Italien feiert 30 Jahre Craft-Bier mit „Birrifici Aperti“ und einem Gemeinschaftssud

Vom 19. bis 25. Juni 2026 öffnen in ganz Italien zahlreiche unabhängige Brauereien ihre Türen für Besucher. Die Veranstaltung „Birrifici Aperti“ (Offene Brauereien), organisiert vom italienischen Craft-Bier-Verband Unionbirrai, lädt Bierfreunde, Neugierige und Genießer dazu ein, die Welt des italienischen Craft-Biers aus nächster Nähe kennenzulernen.

In diesem Jahr steht die Veranstaltung allerdings unter einem ganz besonderen Stern: Die italienische Craft-Bier-Bewegung feiert ihren 30. Geburtstag.

Drei Jahrzehnte italienische Bierkultur

Als Geburtsjahr des italienischen Craft-Biers gilt allgemein das Jahr 1996. Damals entstanden die ersten unabhängigen Brauereien, die sich bewusst von der industriellen Bierproduktion abgrenzten und neue Wege gingen.

Drei Jahrzehnte später hat sich daraus eine vielfältige und kreative Szene entwickelt, die weit über die Landesgrenzen hinaus Beachtung findet. Italienische Brauer genießen heute einen hervorragenden Ruf für ihre Experimentierfreude, ihre Liebe zu regionalen Zutaten und ihre Fähigkeit, traditionelle Bierstile neu zu interpretieren.

Ein Bier für ganz Italien

Zum Jubiläum hat Unionbirrai ein besonderes Projekt ins Leben gerufen: „Buona questa Birra!“ („Das ist ein gutes Bier!“). Dabei handelt es sich um einen Gemeinschaftssud, an dem sich Brauereien aus zahlreichen italienischen Regionen beteiligen. Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie charmant: Alle Brauer arbeiten nach einem gemeinsamen Grundrezept, können dieses aber mit ihrer eigenen Handschrift interpretieren.

Das Ergebnis ist kein einzelnes Bier, sondern eine ganze Reihe von Varianten, die alle dieselbe Grundidee teilen und dennoch die Vielfalt der italienischen Craft-Bier-Szene widerspiegeln. Bereits Hunderte Brauereien haben sich an dem Projekt beteiligt. Gemeinschaftssude fanden unter anderem in der Toskana, der Lombardei, Venetien, Umbrien, Kalabrien, Apulien, Friaul-Julisch Venetien, dem Piemont und weiteren Regionen statt.

Warum ausgerechnet ein Italian Pils?

Für das Jubiläumsbier fiel die Wahl auf einen Bierstil, der eng mit der modernen italienischen Craft-Bier-Bewegung verbunden ist: das Italian Pils.

Dieser Stil kombiniert die Trinkbarkeit eines klassischen Pils mit einer ausgeprägten Hopfenaromatik und gilt inzwischen als einer der wichtigsten italienischen Beiträge zur internationalen Bierkultur. Zugänglich, elegant und dennoch charaktervoll soll das Bier sowohl erfahrene Craft-Bier-Fans als auch Einsteiger ansprechen.

Blick hinter die Kulissen

Während der „Birrifici Aperti“-Woche erhalten Besucher die Möglichkeit, die Brauereien direkt vor Ort kennenzulernen. Führungen, Verkostungen, Gespräche mit Brauern und verschiedene Veranstaltungen sollen zeigen, wie viel Handwerk, Wissen und Leidenschaft hinter einem Glas Craft-Bier steckt.

Gerade für kleinere Brauereien bietet die Veranstaltung eine wichtige Gelegenheit, ihre Arbeit sichtbar zu machen und den direkten Kontakt zu den Konsumenten zu pflegen.

Mehr als nur Bier

Für Unionbirrai geht es dabei um weit mehr als den Verkauf von Bier. Die Veranstaltung soll die Kultur des Craft-Biers fördern, die Bedeutung regionaler Rohstoffe hervorheben und die Rolle unabhängiger Brauereien innerhalb der italienischen Lebensmittelkultur stärken.

Wer eine Brauerei besucht, lernt nicht nur verschiedene Biere kennen, sondern erhält auch Einblicke in regionale Traditionen, lokale Zutaten und die Menschen, die hinter den Produkten stehen.

Ein Jubiläum mit Blick in die Zukunft

Die diesjährige Ausgabe von „Birrifici Aperti“ verbindet Rückblick und Aufbruch zugleich. Dreißig Jahre nach den ersten Schritten der italienischen Craft-Bier-Bewegung präsentiert sich die Szene lebendig, kreativ und innovationsfreudig.

Mit dem Gemeinschaftsprojekt „Buona questa Birra!“ und den zahlreichen Veranstaltungen in den Brauereien möchte Unionbirrai zeigen, dass unabhängiges Bier in Italien längst mehr ist als ein Trend. Es ist ein fester Bestandteil der modernen italienischen Genusskultur geworden – und die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende erzählt.

Höhere Alkoholsteuer: Bringt sie wirklich mehr Geld in die Staatskasse?

Während in Deutschland immer wieder über höhere Steuern auf alkoholische Getränke diskutiert wird, hat Österreich bereits Fakten geschaffen. Mit dem neuen Budgetbegleitgesetz wird die Alkoholsteuer zum 1. Januar 2027 um 30 Prozent angehoben. Die Entscheidung sorgt nicht nur bei Herstellern von Spirituosen für Kritik, sondern wirft auch grundsätzliche Fragen auf: Führen höhere Alkoholsteuern tatsächlich zu höheren Staatseinnahmen oder könnten die Folgen am Ende sogar das Gegenteil bewirken?

