Österreichs Bierkultur im Fokus: Bier Guide 2026 zeigt Vielfalt und Herausforderungen

Wenn es um Bier in Österreich geht, kommt man an ihm nicht vorbei: Conrad Seidl, besser bekannt als „Bierpapst“, hat mit dem neuen Bier Guide 2026 erneut ein umfassendes Bild der aktuellen Bierszene gezeichnet. In seiner mittlerweile 27. Ausgabe dokumentiert der Guide nicht nur Trends, sondern vor allem eines: die anhaltende Lebendigkeit der österreichischen Bierkultur.

Mit rund 1100 bieraffinen Gastronomiebetrieben auf 420 Seiten zeigt der Guide eindrucksvoll, wie breit die Szene aufgestellt ist. Vom klassischen Wirtshaus mit perfekt gezapftem Märzen bis hin zu experimentellen Bierstilen wie Ice Cream Sour Ale reicht die Spannbreite. Auch neue Lokale und sogar Brauereigründungen belegen, dass die Branche trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten in Bewegung bleibt.

Vielfalt als Markenzeichen

Ein zentrales Thema des aktuellen Guides ist die wachsende Vielfalt. Immer mehr Betriebe setzen auf ein breites Angebot an Bierstilen, oft weit über die eigenen Hausmarken hinaus. Beispiele wie der Schwechaterhof in Steyr oder das Frodos in Obertrum zeigen, dass Bierkultur längst nicht mehr an einzelne Marken gebunden ist. Gleichzeitig bringen moderne Konzepte wie die Zapfmeisterei am Wiener Flughafen oder das Freiherz in Wien neue Zielgruppen an das Thema heran.

Tradition trifft Innovation

Österreichs Bierkultur lebt von diesem Spannungsfeld. Neben der Rückkehr klassischer Lokaltypen wie der Bierschwemme entstehen innovative Formate, die internationale Trends aufgreifen und weiterentwickeln. Für Seidl ist klar: Diese Mischung macht die Szene weltweit einzigartig.

Alkoholfrei als Ergänzung – nicht als Ersatz

Auch alkoholfreie Biere spielen eine zunehmende Rolle, werden vom Bierpapst jedoch klar eingeordnet. Sie seien eine sinnvolle Ergänzung, könnten aber die traditionelle Bierkultur nicht ersetzen. Bier bleibe ein Genussmittel mit Charakter – und für viele auch ein Stück Lebensart.

Druck auf die Gastronomie wächst

Neben aller Vielfalt gibt es jedoch auch Herausforderungen. Besonders die Gastronomie steht unter Druck. Der Fassbierabsatz ist rückläufig, und der Preisunterschied zwischen Handel und Wirtshaus wächst weiter. Während Bier im Supermarkt oft zu Aktionspreisen angeboten wird, fällt es vielen Gästen schwer, die höheren Preise in der Gastronomie zu akzeptieren.

Seidl fordert daher ein Umdenken: Höhere Preise im Handel und gleichzeitig attraktivere Konditionen in der Gastronomie könnten helfen, die Bierkultur langfristig zu sichern.

Der Bier Guide als Wegweiser

Der Bier Guide versteht sich dabei nicht nur als Nachschlagewerk, sondern als Einladung, Bier bewusster zu erleben. Neben Lokaltipps bietet er auch Einblicke in Innovationen, Brauereien und regionale Besonderheiten. Ergänzt wird das Angebot durch eine Website und eine App, die es ermöglichen, gezielt nach Bieren und Lokalen zu suchen.

Wie jedes Jahr werden zudem herausragende Betriebe ausgezeichnet – von Biergärten über Mikrobrauereien bis hin zu den besten Bierlokalen der einzelnen Bundesländer.

Kurz gesagt: Der Bier Guide 2026 zeigt eine Szene im Wandel – voller Ideen, voller Vielfalt, aber auch mit klaren Herausforderungen. Oder anders formuliert: Österreich bleibt ein Bierland, das sich ständig neu erfindet. Das Buch ist 420 Seiten stark und zum Preis von € 19,90 unter der ISBN 978-3-903254-91-6 im Verlag MN Anzeigenservice GmbH erschienen.

