Bierabsatz im freien Fall – nur wenige Lichtblicke zum Jahresstart 2026

Der Januar gilt ohnehin nicht als Hochsaison für Brauereien – doch der Start ins Jahr 2026 fiel besonders ernüchternd aus. Bundesweit wurde deutlich weniger Bier ausgeschenkt als im Vorjahresmonat. Der Rückgang liegt laut Statistischem Bundesamt bei kräftigen 11,9 Prozent. Ein Minus, das selbst für einen traditionell schwachen Monat bemerkenswert ist.

Während viele Regionen rote Zahlen schreiben, gibt es zumindest vereinzelt kleine Lichtblicke. Besonders im Südwesten fällt der Rückgang vergleichsweise moderat aus. Rheinland-Pfalz und das Saarland schaffen es sogar, sich leicht vom Negativtrend abzusetzen. Mit einem minimalen Plus von 0,3 Prozent beim Bierabsatz bewegen sich beide Bundesländer gegen den Strom – wenn auch nur mit angezogener Handbremse.

Ganz anders sieht es in Hessen aus. Dort erlebten Brauer und Gastronomen einen Januar zum Vergessen: Der Absatz brach um drastische 48,5 Prozent ein – nahezu eine Halbierung. Ein Ausreißer nach unten, der zeigt, wie unterschiedlich sich der Markt regional entwickeln kann.

An der Spitze der positiven Entwicklung steht Sachsen-Anhalt. Hier wurde im Januar deutlich mehr Bier ausgeschenkt als im Jahr zuvor – ein Zuwachs von 25,4 Prozent. Neben dieser Region gehört der Südwesten zu den wenigen, die überhaupt ein Wachstum verzeichnen konnten.

Auch bei den Biermischgetränken – etwa Radler oder Cola-Bier – zeigt sich ein rückläufiger Trend. Deutschlandweit ging der Absatz um 6,7 Prozent zurück. Rheinland-Pfalz und das Saarland schneiden zwar etwas besser ab als der Durchschnitt, müssen aber ebenfalls ein Minus von 3,7 Prozent hinnehmen.

In absoluten Zahlen ergibt sich dennoch ein kleines Plus: Im Januar 2026 wurden im Südwesten 283.074 Hektoliter Bier ausgeschenkt, im Jahr zuvor waren es 282.303 Hektoliter. Kein großer Sprung, aber immerhin einer in die richtige Richtung. Im bundesweiten Vergleich reicht das für einen Platz im soliden Mittelfeld – und sogar für einen höheren Pro-Kopf-Verbrauch als in größeren Regionen wie Hessen oder Berlin. An der Spitze bleibt erwartungsgemäß Bayern.

Interessant ist auch der Blick auf die Biermischgetränke: Hier belegt die Region Rheinland-Pfalz/Saarland den dritten Platz hinter Nordrhein-Westfalen und Bayern. Trotz rückläufiger Zahlen zeigt sich, dass diese Kategorie weiterhin eine feste Größe im Markt ist.

Dass Bier im Saarland und in Rheinland-Pfalz nach wie vor eine wichtige Rolle spielt, wird auch abseits der Statistik deutlich. So treffen sich Ende März gleich elf saarländische Brauereien in Neunkirchen zum ersten gemeinsamen Brauerfest. Neben bekannten Namen wie Karlsberg oder Bruch sind auch kleinere Betriebe vertreten. Rund 50 verschiedene Biere sollen dort ausgeschenkt werden – ein klares Zeichen dafür, dass die Vielfalt der Brauszene lebendig bleibt.

Unterm Strich zeigt sich: Der Biermarkt in Deutschland steht weiter unter Druck. Doch trotz rückläufiger Zahlen gibt es regionale Ausnahmen und engagierte Brauer, die beweisen, dass sich ein genauer Blick lohnt – gerade dann, wenn die Gesamtentwicklung wenig Anlass zum Anstoßen bietet.

Pfand spenden, Gutes tun: Wie eine Brauerei soziale Hilfe und Nachhaltigkeit verbindet

Manchmal reicht ein leerer Getränkebehälter, um etwas zu bewegen. In Österreich zeigt die Initiative „Ottakringer Pfandfinder“, wie aus Pfand ein sozialer Beitrag werden kann – und das mit erstaunlicher Wirkung.