Österreich erwartet Millionen-Einnahmen

Die österreichische Regierung erhöht die Steuer auf Alkohol von bislang 1.200 Euro auf 1.560 Euro je 100 Liter reinen Alkohols. Das Finanzministerium rechnet dadurch mit zusätzlichen Einnahmen von 35 Millionen Euro im Jahr 2027 und sogar 45 Millionen Euro pro Jahr ab 2028.

Doch genau diese Prognosen werden von Vertretern der Lebensmittel- und Spirituosenbranche angezweifelt.

Blick in die Vergangenheit

Der Fachverband der Lebensmittelindustrie verweist auf die letzte Erhöhung der Alkoholsteuer im Jahr 2014. Damals wurde die Steuer um 20 Prozent angehoben. Die tatsächlichen Mehreinnahmen blieben nach Angaben des Verbandes deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Gleichzeitig sank der Absatz von Spirituosen spürbar. Erst viele Jahre später erreichte der Markt wieder das frühere Niveau. Aus Sicht der Branche spricht daher wenig dafür, dass eine noch stärkere Steuererhöhung diesmal die erhofften Ergebnisse liefern wird.

Einkaufstourismus als Risiko

Ein Argument der Kritiker betrifft die geografische Lage Österreichs. Mehrere Nachbarländer erheben niedrigere Alkoholsteuern. Dadurch könnten Verbraucher verstärkt im Ausland einkaufen.

Gerade in Grenzregionen ist dieses Phänomen nicht neu. Wer größere Preisunterschiede vorfindet, kombiniert den Einkauf von Spirituosen häufig mit weiteren Besorgungen im Nachbarland. Dadurch gehen nicht nur Steuereinnahmen verloren, sondern auch Umsätze im heimischen Handel.

Ein ähnliches Szenario wäre grundsätzlich auch für Deutschland denkbar. Je nach Region könnten Verbraucher auf Angebote in Polen, Tschechien, Luxemburg oder anderen Nachbarstaaten ausweichen.

Auswirkungen auf Gastronomie und Handel

Die Diskussion beschränkt sich nicht allein auf die Alkoholsteuer selbst. Kritiker weisen darauf hin, dass geringere Verkäufe auch andere Bereiche der Wirtschaft treffen könnten.

Sinkende Umsätze in Gastronomie und Einzelhandel würden automatisch niedrigere Mehrwertsteuereinnahmen bedeuten. Hinzu kommen mögliche Auswirkungen auf Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Produzenten über Großhändler bis hin zur Gastronomie.

Nach Einschätzung des österreichischen Fachverbandes könnte die Gesamtbilanz für den Staat deshalb sogar negativ ausfallen. Während das Finanzministerium mit einem Plus von 45 Millionen Euro rechnet, sehen Branchenvertreter langfristig eher die Gefahr von Steuerausfällen.

Spirituosen besonders betroffen

Die geplante Steuererhöhung betrifft vor allem Spirituosenhersteller. Nach Angaben des Fachverbandes stammen bereits heute rund 45 Prozent der Steuereinnahmen aus alkoholischen Getränken aus diesem Segment, obwohl Spirituosen nur einen vergleichsweise kleinen Anteil am gesamten Alkoholkonsum ausmachen.

Die Branche argumentiert daher, dass sie bereits überproportional belastet werde. Gleichzeitig verweist sie auf ihre wirtschaftliche Bedeutung für Österreich mit tausenden Arbeitsplätzen und einer erheblichen Wertschöpfung.

Eine Debatte, die auch Deutschland betrifft

Auch wenn die aktuellen Zahlen aus Österreich stammen, ist die Diskussion für Deutschland durchaus interessant. Die grundlegenden Fragen sind auf beiden Seiten der Grenze dieselben:

Wie stark beeinflussen Steuererhöhungen das Konsumverhalten? Ab welchem Punkt weichen Verbraucher auf andere Produkte oder Einkaufsmöglichkeiten aus? Und wie hoch sind die tatsächlichen Mehreinnahmen, wenn alle wirtschaftlichen Folgen berücksichtigt werden?

Klare Antworten darauf gibt es bislang nicht. Fest steht jedoch, dass die Auswirkungen der österreichischen Steuerreform in den kommenden Jahren aufmerksam beobachtet werden dürften – nicht zuletzt von Politikern und Branchenvertretern in anderen europäischen Ländern.

Zwischen Gesundheitspolitik und Wirtschaft

Die Debatte zeigt einmal mehr, wie schwierig die Balance zwischen gesundheitspolitischen Zielen und wirtschaftlichen Interessen sein kann. Während Befürworter höherer Alkoholsteuern auf mögliche Lenkungseffekte verweisen, warnen Kritiker vor negativen Folgen für Unternehmen, Arbeitsplätze und Staatseinnahmen.

Ob die österreichische Regierung mit ihren Prognosen richtig liegt oder ob die Skepsis der Branche berechtigt ist, wird sich spätestens nach Inkrafttreten der neuen Regelung zeigen.

Brasserie de Bellevaux – Malmedy Quadruple

Wer die Brauerei Bellevaux im ostbelgischen Malmedy besucht, findet weit mehr als nur eine Brauerei. Eingebettet in die Landschaft der Ardennen locken Wanderwege, Wälder, Bäche und beeindruckende Aussichtspunkte. Nach einer ausgedehnten Tour durch die Natur dürfte ein Bier auf der Sonnenterrasse der perfekte Abschluss sein. Für besonders genussvolle Momente hält die Brauerei unter anderem ihr Malmedy Quadrupel bereit – ein Bier, das eher zum gemütlichen Kaminabend als zur schnellen Erfrischung passt.