Debuisson – Bush Blonde Triple

Mit dem Bush Blonde Triple bringt die Brasserie Dubuisson ein Bier ins Glas, das kaum Zweifel daran lässt, wo es herkommt: Belgien, und zwar mit allem, was dazugehört. Kraft, Komplexität und eine gewisse Selbstverständlichkeit im Umgang mit Alkoholstärke.

Seit 2008 ergänzt diese Variante die Bush-Familie und setzt auf Flaschengärung, um dem ohnehin schon intensiven Grundbier noch mehr Tiefe zu verleihen. Das Ergebnis zeigt sich bereits beim Einschenken: bernsteinfarben, leicht hefetrüb und mit einem feinporigen, stabilen weißen Schaum, der lange stehen bleibt.

In der Nase wird schnell klar, dass hier kein Leichtgewicht im Glas steht. Aromen von Keksteig, hellem Malz und Karamell treffen auf die typische belgische Hefenote. Dazu gesellen sich florale Anklänge, die dem Ganzen eine überraschende Frische verleihen.

Der Antrunk beginnt vergleichsweise zurückhaltend, mit einer feinen, gut eingebundenen Süße und einer sehr feinperligen Kohlensäure. Doch dieser ruhige Einstieg täuscht: Im weiteren Verlauf entfaltet das Bier seine ganze Bandbreite. Hefige Noten, florale Nuancen und eine ausgewogene, freundliche Bittere greifen ineinander und sorgen für ein rundes, harmonisches Mundgefühl. Besonders bemerkenswert ist, wie gut der Alkohol integriert ist. Mit seiner Stärke bringt er Wärme ins Spiel, ohne jemals störend zu wirken. Stattdessen unterstützt er die Struktur und verleiht dem Bier zusätzliche Tiefe. In der Kehle zeigt sich das Bush Blonde Triple trockener und überraschend mild. Die Bittere bleibt angenehm im Hintergrund, während die alkoholische Wärme langsam nachklingt und das Geschmackserlebnis abrundet.

Unterm Strich ist dieses Bier ein Paradebeispiel für ein belgisches Tripel. Kraftvoll, komplex und dennoch zugänglich. Oder anders gesagt: Ein Bier, an dem sich viele andere messen lassen müssen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Zucker, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

10,5 % Vol.

Bittereinheiten:

21 IBU

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Brasserie Dubuisson
Chaussée de Mons 28
7904 Leuze-en-Hainaut
Belgien
www.dubuisson.com

Gagelbier aus dem Ahlenmoor wieder erhältlich

Manche Biere verschwinden leise – und kommen umso spektakulärer zurück. Genau das passiert aktuell im Ahlenmoor, wo eine echte Rarität ihr Comeback feiert: das Gagelbier. Nach mehreren Jahren Pause ist die besondere Spezialität wieder im MoorInformationsZentrum erhältlich – und sorgt erneut für neugierige Blicke ins Glas.

Im Zentrum der Geschichte steht eine Pflanze, die man nicht mal eben im Supermarkt findet: der Gagelstrauch. Selten, geschützt und im Ahlenmoor beheimatet, liefert er die aromatischen Blüten, die diesem Bier seinen unverwechselbaren Charakter verleihen. Geerntet wird ausschließlich per Hand – und das nur dank einer speziellen Ausnahmegenehmigung. Entsprechend limitiert ist auch die verfügbare Menge.

Für die Neuauflage konnte mit Johannes von Houwald ein erfahrener Brauer gewonnen werden, der sich der Herausforderung annimmt, diese historische Zutat in ein modernes Bier zu übersetzen. Gebraut wird in einer kleinen Manufaktur bei Eckernförde – ebenfalls in Handarbeit.

Das Ergebnis ist ein Bier, das sich bewusst von gängigen Stilrichtungen abhebt. Aromatisch, eigenständig und mit einer deutlichen Kräuternote, die an vergangene Zeiten erinnert. Denn Gagelbier hat Tradition: Schon vor der Verbreitung des Hopfens wurde die Pflanze als Würzmittel verwendet.

