Kraftpaule – alkoholfreies Lager

Alkoholfreie Biere haben es nicht leicht. Zu oft sind sie entweder zu süß, zu dünn oder schlicht zu brav. Umso spannender ist es, wenn ein Vertreter aus der Craft-Ecke zeigt, dass es auch anders geht.

Optisch macht das alkoholfreie Lager von Kraftpaule einen überzeugenden ersten Eindruck. Hell im Glas, mit einer leichten Hefetrübung und einer stabilen, feinporigen weißen Schaumkrone, die erstaunlich lange durchhält. Das wirkt frisch und einladend – genau so, wie man es sich von einem Lager wünscht.

In der Nase zeigt sich das Bier überraschend vielschichtig. Helle Malznoten treffen auf eine fruchtige Komponente, die an Birne erinnert, begleitet von einem Hauch Brot und floralen Nuancen. Ein Aromenspiel, das deutlich mehr verspricht als die meisten alkoholfreien Vertreter.

Der Antrunk ist spritzig und lebendig, mit einer leichten Süße, die das Bier zugänglich macht, ohne ins Kitschige abzurutschen. Im Körper bleibt das Lager angenehm weich und malzbetont, mit einer gut eingebundenen Bittere, die von fruchtigen Noten begleitet wird. Hier zeigt sich, dass alkoholfrei nicht automatisch charakterarm bedeuten muss.

Im Abgang wird das Bier trockener, die Bittere tritt etwas deutlicher hervor und bleibt erstaunlich lange präsent. Ein Finish, das dem Bier Struktur gibt und es klar von vielen weichgespülten Alternativen abhebt.

Unterm Strich ist das alkoholfreie Lager von Kraftpaule ein ungewöhnlicher, aber gelungener Vertreter seiner Kategorie. Kein Ersatz, sondern ein eigenständiges Bier mit Charakter – und genau das macht es so angenehm.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Farbe:

5 EBC

Brauerei:

Kraftpaule GmbH
Neckarstr. 132
70190 Stuttgart
www.kraftpaule.de

Insolvenz trotz Innovation: Uni-Brauerei Lohrmanns kämpft um die Zukunft

Die deutsche Braubranche steht unter Druck. Sinkender Bierkonsum, steigende Kosten und ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld setzen immer mehr Betrieben zu. Jüngstes Beispiel: die Uni-Brauerei Lohrmanns aus Dresden, die Mitte April Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt hat.

Was besonders auffällt: Lohrmanns galt lange als Vorzeigeprojekt. 2019 als innovatives Start-up aus dem Umfeld der TU Dresden gegründet, verband die Brauerei moderne Braukonzepte mit wissenschaftlichem Anspruch. Wachstum, neue Ideen und Expansion schienen lange Zeit die Richtung vorzugeben.

Doch die Realität hat das Unternehmen eingeholt. Hohe Investitionen in Brauanlage und Gastronomie, Verzögerungen beim Bau, die Folgen der Pandemie sowie gestiegene Energie- und Rohstoffkosten haben die finanzielle Situation zunehmend belastet. Am Ende war die Summe dieser Faktoren zu groß.

Sanierung statt Stillstand

Trotz des Insolvenzantrags bedeutet die Situation nicht das Aus. Der Betrieb läuft weiter, sowohl die Brauerei als auch die Gastronomie – unter anderem auf der Brühlschen Terrasse – bleiben geöffnet. Veranstaltungen finden weiterhin statt, und auch die Löhne der Mitarbeiter sind vorerst gesichert.

Das Ziel ist klar: eine Sanierung in Eigenverwaltung. Konkret soll die Kostenstruktur an die tatsächlichen Einnahmen angepasst und das Unternehmen operativ stabilisiert werden. In einem weiteren Schritt ist eine Entschuldung über einen Insolvenzplan vorgesehen. Begleitet wird der Prozess von Jörg Schädlich, der als vorläufiger Sachwalter eingesetzt wurde. Die Geschäftsführung bleibt hingegen weiterhin handlungsfähig – ein typisches Merkmal dieser Form der Sanierung.

Zwischen Krise und Neustart

Noch vor wenigen Monaten hatte Geschäftsführer Francisco Arroyo-Escobar optimistisch in die Zukunft geblickt. Umso drastischer wirkt nun die Kehrtwende. Gleichzeitig zeigt sich das Unternehmen kämpferisch: Neue alkoholfreie Biere sind bereits in Planung und sollen noch im laufenden Jahr auf den Markt kommen.

