auch Lohnproduktionen konzentriert werden sollen.

Die Marken selbst sollen erhalten bleiben. Künftig werden Biere wie „Herforder“ und „Paderborner“ jedoch an einem anderen Ort gebraut – ein Schritt, der bei vielen Konsumenten auf Skepsis stoßen dürfte. Denn gerade regionale Identität ist für viele Biertrinker ein entscheidender Faktor.

Branche im strukturellen Wandel

Die Entwicklungen sind kein Einzelfall, sondern Teil eines größeren Trends. Der Bierkonsum in Deutschland geht seit Jahren zurück. Während um die Jahrtausendwende noch deutlich mehr getrunken wurde, liegt der Pro-Kopf-Verbrauch heute spürbar niedriger.

Für die Branche bedeutet das einen tiefgreifenden Wandel. Produktionskapazitäten, die einst auf Wachstum ausgelegt waren, treffen nun auf sinkende Nachfrage. Besonders kleinere und mittelständische Betriebe geraten dadurch unter Druck – aber auch größere Brauereigruppen müssen ihre Strukturen anpassen.

Konflikt mit der Belegschaft

Für zusätzliche Brisanz sorgt der Umgang mit den Beschäftigten. Die Gewerkschaft Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten wirft dem Unternehmen vor, bestehende Vereinbarungen zu unterlaufen. Ein Zukunftssicherungsvertrag sollte die Standorte eigentlich bis 2028 absichern – im Gegenzug hatten die Beschäftigten finanzielle Zugeständnisse gemacht.

Entsprechend groß ist die Enttäuschung. Viele Mitarbeiter fühlen sich übergangen und kritisieren die kurzfristige Kommunikation der Entscheidung. Die emotionale Dimension der Schließung reicht damit weit über wirtschaftliche Fragen hinaus.

Was bleibt?

Noch ist nicht endgültig entschieden, wie es insbesondere in Paderborn weitergeht. Sollte sich kein Käufer finden, droht auch dort das Aus. Gleichzeitig wird geprüft, ob zumindest ein Teil der Beschäftigten an andere Standorte übernommen werden kann.

Der Fall zeigt exemplarisch, in welcher Lage sich die deutsche Brauwirtschaft befindet. Zwischen Traditionspflege, Kostendruck und veränderten Konsumgewohnheiten müssen Unternehmen schwierige Entscheidungen treffen. Die Krise ist längst in der Mitte der Branche angekommen – und sie wird nicht die letzte dieser Art gewesen sein.

Verwendete Quellen: Wirtschaftswoche, WDR

Lange Nacht der Brauereien in Karlsruhe: Ein Abend, sechs Brauereien, unzählige Eindrücke

Am 22. Mai 2026 wird Karlsruhe zum Treffpunkt für alle, die Bier nicht nur trinken, sondern erleben wollen. Unter dem Motto „1 Abend. 6 Brauereien. Und jede Menge Bierkultur.“ lädt die Lange Nacht der Brauereien von 17 bis 24 Uhr zu einer genussvollen Entdeckungstour durch die Fächerstadt ein. Organisiert von der KTG Karlsruhe Tourismus GmbH, zeigt die Veranstaltung eindrucksvoll, wie lebendig die Karlsruher Brauszene heute ist. Einst eine der größten Bierproduktionsstätten Deutschlands, pflegt Karlsruhe bis heute eine ausgeprägte Bierkultur – und genau diese Vielfalt steht an diesem Abend im Mittelpunkt.

Bier erleben statt nur trinken

Das Besondere: Besucherinnen und Besucher bekommen nicht nur ein Bier ins Glas, sondern auch einen Blick hinter die Kulissen. Führungen durch Sudhäuser und Brautürme, Gespräche mit Braumeistern und Einblicke in sonst nicht zugängliche Bereiche machen die Veranstaltung zu einem echten Erlebnis.

Dazu kommt ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit Livemusik, kulinarischen Angeboten und unterhaltsamen Aktionen wie einer Bier-Olympiade. Von badischen Spezialitäten bis hin zu internationalen Köstlichkeiten ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Sechs Brauereien, sechs Handschriften

Mit dabei sind bekannte Namen der Karlsruher Bierszene: das Badisch Brauhaus, die traditionsreiche Brauerei Moninger, die kreativen Köpfe von Fächerbräu, die Marke Brauerei Wolf sowie die beiden Standorte von Vogelbräu in der Innenstadt und in Durlach.

Jede Brauerei bringt ihren eigenen Stil mit – von klassisch-traditionell bis modern und experimentierfreudig. Genau diese Vielfalt macht den Reiz der Langen Nacht aus.