Passend dazu trägt das Bier den Namen „Quackeltheiss“ – eine historische Referenz an eines der ältesten Biere Eckernfördes, das einst in Norddeutschland und Süddänemark verbreitet war. Ein Stück Biergeschichte im modernen Gewand.

Neben dem Bier ergänzt nun auch ein Gagelschnaps das Sortiment. Mit seiner würzigen, fast wilden Kräuternote greift er die Charakteristik der Pflanze auf und erweitert das Angebot um eine weitere ungewöhnliche Spezialität.

Erhältlich ist das Gagelbier exklusiv im MoorInformationsZentrum sowie in der Tourist-Information Wingst – solange der Vorrat reicht. Angesichts der begrenzten Erntemenge dürfte das Interesse größer sein als die verfügbare Menge.

Wer den Besuch mit einem Ausflug verbinden möchte, findet im MoorInformationsZentrum zudem spannende Einblicke in die Welt der Moore. Ausstellungen, Veranstaltungen und Fahrten mit der Moorbahn machen den Ort zu mehr als nur einer Verkaufsstelle – nämlich zu einem Erlebnis rund um Natur, Geschichte und regionale Spezialitäten.

Dieses Bier ist kein Alltagsprodukt. Es ist ein seltenes Stück Natur – abgefüllt in 0,33 Liter.

Kraftpaule – alkoholfreies Lager

Alkoholfreie Biere haben es nicht leicht. Zu oft sind sie entweder zu süß, zu dünn oder schlicht zu brav. Umso spannender ist es, wenn ein Vertreter aus der Craft-Ecke zeigt, dass es auch anders geht.

Optisch macht das alkoholfreie Lager von Kraftpaule einen überzeugenden ersten Eindruck. Hell im Glas, mit einer leichten Hefetrübung und einer stabilen, feinporigen weißen Schaumkrone, die erstaunlich lange durchhält. Das wirkt frisch und einladend – genau so, wie man es sich von einem Lager wünscht.

In der Nase zeigt sich das Bier überraschend vielschichtig. Helle Malznoten treffen auf eine fruchtige Komponente, die an Birne erinnert, begleitet von einem Hauch Brot und floralen Nuancen. Ein Aromenspiel, das deutlich mehr verspricht als die meisten alkoholfreien Vertreter.

Der Antrunk ist spritzig und lebendig, mit einer leichten Süße, die das Bier zugänglich macht, ohne ins Kitschige abzurutschen. Im Körper bleibt das Lager angenehm weich und malzbetont, mit einer gut eingebundenen Bittere, die von fruchtigen Noten begleitet wird. Hier zeigt sich, dass alkoholfrei nicht automatisch charakterarm bedeuten muss.

Im Abgang wird das Bier trockener, die Bittere tritt etwas deutlicher hervor und bleibt erstaunlich lange präsent. Ein Finish, das dem Bier Struktur gibt und es klar von vielen weichgespülten Alternativen abhebt.

Unterm Strich ist das alkoholfreie Lager von Kraftpaule ein ungewöhnlicher, aber gelungener Vertreter seiner Kategorie. Kein Ersatz, sondern ein eigenständiges Bier mit Charakter – und genau das macht es so angenehm.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Farbe:

5 EBC

Brauerei:

Kraftpaule GmbH
Neckarstr. 132
70190 Stuttgart
www.kraftpaule.de

Insolvenz trotz Innovation: Uni-Brauerei Lohrmanns kämpft um die Zukunft

Die deutsche Braubranche steht unter Druck. Sinkender Bierkonsum, steigende Kosten und ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld setzen immer mehr Betrieben zu. Jüngstes Beispiel: die Uni-Brauerei Lohrmanns aus Dresden, die Mitte April Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt hat.

Was besonders auffällt: Lohrmanns galt lange als Vorzeigeprojekt. 2019 als innovatives Start-up aus dem Umfeld der TU Dresden gegründet, verband die Brauerei moderne Braukonzepte mit wissenschaftlichem Anspruch. Wachstum, neue Ideen und Expansion schienen lange Zeit die Richtung vorzugeben.