Die Idee dahinter ist ebenso simpel wie wirkungsvoll: Leere Flaschen und Dosen werden nicht zurückgegeben, sondern gespendet. Der Erlös fließt an Die Tafel Österreich, die mit jedem Euro bis zu fünf Mahlzeiten für Menschen in Not bereitstellen kann. Ein kleiner Betrag mit großer Hebelwirkung – gerade in Zeiten, in denen immer mehr Menschen auf Unterstützung angewiesen sind.

Nach einem erfolgreichen Auftakt im Jahr 2025, bei dem Pfand im Wert von 10.000 Euro gesammelt wurde, geht die Aktion nun in die nächste Runde. Dahinter steht eine Kooperation aus Die Tafel Österreich, der Ottakringer Brauerei und dem Wien Energie Business Run. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, soziale Hilfe und ökologische Verantwortung miteinander zu verknüpfen.

Im Zentrum steht ein auffälliges, zwei Meter hohes Spendenherz, das bei Veranstaltungen und auf dem Gelände der Brauerei zum Einsatz kommt. Hier können Besucher ihre Pfandflaschen und -dosen einwerfen – ganz nach dem Motto „Spenden statt kübeln!“. So wird aus einem vermeintlichen Abfallprodukt ein Beitrag zur Kreislaufwirtschaft und gleichzeitig eine direkte Unterstützung für Bedürftige.

Alexandra Gruber, Geschäftsführerin von Die Tafel Österreich, bringt es auf den Punkt: „Jede gespendete Pfanddose und -flasche entfaltet eine doppelte Wirkung“. Sie erklärt weiter: „Sie trägt dazu bei, wertvolle Rohstoffe im Kreislauf zu halten – und ermöglicht gleichzeitig, dass wir noch mehr armutsbetroffene Menschen mit Lebensmitteln versorgen können. Angesichts der mehr als 400.000 Menschen in Österreich, die unter schwerer Ernährungsarmut leiden, ist das von unschätzbarem Wert.“

Auch große Veranstaltungen spielen eine wichtige Rolle. Beim Wien Energie Business Run etwa zeigte sich bereits im vergangenen Jahr, wie gut das Konzept funktioniert. Sportlicher Ehrgeiz trifft hier auf gesellschaftliches Engagement – und sorgt dafür, dass sich viele Menschen ganz nebenbei an der Aktion beteiligen.

Für Veranstalter Gerhard Wehr ist genau das der Kern des Ganzen: „Der Wien Energie Business Run versteht sich als aktive Plattform, um Unternehmen mit dem Charity-Gedanken zu vernetzen.“ Und weiter: „Wir wollen hier ganz bewusst als Brückenbauer fungieren und Partnern den Raum geben, ihre soziale Verantwortung mit sportlichem Teamgeist zu vereinen.“

Dass hinter der Initiative mehr als nur ein kurzfristiger Effekt steckt, zeigt ein Blick auf die Zahlen: 10.000 Euro an Pfandspenden entsprechen rund 50.000 Mahlzeiten. Ein Ergebnis, das verdeutlicht, wie viel durch niedrigschwellige Beteiligung erreicht werden kann.

Auch bei der Ottakringer Brauerei sieht man in dem Projekt einen wichtigen Beitrag über das eigentliche Kerngeschäft hinaus. Geschäftsführer Florian Hochebner erklärt: „Die Initiative Pfandfinder zeigt für uns auf eine sehr einfache, aber wirkungsvolle Art, wie viel man gemeinsam bewegen kann.“ Und ergänzt: „Für uns ist klar: Verantwortung hört nicht beim Produkt auf – sie beginnt genau dort, wo wir als Unternehmen etwas zurückgeben können.“

Spannend ist dabei der Blick über die Landesgrenzen hinaus. Denn das Konzept könnte durchaus auch in Deutschland Schule machen. Pfandsysteme sind hier etabliert, die Infrastruktur ist vorhanden – was fehlt, ist oft nur die Idee, sie gezielt für soziale Zwecke zu nutzen. Die „Pfandfinder“-Initiative liefert dafür ein überzeugendes Beispiel.

So zeigt sich: Manchmal braucht es keine großen Gesten, sondern nur eine leere Flasche zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Paulaner expandiert nach China – Partnerschaft mit Tsingtao soll Wachstum ankurbeln

Während viele Brauereien hierzulande mit rückläufigem Konsum kämpfen, richtet die Münchner Paulaner Brauerei Gruppe den Blick nach vorn – und vor allem nach Osten. Gemeinsam mit der chinesischen Traditionsbrauerei Tsingtao wurde nun eine langfristige Partnerschaft beschlossen, die den Zugang zu einem der wichtigsten Biermärkte der Welt weiter öffnen soll.