Stressfrei genießen

Ein weiterer Vorteil: Dank der Kooperation mit den Karlsruher Verkehrsbetrieben kommen Gäste bequem und sicher von Brauerei zu Brauerei. Das im Ticket enthaltene KVV-Ticket ermöglicht die Nutzung von Bussen und Bahnen im Stadtgebiet – ganz im Sinne eines verantwortungsvollen Biergenusses.

Tickets und Infos

Tickets sind im Vorverkauf für 10 Euro erhältlich, an der Abendkasse kosten sie 12 Euro. Im Preis enthalten sind neben dem Zugang zum Programm auch ein Probierglas, eine Stempelkarte sowie die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs.

Wer also Lust auf eine genussvolle Entdeckungstour hat, sollte sich diesen Termin vormerken. Karlsruhe zeigt an diesem Abend, dass Bier hier nicht nur Tradition hat – sondern auch Zukunft.

Brasserie de la Senne – Taras Boulba

Mit dem Taras Boulba will die Brasserie de la Senne zeigen, dass große Biererlebnisse nicht zwingend mit hohem Alkoholgehalt einhergehen müssen. Das Session IPA aus Brüssel steht exemplarisch für eine Philosophie, die in der Craft-Szene immer mehr Anhänger findet: weniger Alkohol, aber maximaler Geschmack. Ob dieses Vorhaben geklappt hat, will ich jetzt feststellen. Öffne ich also die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Optisch präsentiert sich das Bier hell goldfarben und leicht trüb im Glas, gekrönt von einer feinporigen, stabilen weißen Schaumkrone. Ein klassischer, unaufgeregter Auftritt, der gut zum Bierstil passt.

In der Nase wird es dann deutlich spannender. Frische Zitrusaromen treffen auf exotische Fruchtnoten wie Litschi und Mango. Dazu gesellt sich eine leichte Süße, die an Honig und Zitronenlimonade erinnert, begleitet von einem Hauch Würze und mineralischen Nuancen. Ein Duftbild, das sofort Lust auf den ersten Schluck macht.

Der Antrunk fällt trocken und durch die reichliche Karbonisierung spritzig aus. Eine klare Bittere setzt früh ein, wird aber von einer zarten Malzigkeit und fruchtigen Noten im Hintergrund begleitet. Im weiteren Verlauf entsteht ein interessantes Wechselspiel: Tropische Frucht trifft auf trockene Bitterkeit, ohne dass sich eine Seite in den Vordergrund drängt. Mit rund 33 IBU bleibt die Bittere präsent, aber kontrolliert. Besonders im Abgang zeigt sich das Bier charakterstark: trocken, leicht kräuterig und mit einer Wermut-ähnlichen Note, die für ein ungewöhnliches, aber stimmiges und lang anhaltendes Finale sorgt. Gleichzeitig bleibt das Bier durch seine prickelnde, zitronige Frische erstaunlich süffig.

Das Mundgefühl ist schlank und lebendig, was den Trinkfluss deutlich erhöht. Mit 4,5 Prozent Alkohol erfüllt das Taras Boulba genau das, was ein Session IPA leisten soll: viel Geschmack bei hoher Trinkbarkeit. Unterm Strich ist dieses Bier ein überzeugender Beweis dafür, dass „leicht“ nicht gleich „langweilig“ bedeutet. Oder anders gesagt: Ein Bier, das Sie nicht fordert – aber definitiv beschäftigt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Nobel), Zucker, Hefe

Alkoholgehalt:

4,5 % Vol.

Bittereinheiten:

33 IBU

Farbe:

6 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

7° – 9° Celsius

Brauerei:

Brasserie de la Senne
Drève Anna Boch 19-21
1000 Brüssel
Belgien
www.brasseriedelasenne.be

Workshop: Bierverkostung im digitalen Zeitalter: Was Online-Events wirklich brauchen

Die Bierwelt hat sich in den letzten Jahren stark verändert – nicht nur im Glas, sondern auch davor. Digitale Formate wie Online-Tastings, virtuelle Wettbewerbe und digitale Schulungen sind längst mehr als eine Notlösung. Spätestens seit der Pandemie haben sie sich zu einem festen Bestandteil der Branche entwickelt.

Einen fundierten Einblick in diese Entwicklung gibt ein Workshop mit Markus Raupach, einem der bekanntesten Bierexperten im deutschsprachigen Raum. Als Gründer der Deutsche BierAkademie und Juror bei den World Beer Awards kennt er sowohl die praktische als auch die organisatorische Seite von Verkostungen und Bewertungen – offline wie online.

Neue Bühne für alte Disziplinen

Die größte Herausforderung besteht darin, klassische Formate wie Bierfestivals, Tastings oder Wettbewerbe in die digitale Welt zu übertragen. Was vor Ort selbstverständlich funktioniert – Atmosphäre, Austausch, direkte Verkostung – muss online neu gedacht werden.