Doch die Realität hat das Unternehmen eingeholt. Hohe Investitionen in Brauanlage und Gastronomie, Verzögerungen beim Bau, die Folgen der Pandemie sowie gestiegene Energie- und Rohstoffkosten haben die finanzielle Situation zunehmend belastet. Am Ende war die Summe dieser Faktoren zu groß.

Sanierung statt Stillstand

Trotz des Insolvenzantrags bedeutet die Situation nicht das Aus. Der Betrieb läuft weiter, sowohl die Brauerei als auch die Gastronomie – unter anderem auf der Brühlschen Terrasse – bleiben geöffnet. Veranstaltungen finden weiterhin statt, und auch die Löhne der Mitarbeiter sind vorerst gesichert.

Das Ziel ist klar: eine Sanierung in Eigenverwaltung. Konkret soll die Kostenstruktur an die tatsächlichen Einnahmen angepasst und das Unternehmen operativ stabilisiert werden. In einem weiteren Schritt ist eine Entschuldung über einen Insolvenzplan vorgesehen. Begleitet wird der Prozess von Jörg Schädlich, der als vorläufiger Sachwalter eingesetzt wurde. Die Geschäftsführung bleibt hingegen weiterhin handlungsfähig – ein typisches Merkmal dieser Form der Sanierung.

Zwischen Krise und Neustart

Noch vor wenigen Monaten hatte Geschäftsführer Francisco Arroyo-Escobar optimistisch in die Zukunft geblickt. Umso drastischer wirkt nun die Kehrtwende. Gleichzeitig zeigt sich das Unternehmen kämpferisch: Neue alkoholfreie Biere sind bereits in Planung und sollen noch im laufenden Jahr auf den Markt kommen.

Auch Mitgründer Thomas Henle betont das Potenzial der Brauerei. Die Sanierung sei eine Chance, Lohrmanns effizienter und zukunftsfähiger aufzustellen. Ein Neustart statt eines Endes – zumindest aus Sicht der Verantwortlichen.

Ein Symptom für die Branche

Der Fall Lohrmanns ist kein Einzelfall. Bereits zuvor hatten unter anderem die Mauritius-Brauerei in Zwickau und die Hamburger Landgang-Brauerei Insolvenz angemeldet. Die Gründe ähneln sich: steigende Kosten, verändertes Konsumverhalten und wachsender Wettbewerbsdruck.

Besonders betroffen sind junge und innovative Projekte, die oft mit hohen Anfangsinvestitionen arbeiten und stärker auf Wachstum angewiesen sind. Gleichzeitig zeigt sich, wie fragil selbst vielversprechende Konzepte in einem angespannten Marktumfeld sein können. Wie es für Lohrmanns weitergeht, ist noch offen. Klar ist jedoch: Die kommenden Monate werden entscheidend dafür sein, ob aus der aktuellen Krise tatsächlich ein tragfähiger Neuanfang entsteht.

Brasserie du Dauphine –

Die Brasserie du Dauphiné ist ein schönes Beispiel dafür, was passiert, wenn Leidenschaft auf Heimatverbundenheit trifft. Gegründet im Jahr 2002, entstand die Brauerei aus dem Wunsch heraus, die Brautradition der Region Dauphiné nicht nur zu bewahren, sondern neu zu beleben.

Ihr Standort könnte passender kaum sein: In Seyssins, am Rand des Vercors-Naturparks und nur wenige Minuten von Grenoble entfernt, entstanden die ersten Rezepte. Eine Umgebung, die nicht nur landschaftlich beeindruckt, sondern auch die Grundlage für das liefert, was in den Sudkesseln landet – allen voran klares Alpenwasser.

Der Anspruch der Brauerei ist dabei bewusst klassisch formuliert: hochwertige Biere mit Charakter, gebraut nach traditionellen Methoden und mit sorgfältig ausgewählten Rohstoffen. Ein besonderer Fokus liegt auf regionalen Zutaten aus dem Dauphiné, die den Bieren eine eigene Identität verleihen.