Schon die Optik des Bieres macht deutlich, wohin die Reise geht. Tiefschwarz und praktisch blickdicht präsentiert sich das Quadrupel. Die Schaumkrone hält sich allerdings stark zurück und verschwindet schnell wieder. Das mag optisch nicht spektakulär sein, passt aber durchaus zum schweren Charakter des Bieres.

Deutlich spannender wird es beim Duft. Hier entfaltet sich ein komplexes Aromenspiel aus dunkler Schokolade, Mokka, Karamell und Lakritz. Dazu gesellt sich eine feine Rauchnote, die dem Bier zusätzliche Tiefe verleiht. Bereits vor dem ersten Schluck entsteht der Eindruck, eher vor einem Dessert als vor einem klassischen Bier zu sitzen.

Der Antrunk bestätigt diesen Eindruck sofort. Eine kräftige Süße trifft auf eine sehr feinperlige Kohlensäure. Das Bier wirkt schwer und gehaltvoll, ohne dabei unangenehm zu werden. Auf der Zunge zeigt das Malmedy Quadrupel seine größte Stärke: das samtige Mundgefühl. Melasse, Karamell und dunkle Fruchtnoten bestimmen den Geschmack. Trotz des hohen Alkoholgehalts wirkt dieser hervorragend eingebunden und drängt sich niemals unangenehm in den Vordergrund. Die Bittere bleibt bewusst zurückhaltend und überlässt der Malzsüße die Hauptrolle. Im weiteren Verlauf entwickeln sich zunehmend Aromen von Trockenfrüchten, während die Süße konstant präsent bleibt. Wer kräftig gehopfte Biere bevorzugt, wird hier vermutlich nicht fündig. Liebhaber malzbetonter belgischer Starkbiere hingegen dürften ihre Freude haben. Der Abgang bleibt mild und süß. Die Bittere bleibt weiterhin dezent, während der Alkohol für eine angenehme Wärme sorgt, die sich langsam ausbreitet. Der Nachklang fällt nicht außergewöhnlich lang aus, hinterlässt aber einen runden und harmonischen Gesamteindruck.

Das Malmedy Quadrupel ist kein Bier für den schnellen Durst. Es ist ein Genussbier, das Zeit verlangt und diese Geduld mit einer Fülle an malzigen, schokoladigen und fruchtigen Aromen belohnt. Am besten genießt man es an einem kühlen Abend – vielleicht nach einer Wanderung durch die Ardennen, so wie es die Brauerei vermutlich selbst empfehlen würde.

Alkoholgehalt:

11,0 % Vol.

Brauerei:

Brasserie de Bellevaux
Rue de la Foncenale 1
4960 Bellevaux
Belgien
www.brasseriedebellevaux.be

Europas Brauer treffen sich in Lissabon: Zwischen Tradition, Zukunft und der Frage, wie das Bier von morgen aussehen soll

Wenn sich Brauer aus ganz Europa treffen, geht es nicht nur um Hopfen, Malz und Hefe. Es geht auch um die Zukunft einer Branche, die tief in der europäischen Kultur verwurzelt ist und gleichzeitig vor großen Herausforderungen steht.

Genau darüber wurde am 10. und 11. Juni in Lissabon diskutiert. Dort fand die Generalversammlung des europäischen Brauereiverbandes The Brewers of Europe statt. Vertreter nationaler Brauerverbände und Brauereien aus ganz Europa kamen zusammen, um über die Zukunft des europäischen Brauwesens zu sprechen.

Portugals Brauer feiern Jubiläum

Der Tagungsort war dabei keineswegs zufällig gewählt. Gastgeber war die portugiesische Brauervereinigung APCV – Cervejeiros de Portugal, die in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen feiert.

Vier Jahrzehnte lang hat die Organisation die Entwicklung der portugiesischen Brauwirtschaft begleitet und mitgestaltet. Für die europäischen Brauer bot das Jubiläum einen passenden Rahmen, um nicht nur auf die Geschichte der Branche zurückzublicken, sondern auch den Blick nach vorne zu richten.

Und seien wir ehrlich: Lissabon ist im Juni vermutlich auch ein etwas angenehmerer Ort für strategische Diskussionen als ein regnerischer Konferenzraum irgendwo in Nordeuropa.

Bier ist mehr als ein Getränk

Im Mittelpunkt der Gespräche standen die aktuellen Herausforderungen der europäischen Brauwirtschaft. Themen wie Nachhaltigkeit, Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beschäftigen mittlerweile nahezu jede Brauerei – vom kleinen Familienbetrieb bis zum internationalen Konzern.

Dabei waren sich die Teilnehmer in einem Punkt einig: Bier ist weit mehr als ein alkoholisches Getränk. Es begleitet Feste, bringt Menschen zusammen, gehört zu regionalen Traditionen und schafft Arbeitsplätze entlang einer langen Wertschöpfungskette – von der Landwirtschaft über die Logistik bis zur Gastronomie. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Veränderungen sehen viele Brauer ihre Produkte auch als Teil eines kulturellen Erbes, das es zu bewahren gilt.

Nachhaltigkeit bleibt ein zentrales Thema

Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage, wie die Branche nachhaltiger werden kann.

Steigende Energiepreise, Klimawandel, Ressourcenschonung und neue gesetzliche Anforderungen sorgen dafür, dass Nachhaltigkeit längst nicht mehr nur ein Schlagwort ist. Viele Brauereien investieren bereits in energieeffiziente Technik, erneuerbare Energien oder Kreislaufwirtschaftsprojekte. Beispiele dafür reichen von Elektro-Lkw über Wasseraufbereitung bis hin zur Verwertung von Brauereitreber als Lebensmittelzutat.