Kern der Zusammenarbeit ist der Export des „Münchner Hell“ nach China, wo es künftig exklusiv vertrieben wird. Gleichzeitig arbeiten beide Brauereien an einer neuen Lagerbiersorte, die gezielt für die Vorlieben der chinesischen Konsumenten entwickelt wurde. Ein Spagat zwischen bayerischer Brautradition und internationalem Geschmack – durchaus ambitioniert, aber offenbar gewollt.

Dass China für Paulaner kein Nebenprojekt ist, macht Geschäftsführer Jörg Biebernick deutlich: „China ist für uns ein strategisch wichtiger Markt“. Und er ergänzt: „Als größter Biermarkt der Welt bietet er erhebliches Potenzial für unsere internationale Wachstumsstrategie. Im Weißbiersegment sind wir bereits heute eine der führenden Marken im chinesischen Markt – mit klarem Anspruch, unsere Position weiter auszubauen. Mit Tsingtao haben wir einen starken Partner an unserer Seite, mit dem wir weiteres Marktpotenzial erschließen und unsere Präsenz im chinesischen Markt konsequent ausbauen wollen.“

Auch auf chinesischer Seite sieht man in der Kooperation mehr als nur ein gemeinsames Projekt. Cai Zhiwei, verantwortlich für Vertrieb und Marketing bei Tsingtao, beschreibt die Zusammenarbeit als wichtigen Schritt: „Die Zusammenarbeit mit Paulaner ist ein wichtiger Schritt, um die Positionierung der Produkte beider Partner im Premiumsegment gezielt zu stärken“. Weiter führt er aus: „Für Tsingtao steht Qualität an erster Stelle – mit dem klaren Anspruch, den Verbrauchern die besten Produkte zu bieten. Dieser Wert stimmt weitgehend mit dem von Paulaner überein und bildet die Grundlage für eine starke Partnerschaft zwischen zwei führenden Biermarken. Gemeinsam werden wir einen Synergieeffekt erzielen, bei dem eins plus eins mehr als zwei ist, und den Verbrauchern ein vielfältigeres und hochwertigeres Biererlebnis bieten.“

Damit die hohen Qualitätsstandards eingehalten werden, arbeiten die Braumeister beider Häuser eng zusammen. Ziel ist es, ein Bier zu entwickeln, das die Münchner Braukunst widerspiegelt und gleichzeitig die Erwartungen der Konsumenten vor Ort trifft. Gebraut wird nach dem bayerischen Reinheitsgebot und mit original deutschem Hopfen – ein klares Bekenntnis zur Herkunft, auch fern der Heimat.

Die Markteinführung des neuen Lagerbiers ist für den Sommer 2026 geplant. Für Paulaner ist die Kooperation ein weiterer Schritt in Richtung Internationalisierung – und vielleicht auch ein Hinweis darauf, dass die Zukunft des Biermarktes nicht nur in traditionellen Hochburgen entschieden wird.

160 Jahre Brautradition gerettet – Rosenbrauerei Pößneck startet neu durch

Während viele Brauereien in Deutschland derzeit ums Überleben kämpfen, kommt aus Thüringen eine Nachricht, die fast schon ungewohnt optimistisch klingt: Die traditionsreiche Rosenbrauerei Pößneck ist gerettet. Und das nach einer Geschichte, die bis ins Jahr 1866 zurückreicht.

Die Lage der Branche bleibt dennoch angespannt. Allein im Jahr 2024 mussten bundesweit 52 Brauereien schließen, wie das Deutsche Handwerksblatt berichtet. Selbst Bayern, das Herzland der deutschen Braukultur, ist nicht mehr unantastbar: Erstmals fiel die Zahl der dortigen Braustätten unter die Marke von 600.

Die Gründe sind so vielfältig wie belastend. Sinkender Bierkonsum trifft auf steigende Kosten – sei es bei Rohstoffen, Energie oder Personal. Für viele Betriebe wird das Brauen damit zur wirtschaftlichen Gratwanderung. Wer heute Bier produziert, muss gleichzeitig an mehreren Fronten bestehen – und nicht jeder schafft das.

Umso bemerkenswerter ist der Fall der Rosenbrauerei Pößneck. Nachdem das Unternehmen im Februar 2025 Insolvenz anmelden musste, stand die Zukunft lange auf der Kippe. Steigende Produktionskosten und ein rückläufiger Absatz hatten die finanzielle Lage erheblich belastet. Für die Belegschaft und die Anhänger der Marke begann eine Phase der Unsicherheit.