Auch Mitgründer Thomas Henle betont das Potenzial der Brauerei. Die Sanierung sei eine Chance, Lohrmanns effizienter und zukunftsfähiger aufzustellen. Ein Neustart statt eines Endes – zumindest aus Sicht der Verantwortlichen.

Ein Symptom für die Branche

Der Fall Lohrmanns ist kein Einzelfall. Bereits zuvor hatten unter anderem die Mauritius-Brauerei in Zwickau und die Hamburger Landgang-Brauerei Insolvenz angemeldet. Die Gründe ähneln sich: steigende Kosten, verändertes Konsumverhalten und wachsender Wettbewerbsdruck.

Besonders betroffen sind junge und innovative Projekte, die oft mit hohen Anfangsinvestitionen arbeiten und stärker auf Wachstum angewiesen sind. Gleichzeitig zeigt sich, wie fragil selbst vielversprechende Konzepte in einem angespannten Marktumfeld sein können. Wie es für Lohrmanns weitergeht, ist noch offen. Klar ist jedoch: Die kommenden Monate werden entscheidend dafür sein, ob aus der aktuellen Krise tatsächlich ein tragfähiger Neuanfang entsteht.

Brasserie du Dauphine –

Die Brasserie du Dauphiné ist ein schönes Beispiel dafür, was passiert, wenn Leidenschaft auf Heimatverbundenheit trifft. Gegründet im Jahr 2002, entstand die Brauerei aus dem Wunsch heraus, die Brautradition der Region Dauphiné nicht nur zu bewahren, sondern neu zu beleben.

Ihr Standort könnte passender kaum sein: In Seyssins, am Rand des Vercors-Naturparks und nur wenige Minuten von Grenoble entfernt, entstanden die ersten Rezepte. Eine Umgebung, die nicht nur landschaftlich beeindruckt, sondern auch die Grundlage für das liefert, was in den Sudkesseln landet – allen voran klares Alpenwasser.

Der Anspruch der Brauerei ist dabei bewusst klassisch formuliert: hochwertige Biere mit Charakter, gebraut nach traditionellen Methoden und mit sorgfältig ausgewählten Rohstoffen. Ein besonderer Fokus liegt auf regionalen Zutaten aus dem Dauphiné, die den Bieren eine eigene Identität verleihen.

Bekannt ist die Brasserie du Dauphiné vor allem für ihre Marken Mandrin und Face Nord. Beide stehen für unterschiedliche Interpretationen handwerklicher Braukunst, haben aber eines gemeinsam: Sie setzen auf Geschmack statt Effekthascherei. Dabei geht es der Brauerei nicht nur um Technik oder Tradition, sondern vor allem um Genuss. Die Biere sollen nicht nur gut sein, sondern Freude bereiten – ein Anspruch, der sich durch das gesamte Sortiment zieht. Auf diese Weise verbindet die Brasserie du Dauphiné regionale Wurzeln mit handwerklichem Anspruch und zeigt, dass große Biermomente nicht immer aus großen Brauereien kommen müssen.

Manche Biere wollen hoch hinaus. Das Face Nord le Sommet de l’IPA von der Brasserie du Dauphiné, das ich von meinem letzten Aufenthalt in Lyon mitgebracht habe, macht daraus gleich ein Konzept. Gebraut in Saint-Martin-d’Hères in der französischen Region Isère, verspricht dieses Bier alpinen Charakter.

Optisch zeigt sich das Bier kristallklar in einem klaren, goldblonden Farbton mit einer ausgeprägten, stabilen weißen Schaumkrone. Ein klassischer Auftritt, der wenig Experimente vermuten lässt – aber genau das macht neugierig auf den ersten Eindruck.