Die europäische Brauwirtschaft möchte diesen Weg gemeinsam weitergehen und dabei Wissen sowie Erfahrungen stärker austauschen.

Zusammenarbeit statt Einzelkampf

Ein wichtiges Signal der Generalversammlung war die Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Trotz unterschiedlicher nationaler Märkte stehen viele Brauereien vor ähnlichen Herausforderungen: sinkender Bierkonsum in einigen Regionen, steigende Produktionskosten und ein verändertes Konsumverhalten der Verbraucher.

Die Teilnehmer betonten daher die Bedeutung gemeinsamer Lösungen und eines engen Austauschs innerhalb der europäischen Brauerfamilie.

Bier mit Zukunft

Am Ende der Veranstaltung stand die gemeinsame Überzeugung, dass Europas Brauereien auch künftig eine wichtige Rolle spielen werden – wirtschaftlich, kulturell und gesellschaftlich. Oder anders gesagt: Solange Menschen gerne zusammensitzen, diskutieren, feiern und auf gute Ideen anstoßen, wird Bier wohl seinen festen Platz behalten. Die Aufgabe der Branche besteht nun darin, dafür zu sorgen, dass dies auch unter den Bedingungen des 21. Jahrhunderts gelingt.

Brauerei Ried – Märzen

Manche Biere versuchen mit exotischen Hopfensorten, spektakulären Zutaten oder besonders ausgefallenen Brauverfahren Aufmerksamkeit zu erregen. Das Rieder Märzen aus dem österreichischen Innviertel geht einen anderen Weg. Es setzt auf klassische Braukunst, Ausgewogenheit und hohe Trinkbarkeit. Genau das macht seinen Reiz aus.

Bereits beim Einschenken präsentiert sich das Bier so, wie man sich ein traditionelles Märzen vorstellt. Goldgelb und glanzfein leuchtet es aus dem Glas. Darüber prangt eine feinporige, schneeweiße Schaumkrone, die erfreulich lange erhalten bleibt und einen sehr gepflegten Eindruck hinterlässt.

In der Nase zeigt sich zunächst helles Malz. Dazu gesellen sich würzige und florale Noten, die dem Bier eine angenehme Frische verleihen. Das Aroma wirkt harmonisch und ausgewogen, ohne dabei besonders laut oder aufdringlich zu werden.

Der Antrunk beginnt mit einer zurückhaltenden Süße, die hervorragend zum Bierstil passt. Die sehr feinperlige Kohlensäure sorgt für ein angenehmes und elegantes Trinkgefühl. Nichts wirkt überladen oder schwer, vielmehr vermittelt das Bier vom ersten Schluck an eine bemerkenswerte Ausgewogenheit. Auf der Zunge zeigt sich das Rieder Märzen von seiner besten Seite. Eine freundliche Bittere ergänzt die Malzsüße und sorgt für Balance. Das Mundgefühl ist weich und gleichzeitig angenehm voll, ohne dabei an Leichtigkeit einzubüßen. Gerade diese Harmonie macht das Bier so zugänglich. Es gibt keine Ecken und Kanten, die herausfordern wollen, sondern einen stimmigen Gesamteindruck, der zum nächsten Schluck einlädt. Im Abgang legt die Bittere noch etwas zu und verleiht dem Bier zusätzliche Struktur. Sie bleibt jedoch stets angenehm und klingt durchschnittlich lange nach. Dadurch wirkt das Märzen sauber und rund bis zum letzten Schluck.

Das Rieder Märzen ist kein Bier, das mit spektakulären Aromen beeindrucken möchte. Es will einfach gut schmecken – und genau das gelingt ihm. Die Brauerei Ried liefert hier ein klassisches österreichisches Märzen ab, das durch seine Ausgewogenheit, seine hohe Trinkbarkeit und seine handwerkliche Sauberkeit überzeugt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Stammwürze:

11,9° Plato

Empfohlene Genusstemperatur:

6° – 8° Celsius

Brauerei:

Brauerei Ried Getränke GmbH
Brauhausgasse 24
4910 Ried im Innkreis
www.rieder-bier.at

Vom Brauereitreber zum Lebensmittel der Zukunft

Wenn nach dem Brauen die letzten Tropfen Würze aus dem Malz gelöst sind, bleibt ein Rohstoff zurück, der lange Zeit vor allem als Futtermittel genutzt wurde: Brauereitreber. Doch was viele als Nebenprodukt betrachten, könnte sich künftig zu einem wichtigen Baustein nachhaltiger Lebensmittelproduktion entwickeln.

Genau mit dieser Frage beschäftigte sich ein Webinar, das leider vollständig in italienischer Sprache gehalten wird, des italienischen Craft-Bier-Verbandes Unionbirrai in Zusammenarbeit mit mehreren Universitäten. Die zentrale Erkenntnis: Treber ist kein Abfall, sondern ein wertvoller Rohstoff mit großem Potenzial für die Lebensmittelindustrie.

Millionen Tonnen wertvoller Rohstoffe

Weltweit fallen jedes Jahr rund 40 Millionen Tonnen Nebenprodukte aus der Bierproduktion an. Etwa 85 Prozent davon entfallen auf Brauereitreber. Dieser besteht hauptsächlich aus den festen Bestandteilen des Malzes, die nach dem Maischen zurückbleiben.

Treber enthält große Mengen an Ballaststoffen, Proteinen und verschiedenen bioaktiven Inhaltsstoffen. Damit bringt er grundsätzlich beste Voraussetzungen für eine Weiterverarbeitung mit. Das größte Problem ist jedoch sein hoher Wassergehalt. Frischer Treber verdirbt schnell und ist aufgrund seines Gewichts aufwendig zu transportieren. Genau hier setzt die aktuelle Forschung an.

