Die Brasserie du Dauphiné ist ein schönes Beispiel dafür, was passiert, wenn Leidenschaft auf Heimatverbundenheit trifft. Gegründet im Jahr 2002, entstand die Brauerei aus dem Wunsch heraus, die Brautradition der Region Dauphiné nicht nur zu bewahren, sondern neu zu beleben.
Ihr Standort könnte passender kaum sein: In Seyssins, am Rand des Vercors-Naturparks und nur wenige Minuten von Grenoble entfernt, entstanden die ersten Rezepte. Eine Umgebung, die nicht nur landschaftlich beeindruckt, sondern auch die Grundlage für das liefert, was in den Sudkesseln landet – allen voran klares Alpenwasser.
Der Anspruch der Brauerei ist dabei bewusst klassisch formuliert: hochwertige Biere mit Charakter, gebraut nach traditionellen Methoden und mit sorgfältig ausgewählten Rohstoffen. Ein besonderer Fokus liegt auf regionalen Zutaten aus dem Dauphiné, die den Bieren eine eigene Identität verleihen.
Bekannt ist die Brasserie du Dauphiné vor allem für ihre Marken Mandrin und Face Nord. Beide stehen für unterschiedliche Interpretationen handwerklicher Braukunst, haben aber eines gemeinsam: Sie setzen auf Geschmack statt Effekthascherei. Dabei geht es der Brauerei nicht nur um Technik oder Tradition, sondern vor allem um Genuss. Die Biere sollen nicht nur gut sein, sondern Freude bereiten – ein Anspruch, der sich durch das gesamte Sortiment zieht. Auf diese Weise verbindet die Brasserie du Dauphiné regionale Wurzeln mit handwerklichem Anspruch und zeigt, dass große Biermomente nicht immer aus großen Brauereien kommen müssen.
Manche Biere wollen hoch hinaus. Das Face Nord le Sommet de l’IPA von der Brasserie du Dauphiné, das ich von meinem letzten Aufenthalt in Lyon mitgebracht habe, macht daraus gleich ein Konzept. Gebraut in Saint-Martin-d’Hères in der französischen Region Isère, verspricht dieses Bier alpinen Charakter.
Optisch zeigt sich das Bier kristallklar in einem klaren, goldblonden Farbton mit einer ausgeprägten, stabilen weißen Schaumkrone. Ein klassischer Auftritt, der wenig Experimente vermuten lässt – aber genau das macht neugierig auf den ersten Eindruck.
In der Nase dominieren fruchtige und florale Aromen. Zitrusnoten stehen im Vordergrund, begleitet von einer leichten Süße, die an Müsli erinnert, an Ananas und Honig. Das wirkt einladend und unkompliziert, ohne dabei banal zu sein.
Der Antrunk zeichnet sich durch eine zurückhaltende Süße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure aus, die allerdings etwas knapp dosiert ist. Am Gaumen bestätigt sich der positive und elegante Eindruck. Das Bier präsentiert sich weich und seidig – ein Mundgefühl, das durch den Einsatz von Hafer zusätzlich unterstützt wird. Fruchtige Noten von Orange, Zitrone und einem Hauch Pfirsich verbinden sich mit floralen Akzenten zu einem harmonischen Gesamtbild. Obwohl das Bier mit nur 32 IBU daherkommt, ist die Bittere sehr präsent. Sie setzt im richtigen Moment ein, begleitet den Geschmack und führt in einen überraschend langen, trockenen und dabei sanften Abgang. Hier zeigt sich die Stärke des Bieres: Es will nicht beeindrucken, sondern überzeugen.
Trotz der Bezeichnung als IPA bleibt das „Le Sommet de l’IPA“ erstaunlich zugänglich. Kein Hopfenhammer, sondern ein ausgewogenes, erfrischendes Bier, das sowohl Einsteiger als auch erfahrene Genießer abholt. Mit 5,8 Prozent Alkohol bewegt es sich zudem in einem Bereich, der Genuss ohne große Hürden erlaubt. Unterm Strich ist dieses Bier weniger Gipfelsturm als Panoramawanderung. Kein extremes Erlebnis, aber eines, das man gerne wiederholt – entspannt, aromatisch und mit einer klaren Handschrift.
Alkoholgehalt:
5,8 % Vol.
Bittereinheiten:
32 IBU
Farbe:
8 EBC
Empfohlene Genusstemperatur:
5° – 8° Celsius
Brauerei:
Brasserie Artisanale du Dauphiné
33, rue Champ Roman
38400 St Martin d’Hères
Frankreich
www.brasseriedudauphine.fr