In der Nase dominieren fruchtige und florale Aromen. Zitrusnoten stehen im Vordergrund, begleitet von einer leichten Süße, die an Müsli erinnert, an Ananas und Honig. Das wirkt einladend und unkompliziert, ohne dabei banal zu sein.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine zurückhaltende Süße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure aus, die allerdings etwas knapp dosiert ist. Am Gaumen bestätigt sich der positive und elegante Eindruck. Das Bier präsentiert sich weich und seidig – ein Mundgefühl, das durch den Einsatz von Hafer zusätzlich unterstützt wird. Fruchtige Noten von Orange, Zitrone und einem Hauch Pfirsich verbinden sich mit floralen Akzenten zu einem harmonischen Gesamtbild. Obwohl das Bier mit nur 32 IBU daherkommt, ist die Bittere sehr präsent. Sie setzt im richtigen Moment ein, begleitet den Geschmack und führt in einen überraschend langen, trockenen und dabei sanften Abgang. Hier zeigt sich die Stärke des Bieres: Es will nicht beeindrucken, sondern überzeugen.

Trotz der Bezeichnung als IPA bleibt das „Le Sommet de l’IPA“ erstaunlich zugänglich. Kein Hopfenhammer, sondern ein ausgewogenes, erfrischendes Bier, das sowohl Einsteiger als auch erfahrene Genießer abholt. Mit 5,8 Prozent Alkohol bewegt es sich zudem in einem Bereich, der Genuss ohne große Hürden erlaubt. Unterm Strich ist dieses Bier weniger Gipfelsturm als Panoramawanderung. Kein extremes Erlebnis, aber eines, das man gerne wiederholt – entspannt, aromatisch und mit einer klaren Handschrift.

Alkoholgehalt:

5,8 % Vol.

Bittereinheiten:

32 IBU

Farbe:

8 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

5° – 8° Celsius

Brauerei:

Brasserie Artisanale du Dauphiné
33, rue Champ Roman
38400 St Martin d’Hères
Frankreich
www.brasseriedudauphine.fr

Mehr Sichtbarkeit für den Süden: die EBCU unterstützt Greek Beer Awards

Während sich viele Bierwettbewerbe traditionell auf Mittel- und Nordeuropa konzentrieren, rückt nun eine andere Region stärker in den Fokus: Südost- und Osteuropa sowie der Mittelmeerraum. Die European Beer Consumers Union (EBCU) hat offiziell ihre Unterstützung für die Greek Beer Awards bekannt gegeben – ein Wettbewerb, der genau dort ansetzt, wo bisher oft Aufmerksamkeit fehlte.

Die Entscheidung wurde auf der 73. Delegiertenversammlung der EBCU im April 2026 in Rom getroffen und gilt als klares Signal: Die Bierkultur Europas endet nicht an den klassischen Grenzen der bekannten Braunationen.

Ein Wettbewerb mit Entwicklungspotenzial

Die Greek Beer Awards wurden 2017 von Nicola Radisis gemeinsam mit BeerBartender ins Leben gerufen und bauen auf einer Tradition von Auszeichnungen auf, die bis ins Jahr 2014 zurückreicht. Inzwischen hat sich der Wettbewerb zur wichtigsten Plattform seiner Region entwickelt.

Mit aktuell dreizehn Kategorien deckt er eine breite Stilvielfalt ab und setzt bewusst auf internationale Juroren. Ziel ist eine möglichst objektive und transparente Bewertung – ein Anspruch, der auch für die EBCU entscheidend ist.

Eine Region holt auf

Gerade in Südosteuropa und rund um das Mittelmeer wächst die Brauszene dynamisch. Neue Brauereien entstehen, traditionelle Stile werden neu interpretiert, und die Qualität steigt spürbar. Gleichzeitig fehlt es vielen Betrieben an Möglichkeiten, sich auf international anerkannten Bühnen zu messen.

Genau hier setzen die Greek Beer Awards an. Sie bieten eine Plattform, auf der sich Brauereien vergleichen, weiterentwickeln und sichtbar werden können – ein wichtiger Schritt für eine Region, die im europäischen Bierdiskurs lange unterrepräsentiert war.

Anerkennung durch die EBCU

Für die EBCU ist die Unterstützung mehr als ein formaler Akt. Sie unterstreicht die Bedeutung unabhängiger Bewertungssysteme und die Förderung von Bierkultur jenseits etablierter Märkte.

Der Vorsitzende der EBCU, André Brunnsberg, bringt es auf den Punkt: „Die Greek Beer Awards verschaffen einer Region Anerkennung, die in der europäischen Bierlandschaft oft übersehen wird. Besonders hervorzuheben ist dabei der offene und transparente Ansatz des Wettbewerbs, der sich eng an den Qualitätsmaßstäben der EBCU orientiert.“

Ein Blick nach vorne

Mit der Unterstützung durch die EBCU gewinnen die Greek Beer Awards weiter an Gewicht – und könnten langfristig eine noch wichtigere Rolle im europäischen Wettbewerbsgeschehen spielen.