Aus Treber wird haltbares Mehl

Forscher der Universität Foggia stellten einen neuen Ansatz vor, bei dem der Treber zunächst mechanisch gepresst und anschließend mithilfe von Mikrowellentechnologie getrocknet wird. Auf diese Weise konnte der Wassergehalt auf weniger als zehn Prozent reduziert werden. Das Ergebnis ist ein lagerfähiges Mehl, das weiterhin einen Großteil seiner wertvollen Inhaltsstoffe behält. Proteine, Fette, antioxidative Eigenschaften und andere funktionelle Bestandteile bleiben weitgehend erhalten.

Für Brauereien könnte dies gleich mehrere Vorteile bieten. Die Trocknung direkt am Produktionsstandort würde Transportkosten reduzieren und neue Vermarktungsmöglichkeiten eröffnen.

Sauerteig aus Brauereitreber

Ein weiterer Forschungsbereich beschäftigt sich mit der Entwicklung neuer Backwaren.

Wissenschaftler der Universität Mailand untersuchten, wie sich Treber als Grundlage für Sauerteigkulturen nutzen lässt. Dafür wurden zahlreiche Kombinationen aus Hefen und Milchsäurebakterien getestet. Einige dieser mikrobiellen Gemeinschaften erwiesen sich als besonders vielversprechend.

Die ersten Backversuche lieferten ermutigende Ergebnisse. Brot und andere Backwaren zeigten eine gute Struktur und überzeugende sensorische Eigenschaften. Gleichzeitig steigt durch den Einsatz von Treber der Ballaststoffgehalt deutlich an.

Funktionelle Lebensmittel mit gesundheitlichem Mehrwert

Die Forschung geht sogar noch einen Schritt weiter. Neben ballaststoffreichen Broten werden auch sogenannte postbiotische Lebensmittel entwickelt. Dabei dient Treber nicht nur als Ballaststoffquelle, sondern auch als Trägermaterial für Mikroorganismen oder deren Stoffwechselprodukte. Ziel ist es, Lebensmittel mit einem verbesserten Nährwertprofil zu schaffen, ohne dabei Geschmack oder Konsistenz zu beeinträchtigen.

Proteinquelle für die Zukunft?

Besonders spannend ist ein Forschungsprojekt der Universität Sassari auf Sardinien. Dort untersuchen Wissenschaftler, ob sich Brauereitreber als Nährboden für die Produktion von Mykoproteinen eignet. Dabei wachsen spezielle essbare Pilzkulturen auf dem feuchten Treber. Die entstehende Biomasse besitzt einen hohen Proteingehalt und könnte künftig als nachhaltige Alternative zu tierischen Eiweißquellen dienen.

Noch befindet sich dieser Ansatz in einem frühen Entwicklungsstadium. Fragen zur Sicherheit, zu möglichen Nebenprodukten und zur industriellen Umsetzung müssen erst geklärt werden. Dennoch zeigt die Forschung eindrucksvoll, welches Potenzial in dem vermeintlichen Reststoff steckt.

Herausforderung für kleine Brauereien

Neben den wissenschaftlichen Aspekten beschäftigt sich Unionbirrai auch mit den praktischen Herausforderungen der Brauereien. Besonders kleine und unabhängige Betriebe benötigen einfache und rechtssichere Lösungen für den Umgang mit Treber. Dabei geht es vor allem darum, Treber konsequent als Nebenprodukt und nicht als Abfall zu behandeln. Klare Regeln und standardisierte Verfahren sollen den Betrieben helfen, neue Verwertungswege zu erschließen.

Kreislaufwirtschaft wird zum Zukunftsthema

Für viele Craft-Brauereien ist Nachhaltigkeit längst kein Randthema mehr. Wasserverbrauch, Energieeffizienz und die Nutzung von Nebenprodukten stehen zunehmend im Mittelpunkt strategischer Überlegungen.

Brauereitreber könnte dabei zu einem Paradebeispiel moderner Kreislaufwirtschaft werden. Aus einem vermeintlichen Reststoff entstehen neue Lebensmittel, innovative Zutaten und möglicherweise sogar alternative Proteinquellen. Die aktuellen Forschungsprojekte zeigen eindrucksvoll, dass die Zukunft des Bierbrauens nicht nur im Sudkessel entschieden wird. Manchmal steckt das größte Potenzial genau in dem, was früher als Abfall betrachtet wurde.

Ich hoffe, dass in nächster Zeit eine Übersetzung des Webinars verfügbar sein wird. Hier das vollständige Webinar in italienischer Sprache:

Kaiser – Perlenzauber 2025 Kellerpils

Manche Biere verschwinden nach dem letzten Schluck schnell wieder aus dem Gedächtnis. Andere bleiben hängen, weil sie Bekanntes mit einer eigenen Handschrift versehen. Das Perlenzauber Kellerpils gehört für mich zur zweiten Kategorie.

Das Bier entstand im Rahmen des Perlenzauber-Projekts, das seit 2017 Jahr für Jahr eine andere Brauerei dazu einlädt, die namensgebende Perle auf dem Etikett mit einer besonderen Kreation zu „verzaubern“. Für den Jahrgang 2025 zeichnete die Kaiser Brauerei aus Geislingen an der Steige verantwortlich – ein Familienunternehmen mit langer Tradition und bemerkenswerter Entwicklung.