Bekannt ist die Brasserie du Dauphiné vor allem für ihre Marken Mandrin und Face Nord. Beide stehen für unterschiedliche Interpretationen handwerklicher Braukunst, haben aber eines gemeinsam: Sie setzen auf Geschmack statt Effekthascherei. Dabei geht es der Brauerei nicht nur um Technik oder Tradition, sondern vor allem um Genuss. Die Biere sollen nicht nur gut sein, sondern Freude bereiten – ein Anspruch, der sich durch das gesamte Sortiment zieht. Auf diese Weise verbindet die Brasserie du Dauphiné regionale Wurzeln mit handwerklichem Anspruch und zeigt, dass große Biermomente nicht immer aus großen Brauereien kommen müssen.

Manche Biere wollen hoch hinaus. Das Face Nord le Sommet de l’IPA von der Brasserie du Dauphiné, das ich von meinem letzten Aufenthalt in Lyon mitgebracht habe, macht daraus gleich ein Konzept. Gebraut in Saint-Martin-d’Hères in der französischen Region Isère, verspricht dieses Bier alpinen Charakter.

Optisch zeigt sich das Bier kristallklar in einem klaren, goldblonden Farbton mit einer ausgeprägten, stabilen weißen Schaumkrone. Ein klassischer Auftritt, der wenig Experimente vermuten lässt – aber genau das macht neugierig auf den ersten Eindruck.

In der Nase dominieren fruchtige und florale Aromen. Zitrusnoten stehen im Vordergrund, begleitet von einer leichten Süße, die an Müsli erinnert, an Ananas und Honig. Das wirkt einladend und unkompliziert, ohne dabei banal zu sein.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine zurückhaltende Süße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure aus, die allerdings etwas knapp dosiert ist. Am Gaumen bestätigt sich der positive und elegante Eindruck. Das Bier präsentiert sich weich und seidig – ein Mundgefühl, das durch den Einsatz von Hafer zusätzlich unterstützt wird. Fruchtige Noten von Orange, Zitrone und einem Hauch Pfirsich verbinden sich mit floralen Akzenten zu einem harmonischen Gesamtbild. Obwohl das Bier mit nur 32 IBU daherkommt, ist die Bittere sehr präsent. Sie setzt im richtigen Moment ein, begleitet den Geschmack und führt in einen überraschend langen, trockenen und dabei sanften Abgang. Hier zeigt sich die Stärke des Bieres: Es will nicht beeindrucken, sondern überzeugen.

Trotz der Bezeichnung als IPA bleibt das „Le Sommet de l’IPA“ erstaunlich zugänglich. Kein Hopfenhammer, sondern ein ausgewogenes, erfrischendes Bier, das sowohl Einsteiger als auch erfahrene Genießer abholt. Mit 5,8 Prozent Alkohol bewegt es sich zudem in einem Bereich, der Genuss ohne große Hürden erlaubt. Unterm Strich ist dieses Bier weniger Gipfelsturm als Panoramawanderung. Kein extremes Erlebnis, aber eines, das man gerne wiederholt – entspannt, aromatisch und mit einer klaren Handschrift.

Alkoholgehalt:

5,8 % Vol.

Bittereinheiten:

32 IBU

Farbe:

8 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

5° – 8° Celsius

Brauerei:

Brasserie Artisanale du Dauphiné
33, rue Champ Roman
38400 St Martin d’Hères
Frankreich
www.brasseriedudauphine.fr

Mehr Sichtbarkeit für den Süden: die EBCU unterstützt Greek Beer Awards

Während sich viele Bierwettbewerbe traditionell auf Mittel- und Nordeuropa konzentrieren, rückt nun eine andere Region stärker in den Fokus: Südost- und Osteuropa sowie der Mittelmeerraum. Die European Beer Consumers Union (EBCU) hat offiziell ihre Unterstützung für die Greek Beer Awards bekannt gegeben – ein Wettbewerb, der genau dort ansetzt, wo bisher oft Aufmerksamkeit fehlte.

Die Entscheidung wurde auf der 73. Delegiertenversammlung der EBCU im April 2026 in Rom getroffen und gilt als klares Signal: Die Bierkultur Europas endet nicht an den klassischen Grenzen der bekannten Braunationen.