Für Brauereien der Region bedeutet das vor allem eines: mehr Sichtbarkeit, mehr Vergleichsmöglichkeiten und eine stärkere Einbindung in den internationalen Biermarkt.

Kurz gesagt: Europas Bierkarte wird gerade neu gezeichnet – und der Süden bekommt endlich den Platz, den er verdient.

Erdinger Dunkel

Viele Biere haben eine Geschichte, so auch das Erdinger Dunkel, das jetzt vor mir steht. Es hat sogar einen durchaus persönlichen Ursprung: Entwickelt wurde es 1989 als Geschenk zum 50. Geburtstag von Inhaber Werner Brombach. Offenbar ein Geschenk, das so gut ankam, dass es ein Jahr später seinen Weg auf den Markt fand – sehr zur Freude aller, die dunkle Weißbiere zu schätzen wissen.

Optisch macht das Bier sofort klar, wohin die Reise geht: tief dunkel glänzend im Glas, gekrönt von einem hellbraunen, cremigen, stabilen Schaum. Ein Auftritt, der eher an gemütliche Abende als an sommerliche Terrassen erinnert.

In der Nase dominieren röstige Aromen, begleitet von Noten dunkler Schokolade und Karamell. Dahinter versteckt sich eine dezente Fruchtigkeit, die an Pflaume erinnert und dem Bier eine zusätzliche Dimension verleiht. Nichts Lautes, aber genug, um neugierig auf den ersten Schluck zu machen.

Der Antrunk bestätigt diesen Eindruck eindrucksvoll. Eine leichte Süße verleiht dem Bier zusammen mit der Kohlensäure eine verführerische Spritzigkeit. Die dunklen Weizen- und Gerstenmalze liefern einen vielschichtigen Einstieg. Die obergärige Hefe sorgt für den klassischen Weißbier-Charakter, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen. Im weiteren Verlauf zeigt sich das Erdinger Dunkel erstaunlich ausgewogen. Malzige Noten, die an frisches Bauernbrot erinnern, treffen auf eine dezente Süße und einen feinen nussigen Unterton. Die Bittere bleibt stiltypisch zurückhaltend, setzt aber genau dort an, wo sie gebraucht wird, um dem Bier Struktur zu geben. Das Mundgefühl ist vollmundig und rund, ohne schwer zu wirken. Genau hier liegt eine der größten Stärken dieses Bieres: Es wirkt kräftig, bleibt aber gleichzeitig angenehm süffig. Der Abgang ist erfrischend, leicht trocken und klingt lange nach – ein Finale, das Lust auf den nächsten Schluck macht.

Unterm Strich ist das Erdinger Dunkel ein klassisches Beispiel dafür, wie viel Charakter in einem traditionellen Stil stecken kann. Kein Experiment, kein Trendprodukt – sondern ein durchdachtes, ausgewogenes Bier, das einfach funktioniert. Oder anders gesagt: Ein Dunkles, das man nicht nur probiert, sondern gerne austrinkt.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Gerstenröstmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,3 % Vol.

Stammwürzegehalt:

12,8° Plato

Bittereinheiten:

14 IBU

Brauerei:

Privatbrauerei Erdinger Weißbräu
Werner Brombach GmbH
Lange Zeile 1 + 3
85435 Erding
www.erdinger.de

Mehr Qualität im Glas: EBCU startet europäisches Förderprogramm für Bierausbildung

Gutes Bier zu brauen ist das eine – es zu verstehen und kompetent zu bewerten, das andere. Genau hier setzt die European Beer Consumers Union (EBCU) an und bringt mit einem neuen Programm mehr Struktur in die europäische Bierbildung.

Auf der 73. Delegiertenversammlung in Rom im April 2026 wurde das sogenannte „Endorsed Beer Education Programm“ offiziell beschlossen. Seitdem können sich Ausbildungsprogramme aus ganz Europa um eine Empfehlung bewerben – unabhängig davon, ob sie Teil der EBCU sind oder nicht.