Dabei geht es nicht nur um Technik, sondern auch um Struktur und Kommunikation. Wie führt man Teilnehmer durch eine Verkostung, wenn sie an unterschiedlichen Orten sitzen? Wie sorgt man für Interaktion? Und wie schafft man es, dass ein digitales Event nicht wie eine Videokonferenz wirkt?

Technik ist wichtig – aber nicht alles

Ein zentrales Thema ist die technische Ausstattung. Die richtige Kombination aus Kamera, Mikrofon und Software bildet die Grundlage für ein funktionierendes Online-Tasting. Doch Technik allein reicht nicht aus.

Ebenso entscheidend ist die Rolle des Moderators. Wer ein digitales Tasting leitet, muss nicht nur fachlich überzeugen, sondern auch in der Lage sein, Teilnehmer aktiv einzubinden. Körpersprache, Stimme und Timing gewinnen an Bedeutung, da sie die fehlende physische Präsenz ausgleichen müssen.

Vorbereitung ist der Schlüssel

Ein weiterer Erfolgsfaktor liegt in der Organisation. Teilnehmer benötigen vorab die richtigen Biere, passende Gläser und klare Anweisungen. Auch der Ablauf muss präzise geplant sein, damit das Event strukturiert und dennoch lebendig bleibt.

Dabei spielen auch Details eine Rolle, die man leicht unterschätzt: Wie werden Verkostungsnoten vermittelt? Wie funktioniert die Bewertung bei Wettbewerben? Und wie stellt man sicher, dass alle Teilnehmer unter vergleichbaren Bedingungen verkosten?

Erfahrung aus der Praxis

Unterstützt wurde der Workshop von Anita Ujszaszi, die als Verantwortliche für die World Beer Awards zusätzliche Einblicke in die Organisation internationaler Wettbewerbe einbrachte. Gerade hier zeigt sich, wie wichtig standardisierte Abläufe und klare Kriterien sind – unabhängig davon, ob die Verkostung vor Ort oder digital stattfindet.

Mehr als ein Trend

Online-Bier-Events sind gekommen, um zu bleiben. Sie ermöglichen eine größere Reichweite, bringen Menschen aus verschiedenen Regionen zusammen und eröffnen neue Wege der Wissensvermittlung.

Gleichzeitig ersetzen sie nicht das klassische Erlebnis, sondern ergänzen es. Die Zukunft der Bierkultur wird vermutlich hybrid sein – mit Veranstaltungen, die das Beste aus beiden Welten verbinden.

Kurz gesagt: Wer Bier digital erlebbar machen will, braucht mehr als nur eine Kamera. Er braucht ein Konzept, Erfahrung – und ein gutes Gespür für Menschen.

Der Workshop wurde im März 2021 veröffentlicht. Da es sich um einen Workshop der EBCU handelt, wird er in englischer Sprache gehalten. Das Video startet durch einen Klick auf die folgende Abbildung.

Störtebeker – Wild Coast-Ale alkoholfrei

Alkoholfreie Biere haben längst ihren festen Platz gefunden – doch wirklich charakterstarke Vertreter sind noch immer eine angenehme Überraschung. Ich hoffe, dass das Störtebeker Wild Coast-Ale alkoholfrei in diese Kategorie gehört. Schließlich habe mich die Stralsunder bislang selten enttäuscht.

Im Glas zeigt sich das Bier hell und kräftig hefetrüb, mit einer stabilen, schneeweißen Schaumkrone, die bemerkenswert lange stehen bleibt. Optisch wirkt es damit bereits deutlich lebendiger als viele klassische alkoholfreie Vertreter.

In der Nase geht es dann direkt in die Vollen: intensive Fruchtaromen dominieren das Bild. Zitrusnoten treffen auf Ananas und erinnern insgesamt an einen gut gefüllten Obstkorb. Ein Aromaprofil, das sofort Lust auf den ersten Schluck macht.

Der Antrunk ist angenehm weich, mit einer feinen Malzsüße und einer gut abgestimmten, feinperligen Kohlensäure. Beides sorgt für einen lebendigen, aber nicht überdrehten Einstieg. Im Körper zeigt das Wild Coast-Ale, was alkoholfreies Bier heute leisten kann. Die Süße bleibt präsent, wird aber von einer intensiven Fruchtigkeit und einer durchaus spürbaren Bittere begleitet. Das Mundgefühl bleibt dabei schlank und erfrischend – eine Kombination, die besonders an warmen Tagen überzeugt. Der Abgang wird etwas trockener, die Bittere zieht kurz an, bevor sie wieder zurücktritt. Die Aromen klingen dabei angenehm lange nach und hinterlassen einen frischen Gesamteindruck.