Ein Wettbewerb mit Entwicklungspotenzial

Die Greek Beer Awards wurden 2017 von Nicola Radisis gemeinsam mit BeerBartender ins Leben gerufen und bauen auf einer Tradition von Auszeichnungen auf, die bis ins Jahr 2014 zurückreicht. Inzwischen hat sich der Wettbewerb zur wichtigsten Plattform seiner Region entwickelt.

Mit aktuell dreizehn Kategorien deckt er eine breite Stilvielfalt ab und setzt bewusst auf internationale Juroren. Ziel ist eine möglichst objektive und transparente Bewertung – ein Anspruch, der auch für die EBCU entscheidend ist.

Eine Region holt auf

Gerade in Südosteuropa und rund um das Mittelmeer wächst die Brauszene dynamisch. Neue Brauereien entstehen, traditionelle Stile werden neu interpretiert, und die Qualität steigt spürbar. Gleichzeitig fehlt es vielen Betrieben an Möglichkeiten, sich auf international anerkannten Bühnen zu messen.

Genau hier setzen die Greek Beer Awards an. Sie bieten eine Plattform, auf der sich Brauereien vergleichen, weiterentwickeln und sichtbar werden können – ein wichtiger Schritt für eine Region, die im europäischen Bierdiskurs lange unterrepräsentiert war.

Anerkennung durch die EBCU

Für die EBCU ist die Unterstützung mehr als ein formaler Akt. Sie unterstreicht die Bedeutung unabhängiger Bewertungssysteme und die Förderung von Bierkultur jenseits etablierter Märkte.

Der Vorsitzende der EBCU, André Brunnsberg, bringt es auf den Punkt: „Die Greek Beer Awards verschaffen einer Region Anerkennung, die in der europäischen Bierlandschaft oft übersehen wird. Besonders hervorzuheben ist dabei der offene und transparente Ansatz des Wettbewerbs, der sich eng an den Qualitätsmaßstäben der EBCU orientiert.“

Ein Blick nach vorne

Mit der Unterstützung durch die EBCU gewinnen die Greek Beer Awards weiter an Gewicht – und könnten langfristig eine noch wichtigere Rolle im europäischen Wettbewerbsgeschehen spielen.

Für Brauereien der Region bedeutet das vor allem eines: mehr Sichtbarkeit, mehr Vergleichsmöglichkeiten und eine stärkere Einbindung in den internationalen Biermarkt.

Kurz gesagt: Europas Bierkarte wird gerade neu gezeichnet – und der Süden bekommt endlich den Platz, den er verdient.

Erdinger Dunkel

Viele Biere haben eine Geschichte, so auch das Erdinger Dunkel, das jetzt vor mir steht. Es hat sogar einen durchaus persönlichen Ursprung: Entwickelt wurde es 1989 als Geschenk zum 50. Geburtstag von Inhaber Werner Brombach. Offenbar ein Geschenk, das so gut ankam, dass es ein Jahr später seinen Weg auf den Markt fand – sehr zur Freude aller, die dunkle Weißbiere zu schätzen wissen.

Optisch macht das Bier sofort klar, wohin die Reise geht: tief dunkel glänzend im Glas, gekrönt von einem hellbraunen, cremigen, stabilen Schaum. Ein Auftritt, der eher an gemütliche Abende als an sommerliche Terrassen erinnert.

In der Nase dominieren röstige Aromen, begleitet von Noten dunkler Schokolade und Karamell. Dahinter versteckt sich eine dezente Fruchtigkeit, die an Pflaume erinnert und dem Bier eine zusätzliche Dimension verleiht. Nichts Lautes, aber genug, um neugierig auf den ersten Schluck zu machen.