Worum es geht

Das Programm richtet sich an Ausbildungsangebote für Bierprofis und ambitionierte Experten. Dazu zählen unter anderem Biersommelier-Kurse, Schulungen für Verkoster bei Bierwettbewerben, sensorische Trainings sowie vertiefende Kurse zu Bierstilen und Bierkultur.

Wichtig dabei: Ziel ist nicht die Einführung eines einheitlichen europäischen Standards. Stattdessen möchte die EBCU Programme sichtbar machen, die bestimmte Qualitätskriterien erfüllen – unabhängig von Herkunft oder Ausrichtung. Wer empfohlen wird, landet auf der offiziellen EBCU-Website und erhält damit eine Art Qualitätssiegel.

Die Kriterien im Überblick

Die Bewertung basiert auf drei zentralen Punkten. Erstens die Unabhängigkeit: Ein Programm darf nicht von einzelnen Brauereien oder kommerziellen Interessen gesteuert werden. Zweitens die Bildungsqualität: Ein klar strukturierter Lehrplan, qualifizierte Dozenten und ein nachvollziehbares Prüfungsverfahren sind Pflicht. Drittens spielt auch die Verantwortung gegenüber dem Verbraucher eine Rolle. Themen wie bewusster Konsum sowie der richtige Umgang mit Bier müssen Bestandteil der Ausbildung sein.

Ein Vorteil für Bewerber: Für die Empfehlung wird keine Gebühr erhoben.

Hintergrund der Initiative

Die Idee stammt von Simone Monetti von Unionbirrai, die eine stärkere formale Unterstützung für Bierbildungsprogramme angeregt hat. Die EBCU knüpft damit an ein bestehendes Konzept an: Bereits seit 2011 unterstützt der Verband ausgewählte Bierwettbewerbe nach klar definierten Kriterien. Dieses Modell wird nun auf den Bildungsbereich übertragen.

Die zuständige Arbeitsgruppe hat dafür einen erweiterten Auftrag erhalten und ein detailliertes Prüfverfahren entwickelt, das Transparenz und Vergleichbarkeit gewährleisten soll.

So funktioniert die Bewerbung

Organisationen, die ihr Programm einreichen möchten, müssen eine Beschreibung des Kurses, den Lehrplan, Informationen zum Lehrkörper sowie Details zum Prüfungsprozess einreichen. Auf Basis dieser Unterlagen erfolgt die Bewertung.

Alle weiteren Informationen zu Teilnahmebedingungen und Ablauf stellt die EBCU auf ihrer Website bereit.

Was bedeutet das für die Branche?

Das neue Programm könnte langfristig dazu beitragen, die Qualität von Bierausbildungen europaweit sichtbarer zu machen – ohne dabei die Vielfalt einzuschränken. Für Teilnehmer wird es einfacher, hochwertige Angebote zu erkennen, während Anbieter eine zusätzliche Möglichkeit erhalten, ihre Qualität nach außen zu zeigen. Also: Mehr Orientierung für alle, die Bier nicht nur trinken, sondern wirklich verstehen wollen.

400 Brauereien in Belgien: Wachstum mit Erklärungsbedarf

Belgien bleibt ein Land der Biervielfalt – und setzt dabei ein weiteres Ausrufezeichen. Der belgische Bierkonsumentenverband Zythos vzw hat kürzlich die 400. Brauerei registriert. Diese Marke erreichte das Brüsseler Unternehmen DrinkDrink!, das den Schritt von einer reinen Bierfirma hin zur eigenen Brauerei vollzogen hat.

Doch so beeindruckend die Zahl klingt, so komplex ist ihre Bedeutung. Denn in Belgien darf grundsätzlich jeder, der Bier auf den Markt bringt, sich „Brauerei“ nennen – unabhängig davon, ob tatsächlich selbst gebraut wird. Für Verbraucher ist daher oft nicht auf den ersten Blick erkennbar, wer hinter einem Bier wirklich steht.

Klare Kriterien für mehr Transparenz

Um hier für Klarheit zu sorgen, hat Zythos eigene Kriterien definiert. Eine Brauerei im engeren Sinne muss über eine offiziell anerkannte Brauanlage verfügen, alle gesetzlichen Anforderungen erfüllen und unter anderem bei den Behörden registriert sein. Dazu gehören eine korrekte steuerliche Anmeldung, ein gültiges Akzisenkonto für die Bierproduktion sowie die notwendigen Genehmigungen durch die Lebensmittelaufsicht.