Seit 1881 wird dort gebraut. Nach schwierigen Jahren und einer Insolvenz im Jahr 2015 gelang der Brauerei mit umfangreichen Investitionen die Rückkehr in ruhigeres Fahrwasser. Heute setzt man konsequent auf regionale Rohstoffe und bezieht das gesamte Braugetreide von Landwirten der Schwäbischen Alb und des Schwäbischen Waldes. Auch die Erfolge beim European Beer Star zeigen, dass die Brauerei qualitativ auf einem hohen Niveau arbeitet.

Doch nun zum Bier.

Bereits beim Einschenken macht das Kellerpils einen hervorragenden Eindruck. Goldfarben leuchtet es aus dem Glas, eine leichte Hefetrübung verleiht ihm einen handwerklichen Charakter. Darüber thront eine feste weiße Schaumkrone, die erfreulich lange erhalten bleibt.

In der Nase zeigt sich sofort, dass hier moderne Aromahopfen am Werk sind. Zitrone und Grapefruit springen förmlich aus dem Glas, begleitet von Mandarine und dezenten tropischen Fruchtnoten. Dahinter entdeckt man feine Kräuteranklänge und einen angenehm brotigen Malzcharakter. Für ein Pils wirkt das bereits erstaunlich vielschichtig.

Der Antrunk startet mit einer angenehmen Malzsüße und einer sehr feinperligen Kohlensäure, die dem Bier viel Eleganz verleiht. Auf der Zunge bleibt die Süße zunächst erhalten, bevor die Hopfenaromen zunehmend das Kommando übernehmen. Die Fruchtigkeit wirkt hier sogar noch ausgeprägter als im Duft. Besonders die Zitrusnoten entfalten sich schön und werden von einer an Grapefruit erinnernden Bittere begleitet. Bemerkenswert ist dabei das Mundgefühl. Für ein Pils wirkt das Bier ungewöhnlich voll und rund, ohne an Trinkbarkeit einzubüßen. Die Bittere bleibt stets freundlich und ausgewogen. Sie setzt klare Akzente, ohne jemals aggressiv zu werden. Im Abgang verabschiedet sich das Kellerpils mit einer zurückhaltenden, aber überraschend lang anhaltenden Bittere. Gerade dieser Nachhall sorgt dafür, dass man gerne zum nächsten Schluck greift.

Das Perlenzauber Kellerpils zeigt eindrucksvoll, wie spannend ein moderner Umgang mit dem klassischen Pils-Stil sein kann. Es verbindet die hohe Trinkbarkeit eines traditionellen Pils mit der Fruchtigkeit zeitgemäßer Aromahopfen. Herausgekommen ist ein Bier, das sowohl Pils-Liebhaber als auch Freunde hopfenbetonter Spezialitäten ansprechen dürfte.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz (Pilsener Malz, Cara Malz), Aromahopfen (Mandarina Bavaria, Chinook, Krush), Hefe

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Bittereinheiten:

31 IBU

Stammwürze:

11,5° Plato

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Kaiser Brauerei
Schubartstraße 24
73312 Geislingen
www.kaiser-brauerei.de

Deutschland verliert weiter an Hopfenfläche

Der deutsche Hopfenanbau steckt weiterhin in einer schwierigen Phase. Sinkender Bierkonsum, hohe Lagerbestände und fallende Preise setzen die Erzeuger zunehmend unter Druck. Die Folgen sind inzwischen deutlich sichtbar: Hopfenfelder werden gerodet, Familienbetriebe geben die Produktion auf und die Anbauflächen schrumpfen Jahr für Jahr.

Deutschland bleibt zwar mit Abstand der größte Hopfenproduzent der Welt. Mehr als ein Drittel des weltweit erzeugten Hopfens stammt aus deutschen Anbaugebieten. Dahinter folgen die USA sowie die Tschechische Republik. Traditionell versorgen diese Länder einen Großteil der internationalen Brauwirtschaft mit dem wichtigen Rohstoff.

Doch die Rahmenbedingungen haben sich verändert. Weltweit wird seit Jahren weniger Bier konsumiert. Dadurch sinkt auch der Bedarf an Hopfen. Die Folge sind hohe Lagerbestände und ein Überangebot auf dem Markt. Viele Hopfenpflanzer sehen sich gezwungen, ihre Ernte zu Preisen zu verkaufen, die teilweise unter den Produktionskosten liegen. Für zahlreiche Betriebe wird die wirtschaftliche Lage dadurch zunehmend kritisch. Als Konsequenz werden Anbauflächen reduziert oder ganze Betriebszweige aufgegeben.

Deutlicher Flächenrückgang setzt sich fort

Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung in Deutschland. Bereits zwischen 2023 und 2025 ging die deutsche Hopfenfläche um knapp zehn Prozent zurück. Nach aktuellen Zahlen des Verbands Deutscher Hopfenpflanzer setzt sich dieser Trend fort.

Für das Jahr 2026 wird ein weiterer Rückgang um 1.101 Hektar beziehungsweise 5,81 Prozent erwartet. Damit würde die gesamte deutsche Hopfenfläche auf rund 17.861 Hektar sinken. Besonders betroffen sind die traditionsreichen Sorten Perle, Hallertauer Tradition und Hallertauer Magnum. Allein diese drei Sorten machen den Großteil der aktuellen Flächenverluste aus. Vor allem bei den Aromahopfensorten Perle und Hallertauer Tradition kämpfen die Erzeuger bereits seit mehreren Jahren mit einer Überversorgung des Marktes.

Nun geraten auch Bitterhopfen unter Druck

Während die Probleme bei Aromahopfen bereits länger bekannt sind, wächst inzwischen die Sorge um die Bitterhopfensorten. Der Rückgang der Anbaufläche von Hallertauer Magnum konnte die Marktüberschüsse bislang offenbar nicht ausreichend reduzieren.