Der Antrunk bestätigt diesen Eindruck eindrucksvoll. Eine leichte Süße verleiht dem Bier zusammen mit der Kohlensäure eine verführerische Spritzigkeit. Die dunklen Weizen- und Gerstenmalze liefern einen vielschichtigen Einstieg. Die obergärige Hefe sorgt für den klassischen Weißbier-Charakter, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen. Im weiteren Verlauf zeigt sich das Erdinger Dunkel erstaunlich ausgewogen. Malzige Noten, die an frisches Bauernbrot erinnern, treffen auf eine dezente Süße und einen feinen nussigen Unterton. Die Bittere bleibt stiltypisch zurückhaltend, setzt aber genau dort an, wo sie gebraucht wird, um dem Bier Struktur zu geben. Das Mundgefühl ist vollmundig und rund, ohne schwer zu wirken. Genau hier liegt eine der größten Stärken dieses Bieres: Es wirkt kräftig, bleibt aber gleichzeitig angenehm süffig. Der Abgang ist erfrischend, leicht trocken und klingt lange nach – ein Finale, das Lust auf den nächsten Schluck macht.

Unterm Strich ist das Erdinger Dunkel ein klassisches Beispiel dafür, wie viel Charakter in einem traditionellen Stil stecken kann. Kein Experiment, kein Trendprodukt – sondern ein durchdachtes, ausgewogenes Bier, das einfach funktioniert. Oder anders gesagt: Ein Dunkles, das man nicht nur probiert, sondern gerne austrinkt.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Gerstenröstmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,3 % Vol.

Stammwürzegehalt:

12,8° Plato

Bittereinheiten:

14 IBU

Brauerei:

Privatbrauerei Erdinger Weißbräu
Werner Brombach GmbH
Lange Zeile 1 + 3
85435 Erding
www.erdinger.de

Mehr Qualität im Glas: EBCU startet europäisches Förderprogramm für Bierausbildung

Gutes Bier zu brauen ist das eine – es zu verstehen und kompetent zu bewerten, das andere. Genau hier setzt die European Beer Consumers Union (EBCU) an und bringt mit einem neuen Programm mehr Struktur in die europäische Bierbildung.

Auf der 73. Delegiertenversammlung in Rom im April 2026 wurde das sogenannte „Endorsed Beer Education Programm“ offiziell beschlossen. Seitdem können sich Ausbildungsprogramme aus ganz Europa um eine Empfehlung bewerben – unabhängig davon, ob sie Teil der EBCU sind oder nicht.

Worum es geht

Das Programm richtet sich an Ausbildungsangebote für Bierprofis und ambitionierte Experten. Dazu zählen unter anderem Biersommelier-Kurse, Schulungen für Verkoster bei Bierwettbewerben, sensorische Trainings sowie vertiefende Kurse zu Bierstilen und Bierkultur.

Wichtig dabei: Ziel ist nicht die Einführung eines einheitlichen europäischen Standards. Stattdessen möchte die EBCU Programme sichtbar machen, die bestimmte Qualitätskriterien erfüllen – unabhängig von Herkunft oder Ausrichtung. Wer empfohlen wird, landet auf der offiziellen EBCU-Website und erhält damit eine Art Qualitätssiegel.

Die Kriterien im Überblick

Die Bewertung basiert auf drei zentralen Punkten. Erstens die Unabhängigkeit: Ein Programm darf nicht von einzelnen Brauereien oder kommerziellen Interessen gesteuert werden. Zweitens die Bildungsqualität: Ein klar strukturierter Lehrplan, qualifizierte Dozenten und ein nachvollziehbares Prüfungsverfahren sind Pflicht. Drittens spielt auch die Verantwortung gegenüber dem Verbraucher eine Rolle. Themen wie bewusster Konsum sowie der richtige Umgang mit Bier müssen Bestandteil der Ausbildung sein.

Ein Vorteil für Bewerber: Für die Empfehlung wird keine Gebühr erhoben.

Hintergrund der Initiative

Die Idee stammt von Simone Monetti von Unionbirrai, die eine stärkere formale Unterstützung für Bierbildungsprogramme angeregt hat. Die EBCU knüpft damit an ein bestehendes Konzept an: Bereits seit 2011 unterstützt der Verband ausgewählte Bierwettbewerbe nach klar definierten Kriterien. Dieses Modell wird nun auf den Bildungsbereich übertragen.

Die zuständige Arbeitsgruppe hat dafür einen erweiterten Auftrag erhalten und ein detailliertes Prüfverfahren entwickelt, das Transparenz und Vergleichbarkeit gewährleisten soll.