Entscheidend ist zudem, dass die Anlage auch tatsächlich genutzt wird. Allerdings muss eine Brauerei nicht zwingend alle ihre Biere selbst herstellen. Es ist durchaus üblich, Teile der Produktion – etwa bei Engpässen oder beim Abfüllen – auszulagern.

Bierfirma ist nicht gleich Brauerei

Dem gegenüber steht die Kategorie der Bierfirma. Diese Unternehmen bringen eigene Biere auf den Markt, verfügen jedoch nicht über eine eigene Brauanlage und lassen ihre Produkte extern herstellen. Auch hier setzt Zythos klare Maßstäbe: Die Biere müssen eigenständig entwickelt sein, die Firma muss als rechtliche Einheit auftreten und die Vermarktung eigener Biere muss im Mittelpunkt stehen.

Darüber hinaus muss transparent sein, in welchen Brauereien die Biere produziert werden. Reine „Etikettenbiere“, also umgelabelte Standardprodukte, fallen nicht unter diese Definition.

Vielfalt bleibt das Markenzeichen

Neben Brauereien und Bierfirmen gibt es in Belgien weitere klar umrissene Kategorien. Lambikbrauer etwa stellen traditionelle Lambikbiere her und verarbeiten diese zu Geuze, während sogenannte Blender Bier oder Lambik einkaufen und daraus eigene Kreationen komponieren.

Insgesamt kommt Belgien damit auf rund 700 offizielle Bierproduzenten – eine beeindruckende Zahl, die die Vielfalt und Kreativität der Szene unterstreicht.

Kurz gesagt: Die Zahl der Brauereien wächst – und mit ihr die Vielfalt. Doch wer genau hinter einem Bier steckt, wird immer mehr zur spannenden Frage.

Duvel – Duvel Tripel Hop Citra

Wenn eine Traditionsbrauerei plötzlich experimentierfreudig wird, lohnt sich ein genauer Blick ins Glas. Genau das passiert seit 2010 bei Duvel Moortgat, wo die Braumeister Jahr für Jahr neue Varianten ihres Tripel Hop entwickeln. Ziel ist es, klassische belgische Braukunst mit modernen Hopfenprofilen zu verbinden – und dabei immer wieder neue Geschmackserlebnisse zu schaffen.

Eine besonders spannende Ausgabe dieser Reihe ist das Duvel Tripel Hop Citra aus dem Jahr 2017. Hier trifft das klassische Tripel auf eine ausgeprägte Hopfenaromatik, die man sonst eher aus der Craft-Beer-Szene kennt. Das Ergebnis ist ein Bier, das Tradition und Moderne erstaunlich mühelos miteinander vereint.

Im Glas zeigt sich das Bier kristallklar und in einem hellgoldenen Farbton, gekrönt von einer stabilen schneeweißen Schaumkrone, die recht lange erhalten bleibt.

Bereits beim ersten Schnuppern wird klar, wohin die Reise geht: Frische, fruchtige Aromen dominieren das Bouquet. Zitrusnoten, tropische Früchte, Honig und eine dezente, süßmalzige Komponente sorgen für einen einladenden ersten Eindruck.

Der erste Eindruck beim Antrunk besteht aus einer angenehmen Spritzigkeit und fruchtigen Süße, die aber keinesfalls aufdringlich wird. Am Gaumen setzt sich dieses Bild fort – allerdings mit mehr Tiefe. Zitrus, Grapefruit und Stachelbeere treffen auf exotische Fruchtnoten und werden von einer feinen Honigsüße getragen. Dazu kommen die typischen belgischen Hefearomen, die dem Bier seine charakteristische Komplexität verleihen. Die verwendeten Hopfensorten Saaz, Styrian Golding und Citra sorgen für eine ausgewogene Bittere und ein klares, aromatisches Profil. Das Mundgefühl ist voll, bleibt dabei aber frisch. Der Alkohol ist sehr gut eingearbeitet und unterstützt die anderen Aromen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. In der Kehle wird das Bier trockener, die Bittere wird kräftiger und auch fruchtiger. Der Geschmack klingt sehr lange nach.