Nun gibt es Klarheit: Der Erfurter Unternehmer André Panse hat die Brauerei übernommen und führt sie seit dem 16. März 2026 weiter. Damit ist die drohende Schließung abgewendet. Entsprechend erleichtert zeigt sich auch das Unternehmen selbst: „Wir haben es geschafft! Die Rosenbrauerei Pößneck startet mit frischer Kraft in eine neue Zukunft“.

Ganz ohne Einschnitte geht der Neustart allerdings nicht. Von ursprünglich 25 Beschäftigten müssen acht ihren Arbeitsplatz aufgeben, wie die Ostthüringer Zeitung berichtet. Die Rettung hat also auch hier ihren Preis – wenn auch einen deutlich geringeren als in vielen anderen Fällen der Branche.

Der Blick auf die Gesamtentwicklung zeigt, wie außergewöhnlich diese Rettung ist. Noch 2019 zählte der Deutsche Brauer-Bund mehr als 1550 Brauereien in Deutschland, 2024 waren es nur noch 1459. Besonders stark betroffen ist Bayern, wo innerhalb weniger Jahre rund 50 Betriebe aufgegeben haben. Thüringen hingegen bildet eine seltene Ausnahme: Hier ist die Zahl der Braustätten seit 2019 sogar leicht gestiegen.

Ein zentraler Kostentreiber liegt im Brauprozess selbst. Das Wechselspiel aus Erhitzen und schnellem Abkühlen – von über 100 Grad bis hinunter zur Gärtemperatur – macht Energie zu einem entscheidenden Faktor. Steigende Preise für Strom und Gas treffen die Betriebe daher besonders hart.

Für die Rosenbrauerei Pößneck bedeutet die Übernahme mehr als nur eine wirtschaftliche Lösung. Sie ist ein Signal dafür, dass Tradition auch in schwierigen Zeiten eine Zukunft haben kann – vorausgesetzt, es findet sich jemand, der bereit ist, daran zu glauben. In einer Branche, in der viele diesen Retter nicht finden, ist das alles andere als selbstverständlich.

Traditionsbrauerei Eichbaum gerettet – aber mit bitterem Beigeschmack

Die gute Nachricht zuerst: Die traditionsreiche Privatbrauerei Eichbaum aus Mannheim wird vorerst nicht abgewickelt. Die schlechte folgt jedoch direkt im Anschluss – und sie trifft viele Menschen ganz konkret. Trotz Rettungsplan stehen offenbar massive Einschnitte bei der Belegschaft bevor.

Die Lage der Brauereien in Deutschland ist angespannt. Steigende Kosten für Rohstoffe und eine rückläufige Nachfrage setzen die Branche zunehmend unter Druck. Bereits 2025 hatte der Deutsche Brauer-Bund e.V. auf diese Entwicklung hingewiesen. Auch Eichbaum, vielen noch als Hersteller der Kult-Malzlimonade „Karamalz“ bekannt, blieb davon nicht verschont – trotz einer über 345 Jahre langen Unternehmensgeschichte.

Ende 2025 musste die Brauerei Insolvenz anmelden. Der Export schwächelte, gleichzeitig ging auch im Inland der Absatz zurück. Die Folge: ein erheblicher Liquiditätsengpass. Besonders brisant: Kurz zuvor hatte Eichbaum die Marke „Karamalz“ an Veltins verkauft – ein Schritt, der offenbar nicht ausreichte, um die finanzielle Situation nachhaltig zu stabilisieren.

Nun gibt es jedoch eine Perspektive. Zwei Investoren wollen das Unternehmen übernehmen und neu aufstellen. Einer von ihnen ist die Brauerei Park & Bellheimer aus Pirmasens, wie gegenüber dem SWR bestätigt wurde. Die Identität des zweiten, offenbar größeren Finanzinvestors bleibt bislang unter Verschluss.

Die Gläubiger haben dem Fortführungskonzept zugestimmt, wodurch eine komplette Stilllegung zunächst abgewendet werden konnte. Im Zentrum dieses Konzepts steht frisches Kapital sowie die Übernahme wesentlicher Vermögenswerte durch die Investoren. Christoph Glatt, Generalbevollmächtigter im Verfahren, betont: „Jetzt geht es darum, die vereinbarten Maßnahmen strukturiert umzusetzen und die wirtschaftliche Stabilisierung des Unternehmens zu erreichen.“

Doch diese Stabilisierung hat ihren Preis. Ein erheblicher Stellenabbau ist Teil des Plans. Von zuletzt rund 290 Beschäftigten könnten nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) etwa zwei Drittel ihren Arbeitsplatz verlieren. NGG-Landeschef Hakan Ulucay bezeichnet diese Entwicklung als „sehr bitter“, erkennt aber zugleich eine „reelle Chance auf Rettung des Brauereistandorts in Mannheim“.