So funktioniert die Bewerbung

Organisationen, die ihr Programm einreichen möchten, müssen eine Beschreibung des Kurses, den Lehrplan, Informationen zum Lehrkörper sowie Details zum Prüfungsprozess einreichen. Auf Basis dieser Unterlagen erfolgt die Bewertung.

Alle weiteren Informationen zu Teilnahmebedingungen und Ablauf stellt die EBCU auf ihrer Website bereit.

Was bedeutet das für die Branche?

Das neue Programm könnte langfristig dazu beitragen, die Qualität von Bierausbildungen europaweit sichtbarer zu machen – ohne dabei die Vielfalt einzuschränken. Für Teilnehmer wird es einfacher, hochwertige Angebote zu erkennen, während Anbieter eine zusätzliche Möglichkeit erhalten, ihre Qualität nach außen zu zeigen. Also: Mehr Orientierung für alle, die Bier nicht nur trinken, sondern wirklich verstehen wollen.

400 Brauereien in Belgien: Wachstum mit Erklärungsbedarf

Belgien bleibt ein Land der Biervielfalt – und setzt dabei ein weiteres Ausrufezeichen. Der belgische Bierkonsumentenverband Zythos vzw hat kürzlich die 400. Brauerei registriert. Diese Marke erreichte das Brüsseler Unternehmen DrinkDrink!, das den Schritt von einer reinen Bierfirma hin zur eigenen Brauerei vollzogen hat.

Doch so beeindruckend die Zahl klingt, so komplex ist ihre Bedeutung. Denn in Belgien darf grundsätzlich jeder, der Bier auf den Markt bringt, sich „Brauerei“ nennen – unabhängig davon, ob tatsächlich selbst gebraut wird. Für Verbraucher ist daher oft nicht auf den ersten Blick erkennbar, wer hinter einem Bier wirklich steht.

Klare Kriterien für mehr Transparenz

Um hier für Klarheit zu sorgen, hat Zythos eigene Kriterien definiert. Eine Brauerei im engeren Sinne muss über eine offiziell anerkannte Brauanlage verfügen, alle gesetzlichen Anforderungen erfüllen und unter anderem bei den Behörden registriert sein. Dazu gehören eine korrekte steuerliche Anmeldung, ein gültiges Akzisenkonto für die Bierproduktion sowie die notwendigen Genehmigungen durch die Lebensmittelaufsicht.

Entscheidend ist zudem, dass die Anlage auch tatsächlich genutzt wird. Allerdings muss eine Brauerei nicht zwingend alle ihre Biere selbst herstellen. Es ist durchaus üblich, Teile der Produktion – etwa bei Engpässen oder beim Abfüllen – auszulagern.

Bierfirma ist nicht gleich Brauerei

Dem gegenüber steht die Kategorie der Bierfirma. Diese Unternehmen bringen eigene Biere auf den Markt, verfügen jedoch nicht über eine eigene Brauanlage und lassen ihre Produkte extern herstellen. Auch hier setzt Zythos klare Maßstäbe: Die Biere müssen eigenständig entwickelt sein, die Firma muss als rechtliche Einheit auftreten und die Vermarktung eigener Biere muss im Mittelpunkt stehen.

Darüber hinaus muss transparent sein, in welchen Brauereien die Biere produziert werden. Reine „Etikettenbiere“, also umgelabelte Standardprodukte, fallen nicht unter diese Definition.

Vielfalt bleibt das Markenzeichen

Neben Brauereien und Bierfirmen gibt es in Belgien weitere klar umrissene Kategorien. Lambikbrauer etwa stellen traditionelle Lambikbiere her und verarbeiten diese zu Geuze, während sogenannte Blender Bier oder Lambik einkaufen und daraus eigene Kreationen komponieren.

Insgesamt kommt Belgien damit auf rund 700 offizielle Bierproduzenten – eine beeindruckende Zahl, die die Vielfalt und Kreativität der Szene unterstreicht.

Kurz gesagt: Die Zahl der Brauereien wächst – und mit ihr die Vielfalt. Doch wer genau hinter einem Bier steckt, wird immer mehr zur spannenden Frage.