Zunehmend befürchten die Hopfenpflanzer deshalb, dass künftig auch die wichtige Bitterhopfensorte Herkules von Rodungen betroffen sein könnte. Zusätzlich verschärft wird die Situation durch den Wettbewerb mit amerikanischen Bitterhopfensorten, die auf dem Weltmarkt um dieselben Kunden konkurrieren.

Zahl der Hopfenbetriebe sinkt weiter

Nicht nur die Anbaufläche schrumpft. Auch die Zahl der Hopfenbaubetriebe geht kontinuierlich zurück. Der Hopfenanbau wird in Deutschland überwiegend von familiengeführten Betrieben getragen. Viele dieser Höfe stehen jedoch vor schwierigen wirtschaftlichen Entscheidungen.

Im Vergleich zum Vorjahr haben 62 Betriebe den Hopfenanbau vollständig aufgegeben. Für das Jahr 2026 verbleiben damit nur noch 904 Hopfenbaubetriebe in Deutschland.

Strukturwandel mit ungewissem Ausgang

Die aktuellen Zahlen zeigen deutlich, dass sich der Hopfenmarkt in einer Phase tiefgreifender Veränderungen befindet. Während Brauereien und Verbraucher von einem breiten Angebot profitieren, kämpfen viele Erzeuger ums wirtschaftliche Überleben.

Ob sich der Markt in den kommenden Jahren wieder stabilisiert, hängt maßgeblich von der Entwicklung des weltweiten Bierkonsums und dem Abbau der bestehenden Lagerbestände ab. Für viele Hopfenpflanzer wird die Zukunft jedoch schon heute auf den eigenen Feldern entschieden.

Quelle: Pressemitteilung des Verbands Deutscher Hopfenpflanzer e.V.

Biermaekers – Dikke Jan Quadruppel

Belgische Quadrupel sind nicht gerade für Zurückhaltung bekannt. Hoher Alkoholgehalt, intensive Malzaromen und eine gehörige Portion Komplexität gehören bei diesem Bierstil fast schon zum guten Ton. Der Dikke Jan Quadrupel aus dem flämischen Desselgem macht da keine Ausnahme. Mit 10,5 Prozent Alkohol bringt er genügend Kraft mit, um auch erfahrene Bierfreunde zu beschäftigen.

Im Glas präsentiert sich das Bier in einem klaren Kupferton. Darüber prangt ein leicht gelbstichiger Schaum, der allerdings nicht lange durchhält und sich recht schnell verabschiedet. Optisch wirkt das Bier dennoch einladend und macht neugierig auf den ersten Schluck.

Das Aroma ist ausgesprochen malzbetont. Dunkles Malz, Melasse und Karamell bestimmen den Duft. Dazu kommen Noten von Lakritz und Schwarzbrot, die dem Bier eine angenehme Tiefe verleihen. Bereits jetzt wird deutlich, dass hier die Malzseite das Sagen hat.

Der Antrunk beginnt erwartungsgemäß süß. Die sehr feinperlige Kohlensäure sorgt dabei für ein angenehmes Mundgefühl, wirkt aber dennoch kräftig genug, um dem Bier etwas Lebendigkeit zu verleihen. Im Körper zeigt sich der Dikke Jan von seiner samtigen Seite. Das Mundgefühl ist weich und voll, fast schon cremig. Geschmacklich dominieren weiterhin Melasse und Karamell. Die Süße bleibt während der gesamten Verkostung präsent und prägt den Charakter des Bieres deutlich. Zwar tritt eine freundliche Bittere hinzu, sie bleibt jedoch stets im Hintergrund und kann der ausgeprägten Süße kaum etwas entgegensetzen. Interessant ist auch der Alkohol. Trotz der grundsätzlich guten Einbindung macht er sich bemerkbar und sorgt für ein leichtes Brennen auf der Zunge. Das wirkt nicht störend, erinnert aber daran, dass hier ein durchaus kräftiges Starkbier im Glas steht. Der Abgang fällt mild aus. Die Süße klingt langsam aus, eine dezente Bittere bleibt zurück und der Alkohol sorgt für eine angenehme Wärme, die noch einige Zeit nach dem letzten Schluck spürbar bleibt.

Insgesamt hinterlässt der Dikke Jan Quadrupel einen zwiespältigen Eindruck. Wer süße, malzbetonte belgische Starkbiere liebt, wird hier viel Freude haben. Mir persönlich fehlt allerdings etwas mehr Gegengewicht zur Süße. Eine kräftigere Bittere hätte dem Bier zusätzliche Spannung und mehr Balance verliehen. Dennoch bietet es viele klassische Quadrupel-Eigenschaften und eignet sich hervorragend für einen ruhigen Abend, an dem man sich Zeit für sein Bier nimmt.

Der Dikke Jan Quadrupel überzeugt mit intensivem Malzcharakter, Noten von Melasse, Karamell und Lakritz sowie einem angenehm samtigen Mundgefühl. Die ausgeprägte Süße steht allerdings klar im Mittelpunkt und lässt der Bittere nur wenig Raum. Ein kräftiges belgisches Starkbier für Liebhaber der malzbetonten Seite des Bieruniversums.

Besonders gut passt der Dikke Jan Quadrupel zu kräftigem Hartkäse, Schmorgerichten, Wildragout oder einem Stück Nusskuchen. Auch Karamell- und Schokoladendesserts harmonieren hervorragend mit seinen süßen Malzaromen.

Alkoholgehalt:

10,5 % Vol.