Unterm Strich ist das Duvel Tripel Hop Citra ein gelungenes Beispiel dafür, wie klassische Bierstile durch gezielten Hopfeneinsatz neu interpretiert werden können. Oder anders gesagt: Ein belgisches Tripel, das gelernt hat, ein bisschen lauter zu sprechen – ohne seine Wurzeln zu vergessen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Glukosesirup, Hopfen (Saazer, Styrian Golding, Citra), Hopfenextrakt, Hefe

Alkoholgehalt:

9,5 % Vol.

Bittereinheiten:

40 IBU

Farbe:

5 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

5° – 8° Celsius

Brauerei:

Duvel Moortgat
Breendonk-Dorp 58
2870 Puurs
Belgien
www.duvel.com

Wandern mit „Glust“: Biergenuss im Oberpfälzer Wald

Im Oberpfälzer Wald wissen die Menschen, was Genuss bedeutet. „An Glust ham“ nennen es die Einheimischen, wenn der Appetit besonders groß ist – und genau diesen Appetit stillt die Region auf bemerkenswert vielfältige Weise. Denn hier verbindet sich das Wandern durch eine eindrucksvolle Landschaft ganz selbstverständlich mit der Einkehr in traditionsreiche Wirtshäuser. Eine Kombination, die nicht nur Einheimische zu schätzen wissen, sondern immer mehr Besucher anzieht.

Ein besonders schönes Beispiel ist die Tour „Biergenuss am Wasser entlang“. Auf rund 38 Kilometern führt die Strecke – je nach Kondition in ein oder zwei Etappen – zwischen zwei Brauereigasthöfen hin und her: dem Brauereigasthof Jacob und dem Brauereigasthof Jakob. Unterwegs begleiten das idyllische Regenttal und der Hammersee die Wanderer – eine Kulisse, die fast schon verdächtig gut zum nächsten Bier passt.

Wer noch tiefer in die regionale Bierkultur eintauchen möchte, sollte sich die Zoiglwanderung auf dem Goldsteig vormerken. Rund 48 Kilometer lang folgt die Route dem sechszackigen Zoiglstern, dem traditionellen Symbol der Brauer. Die Strecke lässt sich entspannt in zwei bis drei Etappen aufteilen – nicht zuletzt, weil man unterwegs immer wieder einkehren möchte. Zoiglbier und eine zünftige Brotzeit gehören hier schließlich genauso dazu wie die Landschaft selbst. Highlights wie die Muckenthaler Teichpfanne oder das Waldnaabtal sorgen zusätzlich dafür, dass der Blick nicht nur ins Glas, sondern auch in die Natur wandert.

Für alle, die es etwas kompakter mögen, bietet sich die Genusswanderung rund um Waldsassen an. Auf knapp zehn Kilometern verbindet sich hier barocke Architektur mit regionaler Küche. Als ausgezeichneter „Bayerischer Genussort“ überzeugt Waldsassen nicht nur mit seiner imposanten Kulisse, sondern auch mit einer Gastronomie, die bewusst auf saisonale und lokale Produkte setzt. So lässt sich etwa direkt neben der Dreifaltigkeitskirche Kappl ein Burger oder Braten vom Angusrind aus eigener Aufzucht genießen – ein kulinarischer Abschluss, der den Begriff „Glust“ endgültig erklärt.

Wer seine eigene Genussreise planen möchte, findet mit dem Natur-Navi eine praktische Unterstützung. Die digitale Wanderkarte des Oberpfälzer Waldes hilft dabei, Touren individuell zusammenzustellen, Sehenswürdigkeiten zu entdecken und Einkehrmöglichkeiten gezielt auszuwählen.

Das schwarze Huhn

Manchmal beginnt ein Bier nicht im Sudkessel, sondern in der Landschaft. Im Fall der Braumanufaktur Grasdorf, einige Kilometer südlich von Hildesheim gelegen, ist es das Innerstetal, das den Ton angibt. Das Dorf Grasdorf ist seit jeher eng mit dem Fluss Innerste verbunden – einem Gewässer, das nicht nur die Mühle antreibt, sondern auch das Leben der Menschen geprägt hat. Zwischen Oheberg und Barenberg angesiedelt, eingebettet in Wälder und durchzogen von Geschichten, ist Grasdorf ein Ort, an dem Gemeinschaft nicht nur ein Wort, sondern gelebte Realität ist.