Unterm Strich ist dieses alkoholfreie Ale ein gelungener Vertreter seiner Art: aromatisch, ausgewogen und erstaunlich vielschichtig. Besonders als Begleiter zu leichten sommerlichen Gerichten spielt es seine Stärken voll aus. Oder anders gesagt: Ein alkoholfreies Bier, das nicht verzichtet – sondern überzeugt.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Haferflocken, Weizenflocken, Roggenmalz, Hopfen (Citra, Krush, Simcoe, Idaho 7), Hefe, Hopfenauszüge

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

8°C

Brauerei:

Störtebeker Braumanufaktur GmbH
Greifswalder Chaussee 84-85
18439 Stralsund
www.stoertebeker.com

Österreichs Bierkultur im Fokus: Bier Guide 2026 zeigt Vielfalt und Herausforderungen

Wenn es um Bier in Österreich geht, kommt man an ihm nicht vorbei: Conrad Seidl, besser bekannt als „Bierpapst“, hat mit dem neuen Bier Guide 2026 erneut ein umfassendes Bild der aktuellen Bierszene gezeichnet. In seiner mittlerweile 27. Ausgabe dokumentiert der Guide nicht nur Trends, sondern vor allem eines: die anhaltende Lebendigkeit der österreichischen Bierkultur.

Mit rund 1100 bieraffinen Gastronomiebetrieben auf 420 Seiten zeigt der Guide eindrucksvoll, wie breit die Szene aufgestellt ist. Vom klassischen Wirtshaus mit perfekt gezapftem Märzen bis hin zu experimentellen Bierstilen wie Ice Cream Sour Ale reicht die Spannbreite. Auch neue Lokale und sogar Brauereigründungen belegen, dass die Branche trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten in Bewegung bleibt.

Vielfalt als Markenzeichen

Ein zentrales Thema des aktuellen Guides ist die wachsende Vielfalt. Immer mehr Betriebe setzen auf ein breites Angebot an Bierstilen, oft weit über die eigenen Hausmarken hinaus. Beispiele wie der Schwechaterhof in Steyr oder das Frodos in Obertrum zeigen, dass Bierkultur längst nicht mehr an einzelne Marken gebunden ist. Gleichzeitig bringen moderne Konzepte wie die Zapfmeisterei am Wiener Flughafen oder das Freiherz in Wien neue Zielgruppen an das Thema heran.

Tradition trifft Innovation

Österreichs Bierkultur lebt von diesem Spannungsfeld. Neben der Rückkehr klassischer Lokaltypen wie der Bierschwemme entstehen innovative Formate, die internationale Trends aufgreifen und weiterentwickeln. Für Seidl ist klar: Diese Mischung macht die Szene weltweit einzigartig.

Alkoholfrei als Ergänzung – nicht als Ersatz

Auch alkoholfreie Biere spielen eine zunehmende Rolle, werden vom Bierpapst jedoch klar eingeordnet. Sie seien eine sinnvolle Ergänzung, könnten aber die traditionelle Bierkultur nicht ersetzen. Bier bleibe ein Genussmittel mit Charakter – und für viele auch ein Stück Lebensart.

Druck auf die Gastronomie wächst

Neben aller Vielfalt gibt es jedoch auch Herausforderungen. Besonders die Gastronomie steht unter Druck. Der Fassbierabsatz ist rückläufig, und der Preisunterschied zwischen Handel und Wirtshaus wächst weiter. Während Bier im Supermarkt oft zu Aktionspreisen angeboten wird, fällt es vielen Gästen schwer, die höheren Preise in der Gastronomie zu akzeptieren.

Seidl fordert daher ein Umdenken: Höhere Preise im Handel und gleichzeitig attraktivere Konditionen in der Gastronomie könnten helfen, die Bierkultur langfristig zu sichern.

Der Bier Guide als Wegweiser

Der Bier Guide versteht sich dabei nicht nur als Nachschlagewerk, sondern als Einladung, Bier bewusster zu erleben. Neben Lokaltipps bietet er auch Einblicke in Innovationen, Brauereien und regionale Besonderheiten. Ergänzt wird das Angebot durch eine Website und eine App, die es ermöglichen, gezielt nach Bieren und Lokalen zu suchen.

Wie jedes Jahr werden zudem herausragende Betriebe ausgezeichnet – von Biergärten über Mikrobrauereien bis hin zu den besten Bierlokalen der einzelnen Bundesländer.

Kurz gesagt: Der Bier Guide 2026 zeigt eine Szene im Wandel – voller Ideen, voller Vielfalt, aber auch mit klaren Herausforderungen. Oder anders formuliert: Österreich bleibt ein Bierland, das sich ständig neu erfindet. Das Buch ist 420 Seiten stark und zum Preis von € 19,90 unter der ISBN 978-3-903254-91-6 im Verlag MN Anzeigenservice GmbH erschienen.