Farbe:

28 EBC

Brauerei:

Brouwerij Biermaekers
Driemasten 126
8560 Gullegem
Belgien
www.dikkejan.eu

Zwischen Klimawandel, Humus und Japan: Hopfenpflanzer blicken in die Zukunft

Wer glaubt, das Leben eines Hopfenpflanzers bestehe hauptsächlich daraus, im Sommer idyllisch zwischen meterhohen Hopfengärten spazieren zu gehen und gelegentlich an einem frischen Bier zu nippen, der sollte einmal einen Blick auf die aktuelle Lage der Branche werfen. Steigende Kosten, politische Vorgaben, Wetterextreme und ein schwieriger Markt sorgen dafür, dass den Erzeugern des „grünen Goldes“ derzeit wenig zum gemütlichen Zurücklehnen bleibt.

Genau deshalb trafen sich im Spalter Anbaugebiet Vertreter des Hopfenpflanzerverbands Spalt, der HVG Spalt, des Hopfenrings sowie ein Gast aus Japan mit den Hopfenbauern der Siegelbezirke Spalt und Kinding. Ziel war es, gemeinsam über aktuelle Herausforderungen und zukünftige Chancen zu diskutieren.

Hopfen, Klima und jede Menge Humus

Einen Schwerpunkt bildete die neu gegründete „Arbeitsgruppe Hopfen für Natur, Klima, Energie“. Klingt zunächst etwas sperrig, beschäftigt sich aber mit Themen, die für die Zukunft des Hopfenanbaus entscheidend sein dürften.

Viele Betriebe setzen bereits heute Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit um. Nun sollen erfolgreiche Ideen stärker vernetzt, weiterentwickelt und sichtbar gemacht werden. Dazu gehört auch das bundesweite Modell- und Demonstrationsvorhaben zum Humusaufbau. Denn während Biertrinker vor allem über Hopfenaroma und Bittere diskutieren, beschäftigen sich Hopfenpflanzer zunehmend mit der Frage, wie sie ihre Böden widerstandsfähiger gegen Trockenheit und Wetterextreme machen können.

Dass Humus nicht nur etwas für Gartenfreunde ist, sondern ein wichtiger Baustein für die Zukunft der Landwirtschaft, wurde dabei deutlich herausgearbeitet.

Eine Zeitreise durch fast 500 Jahre Hopfengeschichte

Unter dem Motto „Tradition trifft Zukunft“ nahm Wolfgang Jank vom Hopfenpflanzerverband die Teilnehmer mit auf eine Reise durch die Geschichte des Spalter Hopfens.

Dabei wurde deutlich, dass Krisen für die Region keineswegs etwas Neues sind. Seit der Verleihung des weltweit ersten Hopfensiegels im Jahr 1538 hat der Hopfenanbau in Spalt schon so manches Hoch und Tief erlebt. Mal florierte das Geschäft, mal machten politische oder wirtschaftliche Entwicklungen den Betrieben das Leben schwer.

Die Botschaft der historischen Rückschau: Der Spalter Hopfen hat schon viele Herausforderungen überstanden – und könnte auch die aktuellen meistern.

Ein Blick nach Japan

Besonders spannend wurde es, als Sebastian Hohentanner von der Firma BET aus Tokio über seine Erfahrungen in Japan berichtete. Vor rund 15 Jahren zog es den Münchner in das Land der aufgehenden Sonne, wo er seither in der Brauwirtschaft tätig ist.

Überraschenderweise ähneln die Strukturen der japanischen Bierbranche den deutschen Verhältnissen stärker als man vermuten würde. Neben einigen großen Brauereien existiert dort eine lebendige Szene kleiner und mittelständischer Betriebe. Ein Unterschied fällt jedoch sofort ins Auge: Ausländische Braukonzerne spielen in Japan eine deutlich geringere Rolle.

Besonders interessant für die Spalter Hopfenpflanzer war Hohentanners Einschätzung zur Vermarktung. Seiner Ansicht nach gewinnen Herkunft, Identität und eine klare Markenbotschaft zunehmend an Bedeutung. Wer seinen Hopfen erfolgreich verkaufen möchte, muss nicht nur Qualität liefern, sondern auch eine Geschichte erzählen können.

Von Neuseeland lernen

Wie erfolgreich eine starke Herkunftsmarke sein kann, zeigte der Referent anhand von Beispielen aus den USA und Neuseeland. Dort haben sich bestimmte Hopfenregionen weltweit einen Namen gemacht und profitieren von einer klaren Positionierung ihrer Produkte.

Auch für den traditionsreichen Spalter Hopfen könnte darin eine Chance liegen. Denn während sich die Herausforderungen des Marktes nicht einfach wegdiskutieren lassen, bietet gerade die regionale Identität Möglichkeiten, sich von der internationalen Konkurrenz abzuheben.

Zukunft braucht Austausch

Die Veranstaltung machte deutlich, dass die Probleme der Hopfenbranche komplex sind. Gleichzeitig zeigte sie aber auch, dass viele Betriebe aktiv an Lösungen arbeiten. Von nachhaltiger Bodenbewirtschaftung über Klimaschutzmaßnahmen bis hin zu neuen Vermarktungsstrategien reicht die Palette der Ideen.

Eines wurde dabei besonders klar: Der Hopfenanbau steht zwar vor großen Herausforderungen, doch Aufgeben gehört nicht zum Selbstverständnis der Branche. Schließlich haben Generationen von Hopfenpflanzern gelernt, dass gutes Bier nicht nur Zeit braucht, sondern manchmal auch einen langen Atem.

Hinweis: Dieser Artikel wurde unter Verwendung von Material von MSN erstellt.