Diese Gemeinschaft war es auch, die 2007 den Anstoß gab, die Zukunft des Dorfes aktiv zu gestalten. Aus Ideen wurde ein Plan, aus einem Plan ein Fest – und aus einem Fest schließlich ein Bier. Was zunächst mit 20 Litern unter Anleitung eines Braumeisters begann, entwickelte sich schnell zu einem ernstzunehmenden Projekt. Bereits zum Dorffest floss eine selbst gebraute Menge von 300 Litern aus einer größtenteils eigenhändig konstruierten Anlage. Der Erfolg war so überzeugend, dass aus einer spontanen Idee eine dauerhafte Leidenschaft wurde.

Der Name des Bieres ist dabei alles andere als zufällig gewählt. Inspiriert von Wilhelm Raabes Novelle Die Innerste trägt es die Legende vom „schwarzen Huhn“ in sich – eine düstere, fast mystische Geschichte über den Fluss, der fordert, was ihm zusteht. Ein Name, der nicht nur Aufmerksamkeit erzeugt, sondern auch perfekt zur Herkunft passt: rau, eigenwillig und tief verwurzelt in der Region.

Und damit zum eigentlichen Protagonisten: dem Bier selbst. Das „Das schwarze Huhn“ präsentiert sich bernsteinfarben und hefetrüb im Glas. Der Schaum hält sich eher zurück – ein stiller Auftritt, der den Fokus schnell auf das Wesentliche lenkt. In der Nase zeigt sich sofort eine angenehme Karamellnote, begleitet von einer feinen, leicht säuerlichen Fruchtigkeit, die an Apfel erinnert.

Der Antrunk bestätigt diesen ersten Eindruck. Karamellige Süße trifft auf eine angenehm feinperlige Kohlensäure, die das Bier lebendig, aber nicht aufdringlich wirken lässt. Im Körper zeigt sich das „schwarze Huhn“ ausgewogen: Die Süße bleibt dezent, die fruchtige Säure tritt etwas deutlicher hervor und verleiht dem Bier eine interessante Tiefe. Die Bittere hält sich dabei bewusst im Hintergrund und überlässt den anderen Aromen die Bühne. Im Abgang verändert sich das Bild. Das Bier wird trockener, die Bittere gewinnt an Präsenz und verbindet sich mit der fruchtigen Komponente zu einem harmonischen Finale. Der Nachklang ist lang und bleibt im Gedächtnis – genau so, wie man es sich von einem charakterstarken Bier wünscht.

Zu dieser Rezension möchte ich noch einige Worte verlieren. Die Gruppe besteht im Prinzip aus Hobbybrauern, die ihr Bier größtenteils auf Straßenfesten verkaufen. So habe ich auch das hier besprochene Bier auf dem Schmeckfest in Hildesheim gekauft. Dabei wurde mir erzählt, dass die Gruppe gerade eine neue Anlage gekauft haben und sich beim Brauen des Bieres noch in der Einarbeitung befanden. Deshalb sei bei diesem Sud auch die geschmackliche Tiefe nicht wie gewohnt. Der Unterschied fiel mir auch bereits beim Einschenken auf -normalerweise ist das Schwarze Huhn dunkler, erinnert farblich eher an ein hefetrübes Altbier. Und das schlägt sich selbstverständlich auch im Geschmack nieder. Normalerweise sind die Röstaromen präsenter, hier habe sie aber Karamelltönen Platz gemacht. Ich vermute daher, dass das hier von mir beschriebene Bier nicht so ist, wie es die Grasdorfer brauen wollten. Aber auch wenn hier durchaus Luft nach oben ist, hat mir das Bier gefallen. Ich hätte mir lediglich einen kräftigeren roten Malzkörper gewünscht, der die Karamellnoten mehr in den Vordergrund holt. Wenn dieses Bier regelmäßig gebraut würde, hätte das Schwarze Huhn auch einen roten Hahn als Gesellschaft und müsste nicht so einsam sein.

Insgesamt gilt: „Das schwarze Huhn“ ist kein lauter Vertreter seiner Zunft, sondern ein Bier mit leiser, aber nachhaltiger Wirkung. Eines, das nicht sofort alles preisgibt, sondern sich Schluck für Schluck erschließt. Oder anders gesagt: Ein Bier, das seine Geschichte nicht erzählt – sondern trinken lässt.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,8 % Vol.

Brauerei:

Schwarzes Huhn GbR
Am Thieberg 11
31188 Holle
www.schwarzeshuhn.de