Die Gewerkschaft will den Prozess begleiten und setzt sich für sozialverträgliche Lösungen sowie die Einrichtung einer Transfergesellschaft ein. Konkrete Maßnahmen sollen in den kommenden Wochen abgestimmt werden. Wie viele Arbeitsplätze am Ende tatsächlich wegfallen, ist bislang offen.

Eichbaum exportiert seine Produkte in über 60 Länder und hatte ursprünglich geplant, sich vom reinen Bierproduzenten hin zu einem breiter aufgestellten Getränkeanbieter zu entwickeln. Dieser Strategiewechsel blieb jedoch ohne den gewünschten Erfolg. Der Verkauf von „Karamalz“ an Veltins war ein erstes deutliches Signal für die angespannte Lage.

Ob die neuen Investoren der Brauerei langfristig Stabilität verleihen können, wird sich erst noch zeigen. Fest steht jedoch schon jetzt: Die Rettung kommt – aber sie hat ihren Preis.

Orca Brau – Local IPA

Golden und mit leichter Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. Die feste und feinporige Schaumkrone bleibt sehr lange erhalten. Schon optisch wird klar, dass hier ein modernes, hopfenbetontes Bier wartet.

In der Nase entfaltet sich ein vielschichtiges Aromenspiel. Zitrusnoten von Grapefruit und Limette treffen auf tropische Eindrücke wie Mango und Maracuja, abgerundet durch Düfte nach Ananas und Honig. Dazu gesellt sich ein dezenter Anklang von Steinfrucht, der dem Bouquet zusätzliche Tiefe verleiht.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine angenehme Süße sowie eine feinperlige Kohlensäure aus, die allerdings für meinen Geschmack etwas zu zurückhaltend dosiert wurde. Am Gaumen zeigt sich das IPA angenehm zugänglich und ausgewogen. Die Fruchtigkeit steht klar im Vordergrund, wird jedoch von einer schlanken Malzbasis getragen, die für Struktur sorgt, ohne sich aufzudrängen. Die freundliche Bittere ist moderat, sauber eingebunden und unterstützt die Fruchtaromen, anstatt sie zu überdecken. Im Abgang zeigt sich das Bier leicht trocken mit einer anhaltenden, feinherben Hopfennote, die lange nachklingt und Lust auf den nächsten Schluck macht.

Das Local IPA von Orca Bräu ist ein  modernes, fruchtbetontes IPA mit guter Balance und hohem Trinkfluss. Kein extremes Hopfenbrett, sondern ein durchdachtes, zugängliches Bier, das sowohl Einsteiger als auch erfahrene IPA-Trinker anspricht.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,4 % Vol.

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Orca Brau
Am Steinacher Kreuz 24
90427 Nürnberg
https://orcabrau.de/

Europas Biermarkt schrumpft weiterhin

Der europäische Biermarkt steht weiter unter Druck – und ein Ende der Entwicklung ist aktuell nicht in Sicht. Der neue European Beer Trends Report 2025 von The Brewers of Europe zeichnet ein klares Bild: Produktion, Konsum und Exporte gehen bereits seit 2019 kontinuierlich zurück. Was zunächst wie eine kurzfristige Delle wirkte, entpuppt sich zunehmend als struktureller Wandel.

Ein besonders deutlicher Einschnitt zeigt sich in der Gastronomie. Während früher rund ein Drittel des Bierkonsums in Bars, Restaurants und Kneipen stattfand, liegt dieser Anteil heute nur noch bei etwa einem Viertel. Das klingt zunächst nach einer Verschiebung – hat aber weitreichende Folgen. Denn gerade der Ausschank vor Ort sorgt für einen großen Teil der Wertschöpfung und sichert Arbeitsplätze entlang der gesamten Kette: von Landwirten über Brauereien bis hin zu Festivals und Tourismus. Schwächelt die Gastronomie, spürt das die gesamte Branche.

Auch die Dynamik innerhalb der Brauszene hat nachgelassen. Nach Jahren des Wachstums stagniert die Zahl der Brauereien in der EU bei rund 9.700. Das ist zwar weiterhin eine beeindruckende Zahl, signalisiert aber gleichzeitig, dass der Boom früherer Jahre ins Stocken geraten ist.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Sinkendes Verbrauchervertrauen, steigende Preise und eine allgemein zurückhaltende Kauflaune treffen auf hohe Produktionskosten, gestörte Lieferketten und zunehmende klimatische Herausforderungen bei Rohstoffen wie Hopfen und Gerste. Bier als soziales Getränk leidet dabei besonders – denn wenn weniger ausgegangen wird, wird auch weniger gemeinsam getrunken.

Christian Weber, Präsident von The Brewers of Europe, bringt es auf den Punkt: Die Branche ist zwar widerstandsfähig und grundsätzlich optimistisch, benötigt aber dringend mehr Stabilität und Unterstützung, um weiterhin investieren und wachsen zu können.

Ein Blick auf die Zahlen unterstreicht die Entwicklung: Die Bierproduktion in der EU ist von 367 Millionen Hektolitern im Jahr 2019 auf 345 Millionen Hektoliter im Jahr 2024 gesunken – mit weiter fallender Tendenz im Jahr 2025. Auch die Exporte, lange ein wichtiger Ausgleich für schwächere Inlandsmärkte, sind zuletzt rückläufig.

Doch es gibt auch Lichtblicke. Besonders alkoholfreie Biere entwickeln sich weiterhin stark und sind aktuell das einzige Segment mit deutlichem Wachstum. Innerhalb von fünf Jahren legten sie um 25 Prozent zu und machen inzwischen rund 7,5 Prozent des gesamten Bierkonsums in der EU aus. Ein Trend, der zeigt, dass Innovation weiterhin möglich ist – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Julia Leferman, Generalsekretärin von The Brewers of Europe, fordert daher ein ausgewogenes regulatorisches Umfeld. Die Branche sei bereit, ihren Beitrag zu Nachhaltigkeit, verantwortungsvollem Konsum und kultureller Vielfalt zu leisten – brauche dafür aber Planungssicherheit statt zusätzlicher Hürden.

Vorgestellt wurde der Bericht im Rahmen des „Beer Serves Europe“-Events in Brüssel, bei dem Vertreter aus Brauwirtschaft, Politik und Lieferketten zusammenkamen. Die Botschaft ist klar: Europas Bierkultur steht vor Herausforderungen – aber mit den richtigen Impulsen kann sie weiterhin ein wichtiger wirtschaftlicher und kultureller Faktor bleiben.

De Meester – Winter Meesterke

Die Brauerei Brouwerij De Meester aus dem belgischen Lendelede gehört zu den spannenden Vertretern der modernen belgischen Bierszene. Gegründet von einer Braumeisterin mit internationaler Erfahrung, steht De Meester für handwerklich gebraute Biere, die traditionelle belgische Stile mit einer klaren, zeitgemäßen Handschrift verbinden. Hier wird nicht laut experimentiert, sondern gezielt verfeinert – mit viel Gespür für Balance und Charakter.

Die Brauerei verspricht, mit dem Winter Meesterke eine Interpretation des klassischen belgischen Winterbiers anzubieten, die genau weiß, was sie will: Wärme, Tiefe und ein gutes Maß an Eleganz.

Im Glas zeigt sich das Bier blickdicht schwarz. Die haselnussbraune Schaumkrone baut sich feinporig auf und bleibt stabil stehen – ein ruhiger, aber vielversprechender Auftakt.

In der Nase entfaltet sich sofort ein komplexes Aromenspiel. Karamell, dunkle Schokolade und eine angenehme Süße treffen auf würzige Noten von Nelke und einem Hauch Zimt. Dazu kommen getrocknete Früchte wie Rosinen und Pflaumen, die dem Bouquet eine angenehme Tiefe verleihen und an Weihnachten erinnern. Im Hintergrund schwingt eine dezente alkoholische Wärme mit, die neugierig auf den ersten Schluck macht.

Der Antrunk ist weich, rund und fast cremig. Eine sanfte Malzsüße eröffnet das Geschmackserlebnis, wird jedoch schnell von würzigen Hefenoten eingefangen. Die Kohlensäure ist etwas knapp dosiert, aber feinperlig und gut eingebunden. Sie unterstützt die Struktur und sorgt dafür, dass das Bier trotz seiner Tiefe angenehm trinkbar bleibt. Der Alkohol ist deutlich spürbar, aber hervorragend integriert – wärmend, ohne dominant zu sein. Jetzt zeigen sich Aromen von dunkler Schokolade, leicht gebranntem Zucker, erneut Trockenfrüchten und aus dem Hintergrund etwas Ingwer. Alles wirkt harmonisch, nichts drängt sich in den Vordergrund. In der Kehle wird das Winter Meesterke etwas trockener. Eine feine und leichte Bittere begleitet die ausklingenden malzigen und würzigen Noten und sorgt für einen langen, angenehmen Nachhall, der direkt Lust auf den nächsten Schluck macht.

Insgesamt ist das Winter Meesterke ein gelungenes Beispiel für ein belgisches Winterbier: komplex, ausgewogen und mit genau der richtigen Portion Wärme. Ein Bier für ruhige Abende, das sich Zeit nimmt – und diese auch von Ihnen einfordert.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Spezialmalze, Spekulatiusgewürz, getrocknete Orangenschale, Zucker, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

10,5 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij De Meester
Nelcastraat 1
8860 Lendelede
Belgien
https://www.brouwerij-demeester.be/

Störtebeker braut mit Sierra Nevada neues Bier zur Fußball-WM

Störtebeker feiert das Sportereignis des Jahres mit dem neuen United Style Lager – einem hellen Lagerbier, das mit verschiedenen Länderfahnen die gemeinsame Spiel-Leidenschaft sichtbar macht. Dazu gibt’s ein interaktives Fußball-Bingo inklusive Gewinnspiel.

Zum diesjährigen Fußball-Highlight präsentiert die Störtebeker Braumanufaktur mit dem United Style Lager eine neue Brauspezialität, die ganz im Zeichen des gemeinsamen Erlebnisses steht. Unter dem Kampagnenmotto „Football Unites Us. Let’s celebrate!“ rückt das Bier die Momente in den Mittelpunkt, in denen Menschen zusammenkommen – im Stadion, beim Public Viewing, in der Gastronomie oder beim gemeinsamen Spielabend zu Hause.

Das United Style Lager ist ein helles Lagerbier mit einer fein abgestimmten Hopfennote. Es verbindet die Zugänglichkeit eines klassischen Lagerbiers mit moderner Aromatik und spricht damit eine breite Zielgruppe an – vom traditionellen Biertrinker bis zum neugierigen Entdecker. Gerade zu großen Fußballturnieren steigt die Nachfrage nach unkomplizierten, geselligen Bieren, die sich ideal für das gemeinsame Anstoßen eignen.

Auch optisch greift die Spezialität das internationale Gemeinschaftsthema auf: Am Flaschenhals finden sich 14 verschiedene Länderfahnen von teilnehmenden Teams aus aller Welt. Die unterschiedlichen Varianten unterstreichen den verbindenden Charakter des Turniers und sorgen zugleich für Aufmerksamkeit im Regal sowie Sammel- und Gesprächsstoff bei Fans.

Collaboration Brew: Störtebeker & Sierra Nevada

Für das United Style Lager hat sich Störtebeker mit einer echten Legende aus den USA zusammengetan: Sierra Nevada Brewing Co. gilt als eine der wegweisenden Craft Brauereien weltweit. Was im vergangenen Jahr mit einem Collab Oktoberfestbier exklusiv für den amerikanischen Markt gestartet hat, wird nun beim United Style Lager fortgesetzt. Mit Hallertauer Tradition aus Deutschland sowie Cascade aus den USA finden sich in diesem Bier ausgewählte Hopfensorten, welche beide Brauereien seit ihren Anfängen begleiten.

Maisel & Friends – Fusion IPA

Jetzt steht das Fusion IPA vor mir, ein Bier, das Maisel & Friends gemeinsam mit der norwegischen Brauerei Lervig entwickelt und gebraut hat. Über Maisel & Friends habe ich bereits an verschiedenen anderen Stellen geschrieben, aber Lervig wohl noch nicht. Hier also einige Anmerkungen zu den Norwegern, bevor ich das Bier beschreibe:

Die Lervig aus Stavanger zeigt eindrucksvoll, wie moderne Craft-Braukunst heute funktioniert: unabhängig, experimentierfreudig und mit einem klaren Anspruch an Qualität. Die norwegische Brauerei ist fest in Stavanger verwurzelt, denkt aber längst global. Lervig versteht sich als unabhängiger Betrieb, der bewusst seinen eigenen Weg geht. Statt sich an Trends anzupassen, braut man hier vor allem das, was man selbst gerne trinkt – und das mit einer beeindruckenden Bandbreite. Vom unkomplizierten Pils oder Pale Ale bis hin zu komplexen, fassgereiften Stouts, Barley Wines und wilden Sauerbieren ist alles dabei, was das Craft-Herz höherschlagen lässt.

Dabei gilt ein Grundsatz: Qualität steht immer über wirtschaftlichen Kompromissen. Lervig verlässt regelmäßig die eigene Komfortzone, probiert Neues aus und lässt sich weltweit inspirieren. Reisen, Verkostungen und Kollaborationen mit renommierten Brauern gehören fest zur Philosophie. So entstehen Biere, die sowohl zugänglich als auch anspruchsvoll sein können – je nachdem, worauf man gerade Lust hat.

Ein entscheidender Faktor hinter dem Erfolg ist das Team. Bei Lervig arbeitet eine internationale Mannschaft, die ihre unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen in die Braukunst einbringt. Diese Mischung sorgt dafür, dass die Biere nicht nur technisch überzeugen, sondern auch kreativ und abwechslungsreich bleiben.

Dass dieses Konzept funktioniert, zeigt sich auch über die Grenzen Norwegens hinaus. Lervig exportiert seine Biere inzwischen in über 30 Länder und erreicht damit eine stetig wachsende Fangemeinde. Gleichzeitig sorgt man dafür, dass die Kernbiere jederzeit verfügbar bleiben – ein Balanceakt zwischen Innovation und Verlässlichkeit.

Lervig ist eine Brauerei, die sich nicht festlegen lässt. Mal unkompliziert, mal komplex – aber immer mit dem Anspruch, richtig gutes Bier zu brauen.

Wenn diese Brauerei mit Maisel & Friends gemeinsam ein Bier braut, kann ja eigentlich nur etwas Großes entstehen. Das Fusion IPA bringt zwei kreative Brauwelten zusammen – und genau das merkt man vom ersten Moment an.

Im Glas präsentiert sich das Fusion IPA in einem satten, leicht trüben hellen Goldton. Die schneeweiße Schaumkrone baut sich cremig auf, bleibt stabil stehen und hinterlässt beim Trinken feine Spitzen am Glasrand – ein optischer Auftakt, der Lust auf mehr macht.

In der Nase entfaltet sich ein vielschichtiges Aromenspiel. Zunächst steigen intensive tropische Noten auf: Mango, Maracuja und Ananas geben klar den Ton an. Dahinter folgen Zitrusanklänge von Grapefruit und Limette, begleitet von einer feinen harzigen Note, die dem Ganzen Tiefe verleiht. Ein Hauch von Steinfrucht und eine dezente florale Komponente runden das Bouquet ab, ohne es zu überladen. Kurz gesagt nimmt die Nase einen Obstsalat wahr.

Der Antrunk ist weich und saftig, fast schon samtig mit einer angenehmen Malzsüße. Die Kohlensäure ist sehr feinperlig, aber leider etwas knapp dosiert. Die Fruchtnoten setzen sich sofort durch und erinnern an einen frisch gepressten tropischen Saft. Doch bevor es zu verspielt wird, baut sich eine angenehm präzise Bittere auf. Diese ist deutlich präsent, aber genau wie die 7,9 Volumenprozent Alkohol, hervorragend eingebunden – sie geben dem Bier Struktur, ohne die Fruchtigkeit zu überdecken. In der Kehle ist das Bier trocken, leicht harzig und von einer anhaltenden, eleganten Bittere geprägt. Die tropischen Fruchtnoten klingen langsam aus und machen Platz für eine angenehme, leicht herbe Nachwirkung, die direkt zum nächsten Schluck einlädt.

Insgesamt ist das Fusion IPA ein Paradebeispiel für eine gelungene Zusammenarbeit. Es vereint Intensität und Trinkbarkeit, Komplexität und Klarheit – und zeigt, wie spannend Bier werden kann, wenn zwei kreative Köpfe gemeinsam am Sudkessel stehen. Ein IPA, das sowohl Kenner begeistert als auch Einsteiger problemlos abholt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hafermalz, Hopfen (Citra, Idaho 7, Galaxy, Mosaic), Hefe

Alkoholgehalt:

7,9 % Vol.

Farbe:

5 EBC

Brauerei:

Maisel & Friends
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

in Zusammenarbeit mit

Lervig Aktiebryggeri
Vierveien 1
Hillevåg
4016 Stavanger
Norwegen
www.lervig.no